von Storch Heinar
   

"Fummeln unterm Hakenkreuz!?" – Alexandra Nightline als "Dr. Sommer" von der NPD

Alexandra Nightline? NPD? Die jüngste Durchsicht der rechtsextremen Feindpresse "Deutsche Stimme" (DS) sorgte für ausgelassene Heiterkeit in Storch Heinars Presse-Stab. Was daher kommt wie die Chefredakteurin der Rubrik "erotische Kontaktanzeigen", soll in Wirklichkeit die neue Sorgentante des NPD-Parteiorgans sein.


Schon seit längerer Zeit bekomme die DS-Redaktion immer wieder Anfragen von NPD-Mitgliedern zu "lebensnahen Fragen". Angesprochen würden hierbei Probleme, die mit dem "täglichen Leben eines Nationalisten in einer ablehnend bis feindlich eingestellten Umwelt und Gesellschaft" zu tun hätten.

Es geht also um Nazi-Albträume wie "afrikanisches Leben in der Nachbarwohnung", "Nazi-Kinder, die ständig von ihren Mitschülern mit Migrationshintergrund in die Schulhoftonne gesteckt werden", usw. Manche Anfragen müssen wohl Absenderadressen in Absurdistan haben: So schreibe ein offenbar nicht in die NPD involvierter junger Mann ausgerechnet an die NPD-DS-Redaktion: "Meine Freundin engagiert sich bei den Jungen Nationaldemokraten. Meine Familie will mir den Umgang mit Ihr verbieten. Wie verhalte ich mich richtig?" Genau. "Briefe an mich – Antworten von mir" wäre wohl auch ein guter Titel für die Rubrik gewesen.

Wie auch immer. Nicht "Kummertante Eva" oder " Dr. Sommersonnenwende" sollen's richten, sondern ausgerechnet das bisher unbekannte völkisch-nationale Urgestein "Alexandra Nightline" (dt. Nachtlinie) soll die Volksseele streicheln und ratsuchenden Neonazis in der Print- und Online-Ausgabe der "Deutschen Stimme" Rede und Antwort stehen. Alles anonym versteht sich. Fragen könnten bequem per "Email" (!) – korrekt hätte es übrigens "E-Post" bzw. "elektronische Post" heißen müssen, soviel Zeit muss sein – an "horizont@npd.de" gestellt werden.


Eine "harte Nuss" hat die braune Nachtlinie denn auch in der ersten Ausgabe zu knacken. Aus dem hohen Norden Deutschlands schreibt Marina S. (35): "Wir sind völkisch-national eingestellt, ich wurde sehr jung Mutter und Hausfrau..." Soweit so hervorragend gut, möchte man meinen. Was kann denn das nationalistische Mutterherz mehr begehren, als der Sache des deutschen Volkes durch fleißigen Einsatz in Heim und am Herd zu unterstützen? Was kann Marina S. bloß von Frau Nightline wollen?


Dann bricht es hervor: Die Kinder seien aus dem Haus, sie wolle jetzt Abitur (!) nachmachen und ein Studium (!!) anschließend. Wie bitte? Als wäre das noch nicht unverfroren genug, haut Marina S. auch gleich noch ihren Mann in die Pfanne. Er "ist der Meinung, dass ich mich in meinem Alter nicht mehr fortbilden muss, (...) und lehnt es ab. (...) Wie kann ich ihn überzeugen?"


Der Sittenverfall in der rechtsextremen NPD scheint nicht mehr aufzuhalten zu sein. Anstelle Marina mal ordentlich den Kopf zu waschen, ihr die großdeutschen Koordinaten durchzugeben und ihr nahezulegen, doch ersatzweise einfach in den "Ring Nationaler Frauen" (RNF) einzutreten, leistet Nightline via NPD-Parteiorgan konterrevolutionäre Schützenhilfe gegen die nationalistische Gesellschaftsordnung: "Idee der Fortbildung außerordentlich bemerkenswert und gut." Sie (Nightline) könne sich vorstellen, dass S. Ehemann schlicht geängstigt sei. Es gelte das Gespräch zu suchen, Vor- und Nachteile zu erörtern, gegenseitige Rücksicht zu nehmen. Der Mann könne stolz auf seine Frau sein, die "Familie und Studium unter einen Hut bekommt." Wenn das der Führer wüsste! Ein klares Weltbild sieht anders aus.


Wohl erschrocken von so viel multikultureller-Gender-Zerstreuung versucht Sorgenliese Alexandra letztlich dann doch noch die NPD-Kurve zu kriegen: Marina S. solle mit ihrem Mann doch sicherheitshalber eine Probezeit vereinbaren, in der sie beweisen müsse, dass Mann, Kinder und Haushalt nicht unter ihrem akademischen Selbstverwirklichungsprojekt zu Leiden hätten. Sollte beides möglich sein, müsse der Herr im Hause "seinen Willen jedoch dann auch zurückstecken" und Marinas Entscheidung akzeptieren.


Männer der rechtsextremen Bewegung – macht Euch auf etwas gefasst!

Kommentare(17)

Bernd Freitag, 21.September 2012, 08:50 Uhr:
Ich denke, Ratschläge über Lebensfragen sollen von Fachpersonal beantwortet werden und nicht von Personen die davon keine Ahnung haben.
 
L.B. Freitag, 21.September 2012, 10:53 Uhr:
""Wir sind völkisch-national eingestellt, ich wurde sehr jung Mutter und Hausfrau..." Die Kinder seien aus dem Haus, sie wolle jetzt Abitur (!) nachmachen und ein Studium (!!) anschließend. Er "ist der Meinung, dass ich mich in meinem Alter nicht mehr fortbilden muss, (...) und lehnt es ab. Wie kann ich ihn überzeugen?""

Archaische Sitten mitten aus Tyskland.
 
Siggi Weber Freitag, 21.September 2012, 13:54 Uhr:
Fr Nightline ist mutmaßlich die Freundin/Frau von Alexander Neidlein, 2. Vorsitzender der NPD Baden_Württemberg. Schaut bei Wikipedia nach ihm und ihr werdet (nicht?) überrascht sein..... vorbestraft, Freiwilliger in Kroatien beim Jugoslawien Krieg, Besuch in Südafrika mit Kontakten zum dortigen Ku Klux Clan. Noch Fragen?
 
Atze Freitag, 21.September 2012, 14:09 Uhr:
Wie? Nightline? Lese ich richtig? NIGHTLINE? Ihr dämlichen mehlmützen! Geht es noch? Was soll denn diese anglizistische Verballhornung eines deutschen Namens? Widerlich, dieses Hernagehschleime an den undeutschen Zeitgeist. Tstststs.
 
Björn Freitag, 21.September 2012, 14:33 Uhr:
Unser Storch kann es offenbar nicht akzeptieren, dass die NPD nicht dem Klischeebild entspricht, welches Antirechte gerne von der NPD zeichnen wollen und versucht es daher mit Kindergartensatire um wenigstens noch die Nichtentsprechung des Klischees irgendwie krampfhaft ins Lächerliche zu ziehen. Natürlich wiedermal erfolgslos. Wir stellen also fest, dass das Frauenbild der NPD auf Gleichberechtigung aufgebaut ist und nicht dem Bild der Linken entspricht, welches sie gerne von uns zeichnen wollen. Das habe ich euch zwar auch schon öfter kundgetan aber ihr erweist euch ja schon seit längerem als bildungsresistent. Also nehme ich mal an, dass ihr auch weiterhin der Realität mit krampfhafter Pseudosatire begegnet und eure Klischeebilder pflegt.
 
Beileid Freitag, 21.September 2012, 21:54 Uhr:
Diese-Nazis-schicken-Frauen-an-den-Herd-Lüge wir eben nicht wahrer, wenn man sie immer wieder wiederholt.

Wenn eine Frau Mutter wird, sollte sie in erster Linie Mutter sein - so einfach. Wenn die Kinder erwachsen sind, spricht logischerweise nichts dagegen sich fortzubilden und wieder voll in den Arbeitsmarkt einzubringen, oder eben davor.

Natürlich möchten die Linken lieber vernachlässigte Kinder, die man schnell in die Krippe abschiebt und ihnen dann die verwehrte Liebe mit teuren Geschenken ersetzt, die sich Mami dank dem teueren Job leisten kann. Voll modern und cool - und wenn daraus, dann Gewaltverbrecher hervorgehen sind sicher auch wieder die Nazis schuld ;-)
 
WW Samstag, 22.September 2012, 08:28 Uhr:
Beileid, immer bestätigen Sie "Diese-Nazis-schicken-Frauen-an-den-Herd-Lüge", indem sie sogleich anderen das Lebensmodell vorschreiben. Einfach mal den zweiten Satz lesen... :-)
 
Amtsträger Samstag, 22.September 2012, 09:57 Uhr:
" Wir stellen also fest, dass das Frauenbild der NPD auf Gleichberechtigung aufgebaut ist und nicht dem Bild der Linken entspricht, welches sie gerne von uns zeichnen wollen. "

"Wenn eine Frau Mutter wird, sollte sie in erster Linie Mutter sein - so einfach. Wenn die Kinder erwachsen sind..."

Ist das nur mir und WW aufgefallen?

Die Frau hat also zuhause zu bleiben, bis die Kinder 18 sind (Wenn man das als erwachsen bezeichnen möchte). Tut sie es nicht, werden aus den Kindern Gewaltverbrecher!

Die Kinder alleinerziehender Eltern sind also auch automatisch Gewaltverbrecher. Geht ja garnicht anders...
 
Biene Samstag, 22.September 2012, 13:32 Uhr:
@Amtsträger
"Ist das nur mir und WW aufgefallen?"
Natürlich nicht!
Ich habe studiert, Kinder bekommen (studieren jetzt auch) und arbeite immer noch. Unvölkisch, oder?
 
Björn Sonntag, 23.September 2012, 18:19 Uhr:
@Biene

"Ich habe studiert, Kinder bekommen (studieren jetzt auch) und arbeite immer noch. Unvölkisch, oder?"

Nö. Das ist sogar sehr völkisch. Also, Glückwunsch!
 
Beileid Sonntag, 23.September 2012, 19:47 Uhr:
Ich muss euch also nachhelfen, das dachte ich mir schon .. "in erster Linie Mutter ..." heisst eben nicht, "NUR Mutter" aber eben in erster Linie.

Das Kind darf nicht die zweite Priorität sein, das gilt ebenso für den Vater, dass ihr das nicht verstehen wollt, ist mir klar, es passt nicht in euer Weltbild.
 
bad mutha Montag, 24.September 2012, 13:36 Uhr:
Au fein, mal wieder so klug die Völkischen. Naja, ist ja auch mal ein Thema, dass nicht vom Blut der Naziopfer trieft.
Zum Glück sind die Anhänger dieser schrägen Subkultur zu großen Teilen beziehungsunfähig, die meisten Kommentatoren zu Frauen- und Kinderthemen sind Typen, die sich eine Beziehung ohne Zwang nicht vorstellen können und deshalb bestimmen wollen was Frauen "müssen".
 
Biene Montag, 24.September 2012, 16:39 Uhr:
@Björn
"Das ist sogar sehr völkisch."

Dann hätte ich mit 21 Jahren vier Kinder und keine Ausbildung gehabt.
 
Amtsträger Montag, 24.September 2012, 18:44 Uhr:
"...." heisst eben nicht, "NUR Mutter" aber eben in erster Linie."

Natürlich nicht nur Mutter. Putzfrau, Köchin und Nutte gehört auch noch dazu. Wobei Nutten ja Geld für ihre Dienstleistung bekommen...
 
Roichi Montag, 24.September 2012, 20:15 Uhr:
@ Björn

Dein Kommentar ist als Satire echt gut.
Ernstzunehmen nicht.

@ Beileid

Du hast Meines für deine beschränkte Welt voller Chauvinismus.
Die heutige Welt muss ein immerwährender Albtraum für dich sein.

@ Biene

"Unvölkisch, oder?"

Aber sowas von.


@ Amtsträger

Großartig.
Danke für den Lacher.
 
Bad fatha Dienstag, 25.September 2012, 18:48 Uhr:
@bad mutha:

"Naja, ist ja auch mal ein Thema, dass nicht vom Blut der Naziopfer trieft."

Na, im Blut der Bolschewiken-Opfer würde man im Vergleich ertrinken.
 
Stefan Mittwoch, 05.Dezember 2012, 02:32 Uhr:
Bin zwar kein NPD-Anhänger, doch wo ist jetzt das Problem? Bei der NPD gibt es doch viele Frauen, die Politik machen und sich schon fast affenartig in den Fordergrund spielen. Ich habe mir mal die Mühe gemacht, die Seite nach frauenfeindlichen Berichten oder Kommentaren durchzusehen und habe nichts gefunden! Ich bin der Meinung, man sollte sich mit der NPD anders auseinandersetzen, statt hier in meinen Augen einen ganz normalen Realzustand ins Lächerliche zu ziehen. Was diese Alexandra angeht, die wirkt auf mich eher wie eine Teenie-Göre, die mal KLUG daher reden möchte.
 

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