von Anna Müller
   

Flüchtlinge und Asylfeinde demonstrieren gleichzeitig in Chemnitz

Am Sonnabend gingen in Chemnitz rund 800 Menschen auf die Straße. Einem Aufruf von Asylbewerbern folgten rund 400 Menschen, um sich für deren Rechte einzusetzen. Der fremdenfeindlichen Gegenaktion folgten ebenso viele Teilnehmer. Diese skandierten Anti-Islam-Parolen und forderten einen Aufnahme-Stopp.

Teilnehmer der asylfeindlichen Demonstration in Chemnitz

Für Samstag hatte das Bündnis „Asylum Seekers' Movement“ eine Demonstration unter dem Motto „Solidarität mit den Flüchtlingen“ auf dem Chemnitzer Theaterplatz angemeldet. Ziel war es, die Bürger über die Situation von Asylbewerbern aufzuklären. Dem Aufruf folgten rund 400 Menschen, die dann von dem Theaterplatz bis zum Karl-Marx-Monument auf der Brückenstraße liefen.

An das offene Mikrofon traten Betroffene, aber, wie die Freie Presse berichtet, auch Chemnitzer wie Josef Lutz von der TU Chemnitz, der mahnte, dass Zuwanderung als Bereicherung angesehen werden müsse und man sich gegen Nationalismus engagieren solle. Die Mitorganisatorin Shaghayegh erklärte dem MDR: „Flüchtlinge haben keine Kontrolle über ihr eigenes Leben. Ständig treffen andere ihre Entscheidungen.“ Zusätzlich fehle die Privatsphäre in den Asylbewerberheimen völlig, Familien würden getrennt und die versprochenen Deutschkurse gebe es in der Realität nicht.

Auf einem Transparent forderten die Träger einen Abschiebestopp, keine Residenzpflicht, sondern Bewegungsfreiheit für die Flüchtlinge sowie das Recht auf Arbeit und Bildung. Außerdem forderten sie, dass die Diskriminierung beendet werde. Einer der Sprecher betonte: „Wir wollen, dass mehr Flüchtlinge hier aufgenommen werden! Ja, das kostet Geld! Aber Menschlichkeit ist unbezahlbar!“

Fremdenfeindliche Gegendemonstration von „Chemnitz wehrt sich“

Gleichzeitig hatte das fremdenfeindliche Bündnis „Chemnitz wehrt sich“ zur Gegendemonstration auf dem Schillerplatz mit anschließendem Marsch zum Hauptbahnhof aufgerufen. Auch hier fanden sich rund 400 Teilnehmer ein, die Veranstalter wollen sogar 600 Anhänger gesehen haben. Diese versammelten sich mit Transparenten, auf denen zum Beispiel zu lesen war: „Toleranz darf nicht dazu führen, dass wir uns alles gefallen lassen“ oder „Die Hand, die einen füttert, beißt man nicht. Wir sind das Volk“.

Wehren will sich die Initiative gegen eine angeblich verfehlte Asylpolitik. Doch statt konkrete Probleme zu benennen und nahe Lösungen zu suchen, stand pauschale Hetze gegen die Asylbewerber im Vordergrund. Sprecherin Kathrin Müller sprach von Ausländern, „die kriminell sind, die uns bestehlen, berauben und uns belästigen, vor allem unsere Frauen belästigen“. Auch Redner Rainer Drechsel bekam Applaus, nach dem er laut der Morgenpost folgende Aussage skandierte: „Asylbewerber sind überwiegend kriminell und wollen uns den Islam aufzwingen.“

Auch Pro Chemnitz meldete sich zu Wort. Der Sprecher der rechtspopulistischen Stadtratsfraktion sagte beispielsweise „Wir brauchen die Asylanten nicht“ und forderte, die Aufnahme von Asylbewerben einzustellen und gleichzeitig eine „geordnete Rückführung“ einzuleiten. Er ging auch darauf ein, dass die Teilnehmer als Nazis beschimpft würden. Auf der letzten Demo vor der Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber habe eine Anwohnerin gesagt: „Wenn die, die keinen Islam wollen, Nazis sind, dann bin ich gerne Nazi.“

Nach rund einer Stunde beendete „Chemnitz wehrt sich“ ihre Abschlusskundgebung auf dem Bahnhofsvorplatz und kündigte an, nächstes Jahr weitere Demos abhalten zu wollen.

Kommentare(6)

Schwab Sonntag, 14.Dezember 2014, 17:06 Uhr:
Irreführung des Publikums schon in der Überschrift: "Asylfeinde" ... Behauptung, ohne empirisches Material.
 
Irmela Mensah-Schramm Montag, 15.Dezember 2014, 09:15 Uhr:
@Schwab
Von wegen "Irreführung" zur Überschrift "Asylfeinde":

Es ist doch nun wirklich langsam offensichtlich, dass die Begriffe wie "Islamisierung" gleichsam bedeuten wie "Überfremdung", "Masseneinwanderung und "Asylantenbetrug" etc.
Diese haben alle etwas gemeinsam: Rassismus ohne jegliche Abgrenzung gegenüber dem Neonazismus mit dessen menschenverachtender Gesinnung.
Es brennen bereits Flüchtlingsunterkünfte , die Politik zeigt sich höchstens nur "besorgt" und die Justiz ist lieber an der Strafverfolgung von unliebsamen NazigegnerInnen interessiert.
 
Roichi Montag, 15.Dezember 2014, 12:09 Uhr:
@ Schwab

Lies doch auch mal den Artikel zu dem du dich äußerst.
 
@ Roichi Dienstag, 16.Dezember 2014, 17:43 Uhr:
"Lies doch auch mal den Artikel zu dem du dich äußerst."

Und wo liest du heraus das die Demonstranten das Asylrecht abschaffen wollen, also auch wirklich "Asylfeinde" sind?
 
Schwab Dienstag, 16.Dezember 2014, 21:04 Uhr:
@Irmela Mensah-Schramm

Die Behauptung, alle oder die meisten rechten Demonstranten in Dresden usw., wollten das Asylrecht ersatzlos abschaffen, seien Feinde des Asylrechts, ist eine unbewiesene (Falsch-) Behauptung,
Richtig ist allerdings, daß das Thema "Salafismus" ein kleinster gemeinsamer Nenner. Auch Journalisten wählen knallige Überschriften, die Zuspitzungen oder Teilaspekte enthalten. In Wirklichkeit sind Islamisten in Sachsen ein sehr kleine Minderheit, es geht um die Einwanderungspolitik ganz allgemein.
 
Ein Nienhagener Mittwoch, 17.Dezember 2014, 10:25 Uhr:
"Auch Journalisten wählen knallige Überschriften, die Zuspitzungen oder Teilaspekte enthalten."
Schreibt es hier als Entschuldigung für die Spinner, nachdem er genau dies in seinem ersten Posting gegenüber der Gegenseite kritisierte.

Au Backe...
 

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