„Festung Europa“ mobilisiert nach Dresden

Die Rechtsaußen-Gruppe der Ex-Pegida-Frontfrau Tatjana Festerling will am 3. Oktober eine Kundgebung in der „Hauptstadt des Widerstands“ veranstalten. Neben anderen soll dort auch „Kategorie C“-Sänger Hannes Ostendorf auf der Bühne stehen.

Mittwoch, 17. August 2016
Tomas Sager

Wenn am 3. Oktober in der Dresdner Altstadt auf Einladung der sächsischen Landesregierung der Tag der Deutschen Einheit gefeiert wird, plant die Rechtsaußengruppe „Festung Europa“ ein paar Kilometer entfernt eine Aktion, die sich vor allem gegen Bundeskanzlerin Angela Merkel richtet. Unter dem Motto „Komm Merkel – Hier erlebst Du Dein Blaues Wunder!“ mobilisiert die von Ex-Pegida-Frontfrau Tatjana Festerling geführte Gruppierung „Fortress Europe“ für ihre Veranstaltung. Mit dem Slogan spielt sie auf den Ort des Geschehens an: Die Kundgebung soll an der Loschwitzer Brücke stattfinden, bundesweit bekannt als „Blaues Wunder“.

Für Festerlings Verein ist der Termin im Oktober die zweite eigenständige Aktion in Dresden. Erstmals war der Verein am Pfingstmontag in der sächsischen Landeshauptstadt aufgetreten. Rund 2500 Menschen kamen. Stark geprägt gewesen sei die Anhängerschaft von Teilnehmern der „Identitären Bewegung“, der NPD und der AfD, berichtete ein MDR-Reporter.

„Alle Patrioten“ eingeladen

Auch diesmal bemüht sich die Organisatoren um ein breites Spektrum. Es sei „endlich an der Zeit, auch alle Bürgerbewegungen, die sich gegen die Regierungspolitik und die unkontrollierte Flutung Deutschlands mit vor allem muslimischen Männern stemmen, zu Einheit aufzurufen“, heißt es in einem Appell der Veranstalter. Indirekt wendet sich ihr Aufruf auch gegen Pegida-Anführer Lutz Bachmann, der Festerling in seinem Verein kaltgestellt hatte: „Es muss Schluss sein mit ständiger Distanzierung, Abgrenzung, Ego-Spielchen und ritualisiertem Im-Kreis-Laufen – die Hoheit über den Widerstand gegen Merkel und ihre Hintermänner haben nicht Einzelpersonen für sich gepachtet!“ In die „Hauptstadt des Widerstands“ seien „ALLE Patrioten, Interessenvereinigungen und Bewegungen“ eingeladen.

„Stigmatisierung von Hools typisch westlich“

Verantwortlich für den Aufruf zeichnen „Ed und Tatjana“: der Niederländer Edwin Wagenveld sowie Festerling, die als Sprecherin der „Bürgerbewegung Fortress Europe“ fungiert. Wagenveld hatte sich im Streit zwischen Festerling und Bachmann an die Seite der früheren Pegida-Standardrednerin gestellt. In Dresden auftreten sollen auch Petar Nizamov und der „Kategorie C“-Vormann Hannes Ostendorf. Der Bulgare Nizamov gehört zu einer paramilitärischen Bürgerwehr, die sich an der Grenze zur Türkei regelmäßig auf Patrouille geht, um Flüchtlinge – in Festerlings Jargon: „Invasorenströme aus der Türkei“ – aufzuspüren. Gegen Nizamov laufen in seiner Heimat mehrere Strafverfahren, berichtete der Berliner „Tagesspiegel“.

Nicht unumstritten ist szeneintern offenbar die Teilnahme des Sängers einer extrem rechten Hool-Band. Ostendorfs Auftritt mache „die gute Idee“ der Aktion zunichte, meinte etwa ein Kommentator auf der Facebook-Seite der „Festung Europa“ – wurde von den Veranstaltern aber zurechtgewiesen: „Diese Stigmatisierung von Hools ist typisch westlich und ein Zeichen dafür, wie wirkungsvoll die Märchen über z.B. HoGeSa die Wahrnehmung verzerrt haben.“

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