von Oliver Cruzcampo
   

First Fight Team Neubrandenburg – Neonazis weiterhin aktiv?

Immer wieder wurde die Neubrandenburger Fight Night mit rechtsextremen Kämpfern in Verbindung gebracht. Der Bürgermeister will den Veranstaltern nun auch wieder eine städtische Halle zur Verfügung stellen, nachdem sich die Veranstalter öffentlich vom Rechtsextremismus distanzierten. Doch wie glaubhaft sind diese Äußerungen?

Zu einer Informationsveranstaltung mit anschließender Diskussion hatte Ende November das „First Fight Team“ Neubrandenburg geladen. Die Fight Night hatte sich in den letzten zwei Jahren zu einem der am kontroversesten diskutierten Themen in der Vier-Tore-Stadt entwickelt. Zwei Neonazis kämpften für das Team und deren Kameradschafts-Logos prangten auf Hunderten Plakaten, die quer über die Stadt verteilt waren.

Um die Sportart – Mixed Martial Arts – ging es an jenem Novembertag nur vordergründig. Der Kampfsport-Verein, der die Neubrandenburger Stadtvertreter eingeladen hatte, wollte sich an diesem Tag auch öffentlich vom Rechtsextremismus distanzieren und das umstrittene Thema ein für alle mal aus der Welt schaffen.

Stephan Kreienbrink ist nicht nur aktiver Kämpfer des Vereins, sondern auch Organisator der Neubrandenburger Fight Night. Der 26-Jährige kündigte dem „Nordkurier“ zufolge auf der Veranstaltung an, dass man die beiden Rechtsextremen nicht mehr an Wettkämpfen teilnehmen lassen werde. Zudem habe man sich von den beiden Männern getrennt.

Vergangenen Donnerstag verkündete dann Bürgermeister Paul Krüger gegenüber der Stadtvertretung:

Der Ausrichter der Fight Night in Neubrandenburg hat für 2013 eine erneute Veranstaltung angekündigt. In Vorbereitung dieser und mit Blick auf die Diskussion um die Fight Night in den vergangenen Jahren wurden die Mitglieder der Stadtvertretung vom First Fight Team am 19.11.12 zu einer Informationsveranstaltung zum Thema Mixed Martial Arts (MMA) eingeladen. Die Stadtverwaltung selbst wurde nicht eingeladen, war vorab aber über den Sachverhalt direkt informiert. Aus Rückmeldungen des Veranstalters, einzelner Beteiligter und in Verbindung mit dem entsprechenden Artikel im Nordkurier vom 21.11.12 wird deutlich, dass sich die Ausrichter der Fight Night zukünftig deutlich von rechtsradikalen Aktivitäten distanzieren. Aufgrund dieser klaren Distanzierung sieht der Präventionsbeauftragte aktuell keine Gründe für ein negatives Votum gegenüber dem VZN als Vermieter."


Bürgermeister Krüger nimmt den Veranstaltern das Lossagen vom Rechtsextremismus offenbar ab. Als Konsequenz könnten sie das städtische Veranstaltungszentrum Neubrandenburg wieder anmieten. Auch der Wortlaut der Mitteilung Krügers ist nicht uninteressant: „Die Ausrichter der Fight Night“ würden sich „deutlich von rechtsradikalen Aktivitäten distanzieren.“ Dabei wurden die Ausrichter nie mit rechtsextremem Gedankengut in Verbindung gebracht. Lediglich die beiden Kämpfer Denis Tomzek und Silvio Dahms wurden der rechtsextremen Szene zugerechnet.

Einige Umstände lassen die Aussagen der Fight Night-Veranstalter zumindest in ein fragwürdiges Licht rücken. Auf der Website des „First Fight Teams“ werden Tomzek und Dahms weiterhin als aktive Kämpfer gelistet, Tomzek als „World Champion IFCA 2012“ prominent als erste Person. Silvio Dahms auf der Brust getragene Tätowierung der Kameradschaft Bargischow wurde schlicht am Computer weggestempelt. Auf einem im August auf der Facebook-Seite des „First Fight Teams“ hochgeladenen Foto posiert der Trainer Ronny Schindhelm noch mit Denis Tomzek. Pressenachfragen bezüglich der Mitgliedschaft der beiden Männer werden vom Verein ignoriert.

Die „Antifaschistische Offensive Neubrandenburg“ berichtet zudem, dass Tomzek sich noch im Februar zu einem Neonazi-Treffen dazugesellt habe. Der 35-Jährige soll vor Beginn des sogenannten Tollense-Marsches, mit dem in den vergangenen Jahren immer wieder der NPD-Landtagsabgeordnete David Petereit in Verbindung gebracht wurde, die Teilnehmer begrüßt haben.

Ohnehin scheint die NPD in den eigenen Reihen mehrere Anhänger der Fight Night zu haben. Als einem Reporter des NDR während der Veranstaltung im Februar 2011 das Mikrofon aus der Hand gerissen wurde, standen direkt neben dem Mann mehrere NPD-Funktionäre. NPD-Fraktionsmitarbeiter Hannes Welchar gesellte sich mit dem Neubrandenburger Stadtvertreter Jens Blasewitz dazu, genauso wie NPD-Landesvorstandsmitglied Alexander Wendt, der die Präsenz des Kamerateams mit einem Stinkefinger quittierte.

Zweifel ob der Aussagen der Veranstalter bleiben bestehen. Anfang März soll in der Stadt die nächste Fight Night ausgetragen werden. Spätestens dann wird sich klären, ob die beiden Kämpfer wie angekündigt nicht mehr antreten werden oder erneut den Ring betreten.

Foto: Screenshot Facebook (Trainer Ronny Schindhelm posiert mit Tomzek und Dahms)

Kommentare(1)

Stefan Mittwoch, 26.Dezember 2012, 11:53 Uhr:
Wie wäre es, wenn in einem solchen Fall „Neonazis als aktive Mitflieder im Verein“, nicht die obligatorische Distanzierung, der sofortige Rauswurf samt Vollzugsmeldung „nazifrei“ erfolgen würde, sondern man sich mal wirklich dem Problem stellen würde.
Man sollte nicht vergessen, in einigen Ländern der Bundesrepublik liegt der Anteil an NPD-Anhängern bei über 5 Prozent, und es gibt Städte wo er weit höher liegt. Es ist eine logische Folge, dass sich dies auch in der Mitgliederstruktur von Vereinen niederschlägt. Das wird im allgemeinen als große Gefahr angesehen,man könnte es aber auch umgekehrt als Chance begreifen. Denn damit könnte gerade mit rechtsorientierten Jugendlichen auch aktiv gearbeitet werden. Der Vorteil liegt beispielsweise darin, das man ja nicht mal „aufsuchende Jugendarbeit“ betreiben müsste, da das Klientel ohnehin zu einem kommt. Man müsste dafür freilich völlig neue pädagogische Konzepte entwickeln.
 

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