Flüchtlinge werden immer öfter zur Zielscheibe

In den zurückliegenden Monaten verging fast kein Tag, an dem nicht irgendwo in Deutschland gegen bestehende oder geplante Unterkünfte für Flüchtlinge demonstriert wurde. Längst ist die systematische Hetze in Gewalt umgeschlagen, das BKA registrierte zwischen Januar und September 86 Angriffe auf Asylbewerberwohnheime – mehr als in den Jahren 2012 und 2013 zusammen. Die Amadeu Antonio Stiftung zählte außerdem 33 tätliche Übergriffe. Ein Todesopfer war zu beklagen.

Dienstag, 18. November 2014
Redaktion
Die Anschläge auf Flüchtlingswohnheime häufen sich
Die Anschläge auf Flüchtlingswohnheime häufen sich
Die Tat liegt gut vier Wochen zurück. Im hessischen Limburg prügelten drei Männer zwischen 22 und 43 Jahren einen aus Ruanda stammenden Mann zu Tode. Die polizeibekannten Verdächtigen konnten schnell ermittelt werden. Ob ihre fremdenfeindliche Gesinnung als Tatmotiv in Frage komme, überprüfe derzeit eine Sonderkommission, teilte die zuständige Staatsanwaltschaft mit. Darüber hinaus zählte die Amadeu Antonio Stiftung (AAS) bis zum 6. November 33 Übergriffe und Körperverletzungen gegen Flüchtlinge – das vergiftete Klima gegenüber flüchtenden Menschen äußert sich längst nicht nur in Worten, sondern in Taten. Mit den Flüchtlingen kommt der Hass In den ersten zehn Monaten dieses Jahres stellten nach Informationen des zuständigen Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge mehr als 158.000 Menschen eine Asylantrag, mehr als 29.000 seien davon bewilligt worden. Die Mehrzahl der anerkannten Asylbewerber stammt aus Syrien, Afghanistan und dem Irak. 2013 waren etwas mehr als 100.000 Flüchtlinge nach Deutschland gekommen. Genauso wie die Zahl der Flüchtlinge zugenommen hat, ist die Mobilisierung vermeintlicher Bürgerinitiativen, hinter denen nicht selten die NPD oder parteifreie Neonazis stecken, gestiegen. 210 Demonstrationen oder Kundgebungen erfasste die AAS bislang. 89 davon wurden von der NPD angemeldet, 79 Mal kamen die Anmelder aus dem Kreis rassistischer „Bürgerinitiativen“, jeweils zwei Mal traten die Neonazi-Parteien Die Rechte und Der III. Weg in Erscheinung. Die Pro-Parteien, mit 20 Anmeldungen, und die Freien Kameradschaften (4 Anmeldungen) agierten ebenfalls in diesem Politikfeld (Mehrfachnennungen sind möglich). BKA: In diesem Jahr bereits mehr Angriffe als 2012 und 2013 zusammen Alarm schlägt auch das Bundeskriminalamt (BKA). Wie Der Spiegel in seiner aktuellen Printausgabe berichtet, erfassten die Wiesbadener Beamten in den ersten drei Quartalen des laufenden Jahres 86 Attacken auf Asylbewerberunterkünfte, und damit doppelt so viele wie in den beiden vorangegangenen Jahren zusammen. Bei den erfassten Straftaten handele es sich neben Hakenkreuzschmierereien und eingeworfenen Fensterscheiben auch um Brandstiftungen. Die Entwicklung werde mit „großer Aufmerksamkeit“ verfolgt, hieß es weiter aus der BKA-Zentrale. Die Amadeu Antonio Stiftung, deren Erhebung in Zusammenarbeit mit Pro Asyl entstanden ist, spricht von 24 Brandanschlägen. Außerdem seien 31 Sachbeschädigungen zu verbuchen. Traurige Spitzenreiter der Statistik seien Berlin, Nordrhein-Westfalen und Sachsen. Nur das Saarland und Bremen seien 2014 bisher nicht auffällig geworden.
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