Frischer Wind mit NPD-Urgestein

Nach internen Querelen und personellem Schlingerkurs soll nun der altgediente Funktionär Ulrich Eigenfeld den schleichenden Niedergang der NPD in ihrem Stammland Niedersachsen aufhalten.

Mittwoch, 13. März 2013
Kai Budler

Die NPD in Niedersachsen gibt selbst in extrem rechten Kreisen derzeit kein gutes Bild ab. Der 2011 als Vorsitzender gewählte Christian Berisha legte sein Amt nach knapp einem Jahr nieder, andere Vorstandsmitglieder verließen das Bundesland oder wechselten zu Christian Worchs Partei „Die Rechte“. Die großspurig angekündigte Wahlkampftour durch Niedersachsen im Vorfeld der Landtagswahlen ging in lautstarken Protesten unter und bei der Wahl selbst verlor die NPD mit einem Ergebnis von 0,8 Prozent auch die Möglichkeit der Parteienfinanzierung.

Am Wochenende griff der Landesverband in Goslar für seine künftige Leitung am Wochenende zu einer altbewährten Personalie: der langjährige Vorsitzende Ulrich Eigenfeld soll die NPD in Niedersachsen aus ihrem Tief holen. Der 66-jährige ehemalige Bahnbeamte war bereits lange Jahre Verbandsvorsitzender, bis ihn 2009 sein Kontrahent Adolf Dammann ablöste, der sowohl Integrationsfigur als bevorzugter Kandidat der Kameradschaftsszene in Niedersachsen war.

Alte Bekannte im neuen NPD-Vorstand

Denn in seiner Amtszeit hatte sich Eigenfeld mit teils drastischen Mitteln gegen eine stärkere Zusammenarbeit mit den Kameradschaften gewehrt. So führte eine Redeverbot für den Neonazi Dieter Riefling auf einer Demonstration in Göttingen 2005 zu der Ankündigung zahlreicher Personen und Gruppen aus der Neonazi-Szene geführt, ihre Zusammenarbeit mit der NPD-Niedersachsen einzustellen. Mit dieser Erklärung konfrontiert, hatte Eigenfeld das Redeverbot zurückgenommen. Auch die NPD-Basis probte 2008 den Aufstand gegen ihren seinerzeitigen Vorsitzenden: mehr als zehn Prozent der niedersächsischen NPD-Mitglieder hatten damals einen Sonderparteitag gefordert, dessen einziges Ziel Eigenfelds Abwahl sein sollte.

Zu den Stellvertretern des 66-jährigen Oldenburgers wählten die Delegierten Brigitte Kallweit und Michael Knobloch. Die 1956 geborene Kallweit ist Schatzmeisterin im NPD-Kreisverband Goslar und seit 2012 Landesvorsitzende des „Ring Nationaler Frauen“ (RNF), der gelernte Einzelhandelskaufmann Knobloch hatte bei der Landtagswahl 2008 im Wahlkreis Wolfsburg 1,9 Prozent der Stimmen geholt. Von den weiteren Mitgliedern des komplett neu gewählten Landesvorstands nennt die Partei nur Karin Hollack und Christina Krieger von der NPD-Hannover namentlich.

Konkurrenz durch „Die Rechte“ im Stammland

Bei ihrem Landesparteitag in Goslar stellte die Partei ebenfalls ihre Landesliste für die Bundestagswahl im kommenden Herbst auf, die von Eigenfeld angeführt wird. Den zweiten Listenplatz belegt Marco Borrmann aus Scharzfeld im Harz, gefolgt von Brigitte Kallweit auf Platz drei. Mehr als fraglich ist, ob die NPD in Niedersachsen mit ihrem Rückgriff auf den langjährigen Vorsitzenden in der rechtsextremen Szene wieder an Ansehen gewinnen kann. Mit der Gründung des neuen Landesverbandes der Partei „Die Rechte“ droht der NPD Konkurrenz im eigenen Stammland, stellvertretender Vorsitzender ist dazu noch der Ex-NPD-Funktionär und ehemaliges Mitglied im NPD-Landesvorstand, Stefan Klingbeil.

Auch die Neonazis aus dem Umfeld der „Freien Kräfte“ dürften das Vorgehen des neuen alten Landesvorsitzenden sehr genau beobachten, denn seine ablehnende Haltung ihnen gegenüber dürfte der Szene noch sehr genau in Erinnerung sein. Für Eigenfeld und den neuen Vorstand könnte dies zur Nagelprobe werden: im Flächenland Niedersachsen kann die NPD mit ihrem mangelnden Personal nur mit Hilfe der Kameradschaften und „Freien Kräften“ zumindest annähernd in die ländlichen Bereiche vordringen.

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