Flüchtiger Volksverhetzer gefasst

Die Behörden haben einen seit Jahren untergetauchten Holocaust-Leugner aufgegriffen.

Mittwoch, 21. März 2012
Anton Maegerle

Der 2007 abgetauchte Justizflüchtling und Klerikalfaschist Johannes Lerle soll in die Justizvollzugsanstalt Lübeck gebracht, von dort in die JVA Nürnberg überstellt worden sein, wie in der Szene berichtet wird.

Der 1952 in Halle geborene, 1981 in die Bundesrepublik übergesiedelte und dann in Erlangen lebende „Theologe“ Lerle war im Juni 2007 vom Amtsgericht Erlangen wegen Volksverhetzung in zwei Fällen zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr verurteilt worden. Das Urteil gegen den selbst ernannten „Lebensrechtler“ wurde im Oktober 2007 vom Landgericht Nürnberg-Fürth bestätigt.

In einer Flugschrift mit dem Titel „War Jesus Christus ein Volksverhetzer?“, die Lerle auch im Internet verbreitet hatte, verkündete dieser unter anderem: „Könnte es nicht eventuell sein, dass wir die Historizität der Gaskammern deshalb nicht anzweifeln, weil uns allen durch die grundgesetzwidrige Zensur die Sachargumente der Holocaustleugner verborgen sind? Könnte es nicht eventuell sein, dass wir aufgrund dieser Verdummung nicht auf den Gedanken kommen, dass wir lediglich Bestandteil einer von ‚jüdischen’ Meinungsmachern bewegten Volksmasse sein könnten?“.

Webseite von der Bundesprüfstelle indiziert

Lerle, der sich Angaben der „National-Zeitung“ zufolge als „Soldat gegen die Macht des Teufels“ bezeichnet, stand im Juli 2007 dem rechtsklerikalen Internetportal kreuz.net als Interviewpartner zur Verfügung. Im Interview führte der Holocaust-Leugner unter anderem aus: „Durch ein Sondergesetz, das mit dem Grundgesetz unvereinbar ist, wird der Holocaust zu einer staatlich verordneten Glaubenslehre, deren Leugnung strafrechtlich verfolgt wird – so wie die Ketzerei in früheren Jahrhunderten verfolgt wurde.“ Angesprochen auf die anstehende Verurteilung durch das Landgericht Nürnberg-Fürth gab sich Lerle kämpferisch: „Auch in Zukunft will ich nicht desertieren, sondern unter der Führung Jesu in dem Heiligen Krieg den guten Kampf des Glaubens kämpfen.“ Wenige Wochen später tauchte der einstige Gelegenheitsautor der „Jungen Freiheit“ und Leserbriefschreiber des NPD-Blatts „Deutsche Stimme“ unter.

Von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien war Lerles Homepage am 27. Juni 2011 indiziert worden. Lerle hatte auf seiner Webseite „www.johannes-lerle.net“ die industriell betriebene Massenvernichtung von Juden als „Lüge“ bezeichnet.

 

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