Flop für HoGeSa-Abklatsch im Saarland

Die NPD-lastige „SaGeSa“-Demonstration am Samstag im saarländischen Völklingen endet für die Organisatoren als peinliches Debakel – zahlreiche Teilnehmer haben die Veranstaltung vorzeitig verlassen.

Dienstag, 25. November 2014
Rudolf Kleinschmidt

Etwa 250 rechtsgerichtete Demonstranten waren dem Aufruf der SaGeSa (bnr.de berichtete) gefolgt und am Samstag nach Völklingen angereist. Die Gegendemo verzeichnete mehr als 300 Gegendemonstranten, insgesamt waren mehrere hundert Polizisten im Einsatz.

Bereits im Vorfeld hatte sich die HoGeSa von dem von einer lokalen NPD-Größe angemeldeten Völklinger Aufmarsch distanziert. Anfänglich waren nur rund 40 Teilnehmer vor Ort, während sich die Anreise eines Gros der Teilnehmenden verzögert hatte, die Demonstration musste verspätet beginnen. Schon kurze Zeit später offenbarte sich die gesamte Peinlichkeit: alkoholisierte Teilnehmer, Verstöße gegen Versammlungsbedingungen, Hitlergrüße – und das Verlassen der Veranstaltung durch einen Großteil der Personen, denen angeblich erst da auffiel, dass sie auf einer NPD-Veranstaltung gelandet waren. Später sollten Mitglieder der „Berserker Pforzheim“ erklären, die NPD habe die Demo gekapert und der politische Hintergrund sei bei der Anreise nicht bekannt gewesen. Auf dem HoGeSa-Forum wurden diese Beiträge mittlerweile gelöscht, auf diversen Facebook-Profilen sind sie noch immer zu finden. Gegen Mitglieder der „Berserker Pforzheim“ laufen seit den Hooligan-Krawallen Ende Oktober in Köln Ermittlungsverfahren, darunter auch wegen Hitlergrüßen und wegen Angriffen auf Polizeibeamte.

Angesichts ihres sonstigen Auftretens und Selbstdarstellungen in sozialen Netzwerken klingen Darstellungen wie: „Berserker pforzheim wir haben die veranstalltung verlassen wir lassen und nicht instrumentalisieren (…) das war eine politische veranstaltung nicht mit uns“ fragwürdig. Unter den Rednern war Sascha Wagner, Beisitzer im NPD-Landesvorstand der saarländischen NPD und Hooligan, der als Vertreter der SaGeSA gegenüber der Presse fungierte oder der NPD-Landesvorsitzende Peter Marx, dessen Rede offensichtlich den Platz leerfegte. So erklärten Pforzheimer Hools: „Es wa ne npd Veranstaltung das war allen glar als Marx (NPD) sein rede hielt und die am ziel vorbei geschossen hat mit solchen worte wie die saar bleibt deutsch unsow.... (…) Un desweg haben wir geschlossen die Veranstaltung verlassen und denen gezeigt mit uns nicht .... (Fehler im Original)

Angesichts der Anmeldung durch einen NPD-Aktivisten und der Planungsdominanz der NPD im Vorfeld erscheint diese späte Erkenntnis mehr als fraglich – spätere Reaktionen von Wagner zeigen, dass die Ursache eher im Konflikt zwischen den nicht unumstrittenen saarländischen NPD-Kadern und den Supportern aus Pforzheim lag. So wetterte die Vorsitzende des NPD-Ortsverbandes Saarbrücken-Burbach, Jacqueline Süßdorf: „Alles verlief so wie es sein soll , nur dass einige die den Sinn immer noch nicht verstanden haben, die Veranstaltung auf einmal verlassen haben und somit den Fortlauf gestört haben“ – diese „Hetzer“ unter den Teilnehmern sollten „erst mal über den Sinn eines solchen Verhaltens nachdenken, vor allem sollte man über den SINN der GEMEINSAMEN AKTIONEN für und in unserem Land nachdenken“.

Dem „BRD-Schweinesystem einen Bärendienst erwiesen“

Bekannt wurde die NPD-Funktionärin als Inhaberin der „Saarbrücker Kaschemme“ („Der Spiegel“) City Train, in der es im Februar dieses Jahres mit dem Porno-Sternchen Ina Groll (bnr.de berichtete) zum so genannten „Peniskuchen-Skandal“ der NPD kam. Süßdorf will in den nächsten Wochen zwei neue „Gaststätten“ eröffnen. Ein Teil der Demoteilnehmer war bei der genannten Skandalfeier ebenfalls anwesend – so der ehemalige NPD-Generalsekretär Peter Marx, der nach der Feier zurücktrat oder Sascha Wagner. Weitere Gäste des City Trains waren in der Vergangenheit der Neonazi-Multifunktionär Christian „Hehli“ Hehl, NPD-Stadtratsmitglied in Mannheim und Ordner bei der Demo in Völklingen, Sascha Wagners Ehefrau Patricia, die auch für eine der Facebook-Seiten der SaGeSa Impressumsverantwortlich war. Dabei war auch der rechtsextreme „Druide“ und Mitglied der Partei „Die Freiheit“, Burghard Bangert.

Reaktion auf das Demo-Desaster war ein virtueller Schlagabtausch im HoGeSa-Forum, dort mittlerweile ebenso gelöscht wie der komplette SaGeSa-Bereich. In diesem dem bnr.de vorliegenden Statement offenbart Sascha Wagner unter dem Usernamen „Mut zur Wahrheit“ enge Verknüpfungen der HoGeSa mit der rechtsextremen Szene. Sich selbst definiert Wagner als maßgebliche Person der Aachener Hooligan-Szene, „hauptverantwortlich dafür das, die Aachener als erste Fußballfanszene in Deutschland, die Zecken aus dem Stadion geschmissen haben“. Zudem erklärt er, Organisator zahlreicher „Kategorie C“-Konzerte im südwestdeutschen Raum und NPD-Mitglied seit 1990 zu sein. Den Pforzheimer Hools wirft er vor, „unsere Veranstaltung im Saarland gesprengt“ und dem „BRD-Schweinesystem einen Bärendienst erwiesen“ zu haben. Und Wagners gekränkter Germanenstolz belegt die Verbindungen zur rechtsextremen Szene sowie den Grund für das Scheitern der eigenen Demo: „Bevor Du auf irgendwelchen Reporter von Besatzermedien beziehungsweise Personen die im Saarland als äußerst ‚zweifelhaft‘ gelten hörst, hättest Du gerne mit mir, dem Hehli oder andere der SaGeSa das Gespräch suchen können.“

Vielen in der rechtsextremen Szene gilt Wagner als zweifelhaft. Der auch wegen Körperverletzung vorbestrafte Neonazi stand Anfang des Jahres wegen Verdachts auf Misshandlung seiner Stieftöchter vor Gericht, auch das Unterschlagen von Parteispenden haftet ihm an. Er verdeutlicht hier, dass zu den maßgeblichen Personen der „Saarländer gegen Salafisten“ der Neonazi Christian Hehl zählt. Wie Wagner gilt der unter anderem wegen Landfriedensbruchs, Volksverhetzung und gefährlicher Körperverletzung vorbestrafte Christian Hehl als aktiv im Rechtsrock-Geschäft. Die Verbindung zwischen HoGeSa und rechtsextremer Szene wird an seinem Beispiel offenkundig. Wagner droht mit dem letzten Satz:  „Der Hehli wird morgen auf der HoGeSa Versammlung in Karlsruhe diesen Vorfall zum Thema machen.“

 

 

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