Festerlings „Krieg“

Tatjana Festerling forderte bei  Pegida-München am Montag vor der Feldherrenhalle „ein Heer von Bürgerwehren“, Internierungslager für Migranten und die Bewaffnung ihrer Zuhörerschaft. Die applaudierte.

Mittwoch, 03. August 2016
Sebastian Lipp

Der Ex-Bundespolizist Stephane Simon aus Leipzig hatte am 18. Juli als Redner bei Pegida- München gedroht: „Meine linken Freunde, ich mache euch hier ein Versprechen. Wenn Leute wie ich an die Macht kommen, ja, ihr werdet Flüchtlinge sein!“ Er erntete Applaus bei den Pegida-Anhängern und Empörung bei ihren Gegnern.

Tatjana Festerling ging an diesem Montag noch weiter. Für sie sei Selbstverteidigung ein „Naturrecht“, deshalb müssten sich „die autochthonen Deutschen bewaffnen, und zwar so viele wie möglich“. Statt einer Verschärfung des Waffenrechts müsse das, forderte sie, für deutsche Ureinwohner (=autochthon) legal werden. Festerling glaubt, sie sei „im Krieg“. Ihre Gegner: Geflüchtete. Die gehörten in Sammellagern „interniert“, wenn sie „psychisch auffällig“ oder „kriminell“ seien. Festerling träumt außerdem von einem „Heer von Bürgerwehren“.

Mit einer solchen Aktion sorgte die 52-Jährige jüngst für Furore. Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ) berichtete online davon, dass Festerling mit einer „Art privater Heimatarmee bulgarischer pro-russischer Nationalisten“ im bulgarisch-türkischen Grenzgebiet Jagd auf Geflüchtete machte. Angeblich unbewaffnet, aber im Tarnanzug, ihre Mitstreiter vermummt. „Männer Europas, möglichst Veteranen aus Militär und Polizei“ rief sie, wie es weiter im Bericht der FAZ heißt, dazu auf, es ihr gleich zu tun und die „Invasoren auf ihrem Raub- und Rape-Feldzug im Namen des Islam“ zu stoppen.

„Einsatz“ im bulgarischen Grenzgebiet

Für ihre Rede auf der Abschlusskundgebung habe sie, so sagt sie mit Verweis auf die Feldherrenhalle hinter ihr, extra ihre „Kommandoklamotten“ angezogen. An ihrem Arm die Binde, die sie bereits „im Einsatz“ in bulgarischen Grenzgebiet trug, an der Brusttasche eine Zahnbürste. „Nicht die Kriege“ sieht sie als Ursache für gegenwärtige Fluchtbewegungen, „der Islam selbst“ sei das Problem.

Festerling ist nicht nur durch ihre Bulgarien-Aktivitäten bekannt. Sie gehört zu den Mitbegründern des Hamburger Landesverbands der AfD und kandidierte für diesen, gehörte der ultrarechten „Patriotischen Plattform“ an. In Dresden, wo Pegida seinen Anfang nahm, mischte sie ganz oben als Sprecherin mit. Trotz ihrer Bekanntheit kamen mit rund 150 nur wenig mehr Teilnehmer zum laut Facebook 49. islamfeindlichen „Spaziergang“ in München, als rund zwei Wochen zuvor. Nach einem Tag Pause will Pegida-München am heutigen Mittwoch sowie am  Donnerstag und Freitag erneut demonstrieren, wie das antifaschistische a.i.d.a-Archiv berichtet.

Am morgigen Donnerstag werden sich manche Teilnehmer wohl entscheiden müssen, ob sie lieber hier oder bei der NPD an der Hetze gegen Flüchtlinge teilhaben wollen. Die rechtsextreme Partei will dann zeitgleich eine Versammlung unter dem Motto „Grenzen dicht“ in der Stadt abhalten.

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