„Freiheitliches Urgestein“

Der bekannte österreichische Rechtsaußen-Politiker Otto Scrinzi ist Anfang Januar im Alter von 93 Jahren gestorben.

Donnerstag, 05. Januar 2012
Anton Maegerle

In der extrem rechten Szene galt Otto Scrinzi „bereits zu Lebzeiten“ als „eine Legende“, so das Monatsmagazin „Zuerst!“ im April 2011. In der Nacht zum 2. Januar dieses Jahres starb der österreichische Rechtsaußen-Politiker im Alter von 93 Jahren.

Scrinzi, ehemals SA-Sturmführer, HJ- und NSDAP-Mitglied sowie Assistent am Rassenbiologischen Institut in Innsbruck, war Gründungsmitglied des Verbands der Unabhängigen (VdU), der Vorgängerpartei der FPÖ. Von 1949 bis 1956 saß der promovierte Mediziner und „Alte Herr“ des „Vereins deutscher Studenten zu Innsbruck und Königsberg“ im Kärntner Landtag. 1968 wurde Scrinzi Vizechef der FPÖ. 1977 avancierte Scrinzi zum FPÖ-Fraktionsvize im Nationalrat, dem er von 1966 bis 1979 angehörte.

Vom damaligen DVU-Vorsitzenden Gerhard Frey wurde Scrinzi 1982 mit dem „Andreas-Hofer-Preis“ ausgezeichnet. „In Würdigung seines erfolgreichen und selbstlosen Wirkens für den Zusammenhalt der ganzen deutschen Nation“ bekam der erste Preisträger die Auszeichnung persönlich überreicht.

„Unbeugsamer Streiter für Großdeutschland“

1984 gründete Scrinzi, dem die FPÖ unter der damaligen Führung von Norbert Steger politisch zu lasch war, die rechtsextreme Partei Nationalfreiheitliche Aktion (NFA) als Opposition zur FPÖ. Als Jörg Haider 1986 die FPÖ übernahm, kehrte Scrinzi zur FPÖ zurück. Später distanzierte sich Scrinzi wieder scharf von Haider, dem er vorwarf, „eine Politik um den Preis der Aufgabe von grundsätzlichen Positionen“ gemacht zu haben.

1992 initiierte Scrinzi das NS-apologetische „Kulturwerk Österreich“  in der Nachfolge  des  „Deutschen Kulturwerks europäischen Geistes“, das 1950 vom ehemaligen SA-Lyriker und zeitweiligem Kader der NSDAP-Reichspropagandaleitung Herbert Böhme als „volksbewusste und volkstreue Gemeinschaft“ ins Leben gerufen wurde. Das „Kulturwerk Österreich“ führt bis heute alljährlich so genannte „Kulturtage“ durch. Zum Referentenkreis zählen regelmäßig auch rechtsextreme Referenten aus der Bundesrepublik, darunter der frisch gebackene NPD-Vorsitzende Holger Apfel. 1996 ließ Scrinzi dem „3. Europäischen Kongress der Jugend“ der NPD-Jugendorganisation JN ein Grußwort zukommen.

Von 1996 bis 2003 amtierte Scrinzi als „Schriftleiter“ der FPÖ-nahen Monatszeitschrift „Die Aula“. Danach war das „Urgestein des national-freiheitlichen Lagers in Österreich“ („Nation & Europa“) weiterhin publizistisch für die Zeitschrift tätig. 2004 würdigte das NPD-Parteiorgan „Deutsche Stimme“ Scrinzi als „unbeugsamen Streiter für sein Großdeutschland“.

„Immer die Werte unserer Gesinnungsgemeinschaft gelebt“

2007 war Scrinzi, mehrfach Referent bei der rechtsextremen „Gesellschaft für freie Publizistik“,  Festredner beim zehnjährigen Jubiläum der österreichischen Wochenzeitung „Zur Zeit“. 2009 wurde Scrinzi vom rechtsextremen Druffel & Vowinckel Verlag (Inning am Ammersee) mit der „Helmut Sündermann-Medaille“ ausgezeichnet. Der einstige NS-Funktionär Sündermann amtierte von 1942 an als stellvertretender Pressechef der NS-Reichsregierung. Scrinzis Privatanschrift fand sich auch in der Abonnentendatei der antisemitischen Hetzschrift „Die Bauernschaft“ des ehemaligen SS-Sonderführers in Auschwitz, Thies Christophersen.

Bis in die jüngste Zeit zählte Scrinzi zu den Autoren und Interviewpartnern der „National-Zeitung“.  2010 verkündete er der Leserschaft des Blattes: „Ich grüße die Leser der ’National-Zeitung’, die seit Beginn ihres Bestehens ein Teil meiner politischen Heimat ist.“.

Der FPÖ-Parteivorsitzende Heinz-Christian Strache kommentierte den Tod seines langjährigen Parteifreundes mit den Worten: „Scrinzi war jemand, den man mit Fug und Recht als freiheitliches Urgestein bezeichnen konnte und der die Werte unserer Gesinnungsgemeinschaft immer gelebt hat“. „Wir werden ihm ein ehrendes Angedenken bewahren“, verkündete Strache.

 

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