von Oliver Cruzcampo
   

Frauenorganisation in Männerbastion formiert sich neu

Vor drei Jahren wurden in Mecklenburg-Vorpommern ein Ableger der NPD-Frauenorganisation „Ring Nationaler Frauen“ gegründet, durch den Strukturen in dem Bundesland aufgebaut werden sollten. Jetzt wurde ein neuer Vorstand gewählt – doch auch die neuen NPD-Frauen werden sich in der „Männersekte“ nicht durchsetzen können. In Bayern hängt die ehemalige RNF-Bundesvorsitzende währenddessen ihre eigenen Wahlplakate wieder ab.

Das RNF-Banner auf der NPD-Demo in Rostock, links die neue RNF-Vorsitzende

Neu gewählt wurde am vergangenen Sonnabend der Landesvorstand des „Ring Nationaler Frauen“ (RNF), der Frauen-Suborganisation der NPD. Wie auf der Internetseite angegeben, ist Antje Mentzel zur neuen Landesvorsitzenden gewählt worden. Als ihre Stellvertreterin fungiert ab sofort Cornelia Stark, neue Beisitzerin ist Nina Lohse.

Zusätzlich sind auf dem Foto Marianne Pastörs, Ehefrau des NPD-Bundesvorsitzenden und Janette Krüger zu sehen. Die in Jamel wohnhafte Hobbypolitikerin und bis dato Landesvorsitzende ist mit dem gerade aus der Haft entlassenen Sven Krüger verheiratet. Öffentlichkeitsarbeit geht von dem RNF-Landesverband kaum aus, so wird Marianne Pastörs auf der Website seit Jahren als Landeschefin gelistet. Auch ein Bericht von der Zusammenkunft am Wochenende fehlt, soll aber „zeitnah“ nachgeliefert werden.

Neuer Vorstand steht vor unlösbarer Aufgabe

Gegründet wurde der Landesverband der NPD-Frauen vor rund drei Jahren mit dem Ziel, in dem Flächenland Mecklenburg-Vorpommern die Strukturen auszubauen. Passiert ist bis heute wenig. Eigene Akzente konnte der RNF nicht setzen. Zugegebenermaßen haben die rechtsextremen Frauen im Nordosten der Republik einen schweren Stand. In wohl keinem anderen Bundesland ist die NPD derart männerdominiert. Bereits 2009 sagte Gitta Schüßler, seinerzeitige RNF-Chefin, treffend: „Im Moment sieht es leider so aus, als würde der Landesverband wie eine Art Männersekte, nicht aber wie eine politikfähige, moderne Rechtspartei operieren.“

Geändert hat sich an dem Zustand bis heute nichts. Der Landesvorstand setzt sich weiterhin ausschließlich aus Männern zusammen, für die anstehende Kreistagswahl setzt sich die NPD-Liste zu knapp 90 Prozent aus männlichen Kandidaten zusammen.

Die frisch gewählte und bis dato unbekannte Antje Mentzel dürfte an dem Verhältnis kaum etwas ändern – und will dies offenbar auch nicht. Weder kandidiert die mehrfache Mutter für die Gemeinde- noch für die Kreistagswahlen. Dafür durfte sie zusammen mit zwei weiteren Frauen auf der NPD-Demonstration am 1. Mai in Rostock das RNF-Banner tragen. Während sich hinter den anderen Transparenten Dutzende vorwiegend dunkel gekleidete Männer einreihten, mussten die drei Frauen die Route ohne weitere Unterstützung ablaufen. Ihre neue Stellvertreterin, die Bekleidungsfacharbeiterin Cornelia Stark, kandidiert hingegen für die Gemeindevertretung in Friedland. Bezeichnenderweise findet sie sich dort nach den NPD-Funktionären Hannes Welchar und Matthias Grage auf einem aussichtslosen dritten Platz wieder.

NPD-Frau hängt eigene Plakate wieder ab

Im Süden Deutschlands kam es derweil zu einer skurrilen Situation. Während es zu Wahlkampfzeiten nicht ungewöhnlich ist, dass politische Gegner NPD-Plakate beschädigen oder zerstören, kam diesmal Unterstützung aus dem rechtsextremen Lager. Die geschasste RNF-Vorsitzende Sigrid Schüssler hat dort nach eigener Aussage ihre eigenen Wahlplakate wieder entfernt. „Ich habe heute bei strömendem Regen Plakate von mir, die sicherlich mit großem Eifer gehängt wurden, in meinem Heimatort wieder abgehängt“, schreibt Schüssler, die immer noch stellvertretende bayerische Landesvorsitzende ist.

Sie könne sich mit dem „neuen Erscheinungsbild“ des RNF nicht identifizieren. Die ehemalige Vorsitzende Edda Schmidt ist wieder im Bundesvorstand vertreten und soll „weltanschauliche Grundsätze“ in die Frauenorganisation hineintragen. In Schüsslers Ohren klinge dies jedoch „nicht nur nach Sekte, sondern nach Gehirnwäsche pur.“ Zudem wirft die Ex-RNF-Chefin der NPD vor, „in der Nische von Dumpfheit, Tumbheit, Häßlichkeit und Haß vor sich hinzudümpeln“ und sich „fest in der Hand des Verfassungsschutzes“ zu befinden. Ihre ehemaligen „Kameraden“ bittet sie darum „von weiterer Plakatiererei“ ihres Konterfeis abzusehen.

Keine Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen