von Olaf Sundermeyer
   

Fußball unterm Hakenkreuz – Nazisymbole auf Fanfesten

Hitlergruß, Hakenkreuze und Reichskriegsfahnen auf den Fanfesten: Wo Deutsche jeglicher Herkunft im sanften Fußballpatriotismus vereint sind, versuchen einzelne Neonazis ihre unbeliebte Botschaft vom völkischen Deutschland unter die Leute zu bringen.

Etwa Eineinviertelstunde nachdem der gläubige Moslem Mesut Özil in Johannesburg seine Hände mit den Handflächen nach oben zu einem kurzen Gebet vor den schmächtigen Oberkörper hielt, sorgt er unter den Reichskriegsfahnen für Jubel. Mit seinem wuchtigen Torschuss zum 1:0 Endstand gegen Ghana. Deutschland kommt weiter – ins Achtelfinale. Darüber freuen sich auch die Gäste in einem Lokal im niedersächsischen Haste, wo eine solche Fahne – das Ersatzsymbol der verbotenen Hakenkreuzfahne - zur selbstverständlichen Dekoration beim Public Viewing gehört. Sie hing ganz sicher nicht zufällig dort. Schließlich gilt der dortige Landkreis Schaumburg-Lippe als eine der westdeutschen Hochburgen für Neonazis. „Die breiten sich besonders dort aus, wo Rechtsextremismus von der übrigen Bevölkerung als normal angesehen wird“, stellte der Bielefelder Gewaltforscher Wilhelm Heitmeyer im vergangenen Jahr in einer Studie fest, die sich mit menschenfeindlichen Einstellungen im Nachbarort von Haste beschäftigt. National ist hier normal. Özil hin oder her. Und auch auf der Wuppertaler Fanmeile stören sich die Besucher nicht an der Reichskriegsfahne, die am Tag von Özils Kunstschuss über ihren Köpfe weht, schließlich strömen die Neonazis an anderen Tagen auch zu den Heimspielen des örtlichen Drittligisten.

Denn im anonymen Klima des Massenphänomens Fußball fühlen sie sich wohl. Dort verbreiten sie schleichend ihre Botschaft von einem völkischen Deutschen Reich, in dem Menschen wie Mesut Özil übrigens nichts verloren haben. Weil er zwar in Gelsenkirchen geboren ist, nicht aber seine Eltern. Neonazis machen sich auch im Schutz einer Euphorie breit, die von einer multiethnischen Nationalmannschaft ausgelöst wurde. Das passiert mittels juristisch unbedenklicher Symbolik, wie sie die NPD über ihr „nationales Warenhaus“ vertreibt: Mit kleinen schwarz-weiß-roten Autofähnchen für fünf Euro das Stück, wie man sie derzeit im Berliner Osten gelegentlich – und in Kreuzberg überhaupt nicht an den Autos sieht. Die Partei ist vorsichtig geworden, seitdem drei ihrer Spitzenfunktionäre, darunter Parteichef Udo Voigt, in diesem Frühjahr wegen eines volksverhetzenden WM-Planers von einem Berliner Gericht verurteilt wurden, den sie bei der WM vor vier Jahren verteilen ließ. Damals diskriminierte sie den Nationalspieler Patrick Owomoyela, Sohn einer Deutschen und eines Nigerianers. Auch Mesut Özil sei bloß ein „Plastedeutscher, ein Ausweisdeutscher“, sagte der ebenfalls verurteilte NPD-Landesvorsitzende von Brandenburg, Klaus Beier, in einem Fernsehinterview.

Und manchmal kommt das Völkische auch unverklausuliert zu den Fans: Etwa auf der Fanmeile am Frankfurter Roßmarkt, wo ein Mann (nach dem Hinweis eines Journalisten) von der Polizei festgenommen wurde, weil er sich ein Hakenkreuz auf den Körper gemalt hatte. Aber niemand hatte sich an der eigenwilligen Körperbemalung gestoßen. Auch nicht an dem Hitlergruß, den eine Gruppe einschlägig bekannter jugendlicher Neonazis beim Public Viewing zum Viertelfinalspiel Deutschland-Argentinien in der Frankfurter Commerzbank-Arena vorführte. Immer wieder kommt es zu solchen Vorfällen. Und nur die wenigsten werden publik.

In Witten wurde dieser Gruß unter den Zuschauern des ersten Deutschlandspiels gegen Australien in einem Kulturzentrum zum Thema, nachdem ein Lokalreporter der „Ruhrnachrichten“ darüber berichtet hatte. „Die Dummen sterben offensichtlich nicht aus“, schrieb er, und machte damit eine Gruppe jugendlicher Neonazis sichtbar, die in der Stadt aktiv ist, und schon seit der EM 2008 immer wieder bei Fußballübertragungen auftaucht. In der Nachbarstadt Dortmund ballt sich die Fußballkultur wie an wenigen anderen Orten in Deutschland, gleiches gilt aber auch für eine jugendliche Neonaziszene. Das weiß auch die Polizei. Und so waren es mutmaßlich die Spezialisten des Staatsschutzes, die bei der Übertragung des Auftaktspiels der Deutschen in Südafrika eine Gruppe von Neonazis in offen neonazistischer Symbolik auf dem zentralen Fanfest ausmachte. Aus der obersten Etage des Rathauses, das einen freien Blick über den Festplatz bietet, hatten sie die Störer ausgemacht. Von einschlägigen Tätowierungen ist die Rede. Bereitschaftspolizisten holten die Neonazis aus der Menge. „Sie wurden dann freundlich ans Händchen genommen, und aus der Menge eskortiert“, sagt Oliver Berten von der Stadtverwaltung. Der Einsatz verlief fast unbemerkt von der Öffentlichkeit. Zuvor schon hatten private Sicherheitsleute fast 30 äußerlich erkennbaren Neonazis den Einlass verwehrt. „Denen hat man ein offizielles Platzverbot erteilt“, sagt Berten.

Das Problem seien aber vor allem jene Rechtsextremisten, die nicht gleich als solche erkennbar sind, und die anonyme Masse für ihre Agitation nutzen, sagt Stefan Mühlhofer. Aus dem Büro seiner Koordinierungsstelle „Vielfalt und Toleranz“ blickt man dieser Tage ebenfalls auf das Fanfest. So nehme der Trend hin zu jugendlichen besonders gewaltbereiten Neonazis zu, die äußerlich den urbanen Stil linker Jugendkulturen annehmen. Die wenigsten Neonazis malen sich ein Hakenkreuz auf die Brust, oder lassen sich eine „88“ auf den martialisch anmutenden Stiernacken tätowieren, als Zeichen für die beiden achten Buchstaben des Alphabets, die für „Heil Hitler“ stehen. Die meistens sind milchgesichtig und stehen vielleicht mit einer schwarzen Baseballkappe irgendwo auf einer Fanmeile in Deutschland. Und wenn sie sich unbeobachtet fühlen, dann recken sie die Hand zum Hitlergruß, weil Mesut Özil für sie kein Deutscher ist, und ihre heimliche Fahne keine schwarz-rot-goldene.

Kommentare(20)

Falke27 Mittwoch, 07.Juli 2010, 22:01 Uhr:
Vielen Dank für diesen unglaublich zivilcouragierten und journalistisch an Perfektion unünertroffenen Artikel. No pasaran, Olaf
 
WP Donnerstag, 08.Juli 2010, 14:39 Uhr:
Was ist wohl anmaßender? Zu behaupten, Mezut Özil sei kein Deutscher oder ihn einfach zwangszugermanisieren?
Was ist der Däne in Angeln, was der Sorbe aus Bautzen? Ich meine, lassen wir Mitbürger wie Özil doch einfach selbst entscheiden, was sie sein wollen.
 
xyz Donnerstag, 08.Juli 2010, 17:04 Uhr:
"Was ist der Däne in Angeln, was der Sorbe aus Bautzen? Ich meine, lassen wir Mitbürger wie Özil doch einfach selbst entscheiden, was sie sein wollen."

Nun, die Dänen und die Sorben haben ihren angestammten Siedlungsraum seit Jahrhunderten, wenn nicht sogar seit einem oder zwei Jahrtausenden in den Gebieten, in denen sie heute leben.

Dagegen haben die Türken ihren angestammten Siedlungsraum seit Jahrhunderten in Kleinasien.

Herr Özil kann sich gerne als Deutscher fühlen, genauso wie sich die Nachfahren der eingewanderten Hugenotten und Polen als Deutsche betrachten.

Wenn er aber lieber Türke sein oder bleiben will, so mag er in die Heimat seiner Vorfahren (Kleinasien) gehen.
 
Theodor Adorno Donnerstag, 08.Juli 2010, 17:11 Uhr:
@ WP: Für was steht eigentlich ihr "WP"? Für "White Power"?
 
WP Freitag, 09.Juli 2010, 08:29 Uhr:
Es geht hier nicht um "die Türken", sondern um Herrn Özil. Und der hat seinen "angestammten Lebensraum" ja wohl in Deutschland. Lassen wir ihn doch einfach Türke sein, wenn er das will, genauso, wie wir den Dänen und den Sorben ihre Ethnizität nicht absprechen.
 
xyz Freitag, 09.Juli 2010, 09:58 Uhr:
@WP 09. Juli 2010 um 10:29 Uhr

Sie befinden sich anscheinend ganz auf der Linie von Herrn Erdogan mit seinen Worten "Integriert euch, aber assimiliert euch nicht!".

So wie Sie argumentieren, kann man der Bezeichnung "Plastedeutscher" durch die NPD seine Berechtigung gar nicht mal absprechen.

Denn dann zählt für die Türken offenbar wirklich nur das Stück Papier, der deutsche Pass, wegen der damit verbundenen Rechte und Vorteile.

Wenn die hier lebenden Türken aber keine Deutschen sein wollen, dann sollen sie es auch bleiben lassen, die deutsche Staatsangehörigkeit zu beantragen. Dann müssen sie aber auch damit leben, in die Türkei abgeschoben werden zu können.
 
B.C. Freitag, 09.Juli 2010, 22:11 Uhr:
@theodor adorno:
schon wieder son namensfettnapf. wofuer steht denn bei ihnen theodor adorno? fuer "theo steht auf porno"? ein besserer zusammenhang faellt mir bei ihnen grad nicht ein, um ihnen mal auf gleicher plumper ebene zu begegnen!
 
Roichi Samstag, 10.Juli 2010, 11:21 Uhr:
@ xyz

So ganz hast du den Kommentar aber nicht verstanden, oder?
 
Theodor Adorno Samstag, 10.Juli 2010, 16:16 Uhr:
@ B.C.: "Theodor Adorno" steht für den Traum von einer egalitären Gesellschaft, in der jegliche Autorität abgeschafft ist. Ich verstehe deshalb ihre Anfeindungen nicht. Ich gehöre schließlich zu den fortschrittlichen und humanistischen (Gut)Menschen. Wer mich kritisiert setzt sich der Gefahr aus, für einen Nazi und/oder Antisemit gehalten zu werden.
Und das wollen Sie doch sicherlich nicht, lieber Herr "B.C."?
 
xyz Montag, 12.Juli 2010, 09:54 Uhr:
@ Roichi

Geht`s vielleicht ein bißchen konkreter?
 
WP Montag, 12.Juli 2010, 12:37 Uhr:
Auf wessen Linie ich auch immer liege, werter xyz, ist doch völlig wurscht. Ich gebe lediglich zu bedenken, daß es anmaßend ist, in Deutschland lebenden Türken, Dänen, Sorben, Friesen usw. von ferne zu diktieren, als was sie sich gefälligst zu fühlen haben. Und ja, wenn es das deutsche Recht zuläßt, Menschen aus anderen Kulturkreisen die Staatsbürgerschaft zuzuerkennen, ohne daß sie sich integrieren oder assimilieren wollen, dann ist das eben so. Herr Özil bezeichnet sich offenbar als Türke mit deutschen Paß. Er nimmt die Vorteile für sich mit, die ihm der Paß bietet. Ja, und? Multikultur hat mit Assimilierung aller anderen Kulturen in eine Monokultur nichts zu tun.

@Wer mich kritisiert setzt sich der Gefahr aus, für einen Nazi und/oder Antisemit gehalten zu werden. (sic!)
 
Birgit Kramp Montag, 12.Juli 2010, 14:05 Uhr:
"Fahnen-Gegner wollen auch künftig Flagge zeigen

Haste/Bad Nenndorf (ni). Die Live-Übertragung des WM-Spiels Deutschland gegen Ghana am vergangenen Mittwoch im Gasthaus Seegers in Haste hat für einigen Wirbel gesorgt. Weniger, weil die Deutschen durch ihren 1:0-Sieg zur Freude der Besucher das Achtelfinale erreichten, sondern vielmehr, weil im Rahmen des „Public Viewing“ unter den schwarz-rot-goldenen Deutschland-Fahnen auch eine Reichskriegsflagge wehte – und die SN das bildlich dokumentierten. Prompt gab es heftige Reaktionen von Bürgern, Politikern und dem Bündnis „Bad Nenndorf ist bunt“. Auch im Internet war die Berichterstattung über den Vorfall in Haste vor allem unter Antifa-Aktivisten ein Thema."

Quelle:
Schaumburger Nachrichten vom 30.06.2010
http://www.sn-online.de/Schaumburg/Nenndorf/Nenndorf/Haste/Fahnen-Gegner-wollen-auch-kuenftig-Flagge-zeigen

(Nur der Vollständigkeit halber, denn manchmal passiert auch glatt das überaus unfassbare Wunder, dass etwas passiert auch ohne das erst der Weg der lokalen Berichterstattung verlassen werden muss.)
 
xyz Montag, 12.Juli 2010, 16:50 Uhr:
@WP
"Ich gebe lediglich zu bedenken, daß es anmaßend ist, in Deutschland lebenden Türken, Dänen, Sorben, Friesen usw. von ferne zu diktieren, als was sie sich gefälligst zu fühlen haben."

1. Ich wüßte nicht, daß es eine sorbische oder friesische Staatsangehörigkeit gibt.

2. Das Verhältnis zu den Dänen hat seine Besonderheiten aufgrund der Grenznähe und ist seit jeher völlig unproblematisch. Falls es Ihnen entgangen ist, es gibt auch eine deutsche Minderheit im zu Dänemark gehörenden Teil Nordschleswigs.

3. Niemand will irgendjemanden dazu zwingen, sich als irgendetwas zu fühlen. Ich würde gerne mal wissen, wo Sie das herausgelesen haben wollen. Nur wenn man sich für eine Staatsangehörigkeit entscheidet, dann hat man das ohne Wenn und Aber zu tun. Man kann nicht auf zwei Hochzeiten feiern wollen. Wer Deutscher werden will, hat seine frühere Staatsangehörigkeit abzugeben. Ausnahmen sollten nur unter ganz engen Voraussetzungen zugelassen sein, und dann auch nur für EU-Staatler.

"Und ja, wenn es das deutsche Recht zuläßt, Menschen aus anderen Kulturkreisen die Staatsbürgerschaft zuzuerkennen, ohne daß sie sich integrieren oder assimilieren wollen, dann ist das eben so."

Ich hoffe, daß das nicht der Fall ist, und wenn ja, so würde ich solche Regelungen im deutschen Recht abschaffen. Wenn jemand so sehr an seinem "alten" Kulturkreis hängt, warum will er dann überhaupt Deutscher werden?

"Multikultur hat mit Assimilierung aller anderen Kulturen in eine Monokultur nichts zu tun."

Mulitkulti funktioniert nur in der Phantasie einiger Linksgrüner.

Multikulti bedeutet in der Praxis das Nebeneinanderexistieren von verschiedenen Monokulturen. Irgendwann kommt es jedoch dazu, daß eine Monokultur über die andere herrschen will.

Wie toll Multikulti funktioniert, sehen Sie z.B. am Tschtschenenkonflikt, an den Auseinandersetzungen zwischen Armeniern und Aserbaidschanern oder am Konflikt zwischen Türken und Kurden oder am Beispiel des früheren Jugoslawien, am Kosovokonflikt usw. usf..
 
WP Dienstag, 13.Juli 2010, 09:21 Uhr:
@Ich wüßte nicht, daß es eine sorbische oder friesische Staatsangehörigkeit gibt.

Habe ich auch nie behauptet. Hierbei handelt es sich um Staatsbürger der BRD, die sich nicht unbedingt als Deutsche sehen.

@Das Verhältnis zu den Dänen hat seine Besonderheiten aufgrund der Grenznähe und ist seit jeher völlig unproblematisch

Das Verhältnis zu Menschen wie Özil ist auch völlig unproblematisch.

@Ich würde gerne mal wissen, wo Sie das herausgelesen haben wollen

Implizit ist das Tenor des Beitrages, auf den ich reagierte.

@Wer Deutscher werden will, hat seine frühere Staatsangehörigkeit abzugeben.

Warum? Es ist rechtlich durchaus üblich, zwei oder mehr Staatsbürgerschaften zu besitzen. Und daß Herr Özil - obwohl im Besitz der Staatsbürgerschaft der BRD - sich dadurch nicht als Deutscher fühlt, ist sein gutes Recht.

@Wenn jemand so sehr an seinem "alten" Kulturkreis hängt, warum will er dann überhaupt Deutscher werden?

Weil es ihm persönlich Vorteile bringt. Er wäre ja dumm, sich diese Gelegenheit entgehen zu lassen.

@Mulitkulti funktioniert nur in der Phantasie einiger Linksgrüner

Ich dagegen sage, Multikulti hat in der DFB-Auswahl ganz gut funktioniert.

@Multikulti bedeutet in der Praxis das Nebeneinanderexistieren von verschiedenen Monokulturen. Irgendwann kommt es jedoch dazu, daß eine Monokultur über die andere herrschen will.

Das kann durchaus sein. Wenn das jedoch im Einklang mit Recht und Gesetz unseres Landes geschieht, können wir nichts dagegen haben.
 
xyz Dienstag, 13.Juli 2010, 15:34 Uhr:
@WP
"Hierbei handelt es sich um Staatsbürger der BRD, die sich nicht unbedingt als Deutsche sehen."

Da die Sorben und Friesen keine eigene Staatsangehörigkeit besitzen, ist es unzulässig, sie mit den Türken gleichzusetzen, wie Sie es getan haben. Es macht eben einen entscheidenden Unterschied aus, ob die Möglichkeit besteht, daß jemand statt der deutschen eine andere Staatsangehörigkeit haben kann.

"Das Verhältnis zu Menschen wie Özil ist auch völlig unproblematisch."

Wer sind denn "Menschen wie Özil"? Meinen Sie Spitzensportler oder Berufsfußballspieler?

Mal im Ernst, Sie meinen doch vielmehr Türken. Allerdings macht eine Schwalbe noch keinen Sommer.

Unbestritten gibt es nämlich gerade mit Türken und Arabern überproportional viele Probleme, was die Integration in die hiesige Gesellschaft anbelangt.

"Es ist rechtlich durchaus üblich, zwei oder mehr Staatsbürgerschaften zu besitzen."

Wie kommen Sie darauf? Eine Staatsbürgerschaft vermittelt vereinfacht gesagt ein rechtliches Band zu dem Staat, in dem jemand geboren und aufgewachsen ist sowie sich dauerhaft rechtmäßig aufhält. Solch ein Land kann jedoch gewöhnlich nur EIN Land sein.

"Und daß Herr Özil - obwohl im Besitz der Staatsbürgerschaft der BRD - sich dadurch nicht als Deutscher fühlt, ist sein gutes Recht."

Mit diesem Satz sprechen Sie gerade aus, daß die NPD mit der Bezeichnung "Plastedeutscher" eigentlich recht hat.

"Weil es ihm persönlich Vorteile bringt. Er wäre ja dumm, sich diese Gelegenheit entgehen zu lassen."

Dann hat aber die Mehrheitsgesellschaft das Recht, demjenigen diese Gelegenheit zu versagen.

"Ich dagegen sage, Multikulti hat in der DFB-Auswahl ganz gut funktioniert."

Wie schlecht Multikulti funktioniert, konnten Sie am Beispiel der französichen Nationalmannschaft sehen. Im Übrigen sind die Verhältnisse in einer 11-köpfigen Fußballmannschaft nicht auf eine ganze Gesellschaft, einen Staat, übertragbar.

"Wenn das jedoch im Einklang mit Recht und Gesetz unseres Landes geschieht, können wir nichts dagegen haben."

Dann müssen Recht und Gesetz so geändert werden, daß derartige Zustände nicht eintreten. Das heißt also, daß nicht jeder nach Deutschland hereinkommen kann, der das gerade möchte, sondern daß die Mehrheitsgesellschaft entscheidet, wer herkommen darf und wer nicht. Integrationsunwillige Türken und Araber haben wir allerdings schon in genügender Zahl hier. Das müssen nicht noch mehr werden, denn sonst haben wir hier bald ebensolche Konflikte wie im Kosovo und anderswo.
 
WP Mittwoch, 14.Juli 2010, 10:00 Uhr:
@Da die Sorben und Friesen keine eigene Staatsangehörigkeit besitzen, ist es unzulässig, sie mit den Türken gleichzusetzen.

Ich habe nichts gleichgesetzt, sondern verglichen. Und die Lage dieser Bevölkerungsgruppen ist durchaus vergleichbar. Man ist im Besitz der deutschen Staatsbürgerschaft, fühlt sich aber nicht unbedingt als Deutscher.

@Wer sind denn "Menschen wie Özil"?

Alle leistungsbereiten bzw. -starken Menschen mit Migrationshintergrund.

@Wie kommen Sie darauf?

Durch die alltägliche Medienlektüre. Oder wollen Sie in Abrede stellen, daß es eine völlig übliche Erscheinug ist, daß in Deutschland sehr viele Zuwanderer eine doppelte Staatsbürgerschaft besitzen?

@Mit diesem Satz sprechen Sie gerade aus, daß die NPD ...

Ich teile weder Wortwahl noch Inhalt der politischen Stellungnahmen dieser Partei.

@Dann hat aber die Mehrheitsgesellschaft das Recht, demjenigen diese Gelegenheit zu versagen.

Nach der jetzigen Rechtslage hat sie dieses Recht eben nicht. Darauf kommt es an! Daß diese Rechtslage sich in absehbarer Zeit ändert, bezweifle ich.

@Wie schlecht Multikulti funktioniert, konnten Sie am Beispiel der französichen Nationalmannschaft sehen.

Offenbar macht der DFB in diesem Bereich eine bessere Arbeit als der französische Fußballverband. Das sollte doch ein Ansporn für uns sein!

@Dann müssen Recht und Gesetz so geändert werden, daß derartige Zustände nicht eintreten.

Recht und Gesetz werden in den Parlamenten geändert. Eine Mehrheit für ihre Positionen sehe ich nicht, auch nicht für die nahe Zukunft.
 
Roichi Mittwoch, 14.Juli 2010, 11:16 Uhr:
@ xyz

Konkreter macht das schon WP.
Doch hier noch einiges zur dir.

"Da die Sorben und Friesen keine eigene Staatsangehörigkeit besitzen, ist es unzulässig, sie mit den Türken gleichzusetzen, wie Sie es getan haben. Es macht eben einen entscheidenden Unterschied aus, ob die Möglichkeit besteht, daß jemand statt der deutschen eine andere Staatsangehörigkeit haben kann."

Warum ist es unzulässig diese Gelichzusetzen? Wie ich schon erfolgreich dem Björn vermitteln konnte, sind Volkszugehörigkeit und Staatszugehörigkeit nicht das selbe.
Er ist nunmal deutscher Staatsbürger, genau wie ein Sorbe oder Friese. Da gibt es keine Unterschiede. Auch wenn die NPD da gerne der Meinung ist rassistisch argumentieren zu müssen, so ist das Gesetzt glücklicherweise für alle gleich.

"Unbestritten gibt es nämlich gerade mit Türken und Arabern überproportional viele Probleme, was die Integration in die hiesige Gesellschaft anbelangt."

Unbestritten ist auch, dass gerade rechts Eingestellte überproportional aus der sogenannten bildungsfernen Schicht kommen und in Gegenden leben, in denen der Anteil von Migranten im Vergleich sehr gering ist, was wesentlich mehr Probleme mit sich bringt, zumal diese Leute auch nicht der Gewalt zur Umsetzung ihrer Ansichten abgeneigt sind.

"Wie kommen Sie darauf?"

Nun es ist nicht nur in Deutschland so üblich, sondern in diversen anderen Ländern auch.

"Mit diesem Satz sprechen Sie gerade aus, daß die NPD mit der Bezeichnung "Plastedeutscher" eigentlich recht hat."

Und was soll die Bezeichnung sagen, außer dass die NPD der Meinung ist rassistisch argumentieren zu müssen, weil ihnen sonst nichts einfällt?

"Dann hat aber die Mehrheitsgesellschaft das Recht, demjenigen diese Gelegenheit zu versagen."

Hat sie, macht sie aber nicht, da die Mehrheitsgesellschaft intelligent genug ist, die NPD-Propaganda zu durchschauen.

"Wie schlecht Multikulti funktioniert, konnten Sie am Beispiel der französichen Nationalmannschaft sehen. Im Übrigen sind die Verhältnisse in einer 11-köpfigen Fußballmannschaft nicht auf eine ganze Gesellschaft, einen Staat, übertragbar."

Ach nicht? Warum machst du es dann?

Der letzte Absatz ist ja nicht anderes als von der NPD abgeschrieben. Der Kommentar dazu dürfte sich aus den anderen Kommentaren zu deinem Text ergeben.
 
xyz Mittwoch, 14.Juli 2010, 13:51 Uhr:
@roichi

Erst mal kurz zu dir. Das kann wegen der dürftigen Substanz deiner Ausführungen bei einer knappen Erwiderung sein Bewenden haben, weil dir anscheinend nichts besseres einfällt als die inflationäre Verwendung der vermeintlichen "Zauberwörter" NPD und rassistisch, um andere Auffassungen zu "widerlegen".

@WP

"Ich habe nichts gleichgesetzt, sondern verglichen."

Offenbar ist Ihnen der Unterschied zwischen "gleichsetzen" und "vergleichen" nicht geläufig. Aus Ihren obigen Ausführungen geht klar hervor, daß Sie Sorben und Friesen mit Türken gleichgesetzt und eben nicht bloß verglichen haben.

"Alle leistungsbereiten bzw. -starken Menschen mit Migrationshintergrund."

Leider gibt es insoweit himmelweite Unterschiede. Ich sage nur auf der einen Seite z.B. Vietnamesen und auf der anderen Seite Türken und Araber. Ich habe z.B. noch nie einen Vietnamesen jammern und klagen hören, weil der seine frühere Staatsangehörigkeit nicht behalten durfte. Diese Leute sind dankbar für die Chancen, die ihnen hier geboten werden, und sie ergreifen sie von sich aus.

"Durch die alltägliche Medienlektüre. Oder wollen Sie in Abrede stellen, daß es eine völlig übliche Erscheinug ist, daß in Deutschland sehr viele Zuwanderer eine doppelte Staatsbürgerschaft besitzen?"

Das ist ein bißchen sehr vage. Haben Sie belastbare Zahlen?

"Nach der jetzigen Rechtslage hat sie dieses Recht eben nicht."

Eben doch. Deshalb laufen ja die türkischen Interessenverbände Sturm gegen das Optionsmodell bei der doppelten Staatsangehörigkeit.

"Recht und Gesetz werden in den Parlamenten geändert. Eine Mehrheit für ihre Positionen sehe ich nicht, auch nicht für die nahe Zukunft."

Zeiten und Verhältnisse ändern sich manchmal schneller als gedacht.
 
Roichi Donnerstag, 15.Juli 2010, 04:58 Uhr:
@ xyz

Hach, wie ich solche Inhaltlichen Argumentationen liebe.
Wie soll ich es denn sonst nennen? Gibt es dafür einen Euphemismus? Macht das einen Unterschied?

So, jetzt mal Butter bei die Fische, kommt da noch was, oder fällt dir einfach nichts sinnvolles ein?
 
WP Donnerstag, 15.Juli 2010, 10:02 Uhr:
@Offenbar ist Ihnen der Unterschied zwischen "gleichsetzen" und "vergleichen" nicht geläufig. Aus Ihren obigen Ausführungen geht klar hervor, daß Sie Sorben und Friesen mit Türken gleichgesetzt und eben nicht bloß verglichen haben.

Da irren Sie, werter xyz. Ich habe verglichen und dabei nicht aus den Augen verloren, daß zum Gleichsetzen etwas Wesentliches fehlt: daß z.B. Sorben und Friesen i.d.R. nur eine Staatsbürgerschaft haben

@Leider gibt es insoweit himmelweite Unterschiede

Das will ich gar nicht bestreiten, aber Menschen wie Herr Özil machen überhaupt keine Probleme auch mit doppelter Staatsangehörigkeit.

@Haben Sie belastbare Zahlen?

Nein, die könnte wohl nur der türkische Staat liefern.

@Eben doch. Deshalb laufen ja die türkischen Interessenverbände Sturm gegen das Optionsmodell bei der doppelten Staatsangehörigkeit.

Die laufen Sturm, weil sie ihrer Klientel nicht zumuten möchten, die deutsche Staatsangehörigkeit anzunehmen. Die Lobby möchte für ihre Klientel gleiche Rechte wie Staatsangehörige (natürlich ohne die dazugehörenden Pflichten...).

@Zeiten und Verhältnisse ändern sich manchmal schneller als gedacht.

Die Hoffnung stirbt zuletzt. Realistisch betrachtet gibt es auf absehbare Zeit keine Chance, daß es hier rechtliche Änderungen gibt.
 

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