von Andrea Röpke
   

„Flügel“-Treffen: Björn Höcke wirft Parteien „entartete“ Politik vor

Etliche hochrangige AfD-Funktionäre versammelten sich am Wochenende zum Treffen des „Flügels“ – der Rechtsaußen-Gliederung der Alternative für Deutschland. Gefeiert wurde vor allem der Thüringer Fraktionsvorsitzende Björn Höcke, der gegenüber den etablierten Parteien von „entarteter“ Politik sprach. Aus dem Nordosten war neben Holger Arppe auch die geschasste Petra Federau angereist.

Monatelang will sich Björn Höcke, Chef des Rechtsablegers der AfD, schon auf das Sommerfest seines „Flügels“ gefreut haben. Er sei als „infantiler Erwachsener“ durch die Gegend gewandelt, so freue er sich, behauptet der selbsternannte Volkstribun aus dem Eichsfeld. Björn Höckes Rede im Burghof vor dem Kyffhäuser-Denkmal in Thüringen geht immer wieder in Höcke-Höcke-Rufen seiner Anhänger unter. Der Mann im hellen Anzug strahlt. Er beschwört das Treffen als „großes Fest der Vaterlandsliebe“.

„Wieder Denkmäler errichten“

Doch das Ganze ist eine merkwürdige Inszenierung. Obwohl absolutes Verbot für die Medien besteht, Ordner Fotografen hinter eine imaginäre Linie auf dem öffentlichen Parkplatz drängen, posen die meisten der Anwesenden gut sichtbar vor den wenigen Kameras. Alexander Gauland gibt später sogar ein Interview. Eine Lautsprecheranlage überträgt die Redebeiträge gut hörbar über das gesamte Arenal.

Immer wieder lobt Höcke das „liebe Deutschland“ und bezeichnet den AfD-Ableger „Der Flügel“ als „Garant“ dafür, „die letzte evolutionäre Chance für unser geliebtes Vaterland“ zu sein. Er beschwört die „tausendjährige“, „großartige deutsche Geschichte“ und fordert gar: „Wir haben 70 Jahre Mahnmale gebaut, es ist hohe Zeit, dass wir endlich wieder Denkmäler errichten!“

Höckes Jargon erinnert an Neonazis. Es ist von „Umerziehung“, Abschaffung des Volkes die Rede und ähnlich wie der Hauptredner beim „Eichsfeldtag“ der NPD eine Woche zuvor, fordert auch er, dass das deutsche Volk „seine verlorene Männlichkeit zurückfinden“ müsse. Er erntet frenetisches Höcke-Gebrüll der mehreren Hundert Gäste.

Kubitschek und Elsässer vor Ort

Der Parkplatz vor dem „Burghof“ am Kyffhäuser ist voll geparkt. Darunter viele teure Limousinen aus dem gesamten Bundesgebiet. An einem Porsche prangt ein Aufkleber mit der Aufschrift „Bund der Militär- und Polizeischützen“. Auch Parteisprecher Alexander Gauland aus Brandenburg und Jörg Meuthen, Fraktionschef der AfD in Baden-Württemberg zählen zu den Gästen des „Flügels“ von Björn Höcke und André Poggenburg. Meuthen distanziert sich in seiner Rede halbherzig von einigen Zielen des „Flügels“. Während des Mittagessens reist er eilig ab. Dem ZDF-Team gibt er vor Ort keine Stellungnahme.

Die Mitgliedschaften werden am Eingang kontrolliert. Auch die Ideologen der Neuen Rechten Götz Kubitschek, Ellen Kositza und der Verschwörungstheoretiker Jürgen Elsässer aus Leipzig erhalten Zutritt. Kubitschek und Elsässer trugen massiv dazu bei, die rassistische Pegida-Bewegung zu radikalisieren. Unter dem damaligen Parteichef Bernd Lucke war Kubitschek die Mitgliedschaft 2015 verwehrt worden. Landeschef Poggenburg dagegen plädierte für die Aufnahme. Beim Sommerfest am Kyffhäuser sind nur wenige Pegida-Bezüge zu erkennen. Manche tragen sie auf ihrer Kleidung.

Aus Mecklenburg ist die gerade vom dritten Listenplatz verdrängte Petra Federau mit Begleitung angereist. Unter ihnen Holger Arppe aus Rostock und der dortige Vorsitzende der AfD-Jugendorganisation Robert Schnell. Bei Blasmusik der „lustigen Dorfmusikanten“ und Sonnenschein wird viel Bier getrunken. „Dieses Land muss deutsch bleiben“ fordert ein AfD-Mitglied in altdeutscher Schrift, gut sichtbar auf dem Shirt. Ein anderer verbreitet die zweideutige Botschaft von Thor Steinar „Save the white Continent“. Junge Männer mit gestochenen Scheiteln kommen in Grüppchen angereist. Einer aus Sachsen fordert: „Join the patriotic Revolution“.


Petra Federau reiste aus Schwerin ebenfalls zum Kyffhäuser-Treffen

Elsässer scheint bester Laune, bereitwillig lässt er sich mit anderen Mitgliedern fotografieren. Ellen Kositza im leichten Sommerkleid unterhält sich angeregt, wie ihr Partner ist auch sie eine gefragte Gesprächpartnerin beim „Flügel“. Doch der Star des Tages ist Björn Höcke. Der bezeichnet die Politik der Altparteien als „entartet“ und deklamiert nicht nur den Einzug in den Landtag von Mecklenburg-Vorpommern als stärkste Partei, sondern auch bereits das Bundeskanzleramt.

Kommentare(1)

Axel Montag, 06.Juni 2016, 20:27 Uhr:
"Junge Männer mit gestochenen Scheiteln kommen in Grüppchen angereist. Einer aus Sachsen fordert: „Join the patriotic Revolution“."

Aka Identitäre
 

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