Fragwürdiger Fußball-Sponsor

Der VFC Anklam bewirbt einen umstrittenen Rechtsextremisten, der diese Woche für einen äußerst gewalttätigen Angriff auf einen Jugendlichen zu einer Freiheitsstrafe verurteilt wurde. Der Angeklagte kann Berufung einlegen.

Freitag, 16. Oktober 2020
Andrea Röpke

„Enrico A. spendiert Kreisliga-Kickern neue Fußbälle und Aufwärmshirts“ heißt es auf der Homepage des VFC Anklam (Vorpommerscher-Fußball-Club) stolz. Darüber hinaus wird auf die „frische saisonale deutsche Küche“ des Lokals „Zum Klosterbruder“ des Sponsors der 2. Mannschaft verwiesen und Werbung betrieben. „Wir freuen uns sehr darüber, dass uns Enrico als Sponsor unterstützt. Dafür möchten wir uns auch auf diesem Wege noch einmal recht herzlich bei ihm bedanken“, so Trainer Marco Hartmann.

Außer acht bleibt, dass Enrico A. seit Jahren zur rechtsextremen Szene in Ostvorpommern zählt und sich jetzt auch noch für einen unvergleichlichen Gewaltausbruch mutmaßlich zu verantworten hat. Bei Facebook posiert der Wirt mit seinem Sohn und trägt dabei eindeutige Shirts wie „I love NS“. Alte Fotos zeigen A. mit Hakenkreuz-Sticker und Patch mit der Aufschrift „Widerstand Pommern“. 2013 besuchte ein NPD-Kommunalpolitiker dann den Sushi-Kurs im „Klosterbruder“, später wollte sich die AfD mit Landespolitikern bei ihm im Lokal treffen. Die Veranstaltung wurde nach Veröffentlichung durch bnr.de abgesagt.

Angeklagter im „Rausch der Gewalt“?

Nun wird der „stadtbekannte“ Betreiber des „Klosterbruders“ mit einer Gewalttat in Verbindung gebracht. Am heutigen Freitag berichtet der „Nordkurier“ über den schockierenden Prozess vor dem Amtsgericht Pasewalk. Der Wirt wurde beschuldigt, einen 15-jährigen Jungen „brutal in die Klinik geprügelt“ zu haben, gegen ihn sei eine Gefängnisstrafe verhängt worden. Dem Angeklagten wurde vorgeworfen, im August 2019 den Teenager auf dem Parkplatz des Penny-Marktes an der Friedländer Straße zusammengeschlagen zu haben.

Zeugenaussagen belasteten A. schwer, der sich von dem ehemaligen NPD-Landtagsabgeordneten und Juristen Michael Andrejewski vertreten ließ. Demnach habe der Angeklagte im „Rausch der Gewalt“ den Jungen mit Faustschlägen und ungebremsten Tritten gegen den Kopf traktiert und ihn dann anschließend mehrfach hart auf ein Metallgeländer gestoßen. Der Schüler erlitt ein Schädelhirntrauma, eine blutende Kopfwunde, Verletzungen am Rücken, einen Trommelfellriss. Er musste mehrere Tage lang in der Uniklinik Greifswald behandelt werden. Ein gleichaltriger Freund war ebenfalls angegriffen worden, zwei etwas ältere Mädchen kamen dem Jungen schließlich zur Hilfe, stellten sich vor den Angreifer.

Belastende Zeugenaussagen

Im Prozess erkannte der zweite Junge, ein Koch-Azubi, den Gastwirt im Laternenschein auf dem Parkplatz eindeutig wieder, berichtet der „Nordkurier“. Anlass für den Gewaltausbruch soll gewesen sein, dass die Jungen sich die Zeit damit vertrieben hatten, mit leeren Einkaufswagen laut über den Parkplatz zu rattern. Als der Angriff erfolgte, hätten sie die Wagen bereits wieder zurückgestellt. Während der Betroffene dem Richter den Vorfall schilderte, sollen die Eltern im Publikum mit den Tränen gekämpft haben. Ein Zeuge berichtete, der Gastronom habe zusätzlich zu den Misshandlungen immer wieder gebrüllt: „Ich schlag dich tot!“ Der Richter hakte immer wieder nach, ob es wirklich der Angeklagte gewesen sei, der zugeschlagen habe? Zeugenaussagen und DNA-Spuren am zerrissenen T-Shirt des Opfers belasten ihn jedoch schwer.

Verteidiger Andrejewski scheiterte mit dem Bemühen, wegen der „dünnen Beweislage“ einen Freispruch durchzusetzen. Das zuständige Amtsgericht in Pasewalk kam dem nicht nach. Das Urteil gegen A. ist allerdings noch nicht rechtskräftig. Der Nebenklagevertreter der Familie gehe davon aus, dass Berufung eingelegt wird, schreibt die Lokalzeitung. Dann wird das Verfahren vor dem Landgericht erneut aufgerollt, solange bleibt der Angeklagte auf freiem Fuß. Wie sich der VFC Anklam verhält ist unklar – bislang ist die Huldigung des umstrittenen Sponsors noch online.

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