Feindseligkeiten und Zwietracht

Thorsten Crämer, Mitglied des nordrhein-westfälischen NPD-Landesvorstands, sei aus der Partei ausgetreten, berichteten „parteifreie“ Neonazis aus Köln am heutigen Donnerstag. Crämer selbst widerspricht dieser Darstellung.

Donnerstag, 22. Dezember 2011
Tomas Sager

Mit seinem Austritt sei Crämer einem Ausschlussverfahren zuvorgekommen, wird am Donnerstag auf einer Internetseite Kölner Neonazis behauptet. Sie stützen sich dabei auf angebliche Informationen von Mitgliedern des Landesvorstands der Partei. Crämer stehe demnach im dringenden Verdacht, als langjähriger Kassenwart des NPD-Kreisverbandes Ennepe-Ruhr/Wuppertal mehrere tausend Euro Mitgliedsbeiträge und Spenden in die eigene Tasche gewirtschaftet zu haben, behauptet das „Freie Netz Köln“. Das Defizit sei derart groß, dass sich der bis zum NPD-Parteitag im November amtierende Bundesschatzmeister Ulrich Eigenfeld dazu genötigt gesehen habe, „im Namen der NPD Selbstanzeige zu erstatten, um so einer möglichen Strafzahlung wegen falscher Abrechnungen frühzeitig entgegen zu wirken“. Nach derzeitigem Kenntnisstand solle Crämer 8000 Euro Parteigelder veruntreut haben, werfen ihm die Kölner Neonazis rund um Axel Reitz und Paul Breuer vor.

Crämer widerspricht dieser Darstellung. Der Vorwurf der Veruntreuung sei „grober Unfug“. Bei den 8000 Euro handele es sich um die Schulden, die der Kreisverband gegenüber der Bundespartei habe, aufgelaufen in den letzten rund zehn Jahren, unter anderem weil Mitgliedsbeiträge in der Vergangenheit nicht kassiert worden seien und wegen eigener hoher Ausgaben im Kommunalwahlkampf. Eine Auseinandersetzung gebe es parteiintern in der Frage, ob Belege, die der Kreisverband für Ausgaben im Wahlkampf vorgelegt habe, ausreichend seien, räumte er ein. In der Frage eines Parteiaustritts habe er sich noch nicht entschieden.

Als „Zuträger“ des Verfassungsschutzes beschuldigt

Innerhalb der nordrhein-westfälischen NPD gilt Crämer als Vertreter eines Kurses, der sich um ein seriöseres und weniger NS-lastiges Auftreten der Partei bemüht, orientiert an der Strategie des neuen Bundesvorsitzenden Holger Apfel. Damit hat er sich in Kreisen „parteifreier“ Neonazis insbesondere aus dem Rheinland, die nun triumphierend seinen Abgang vermeldeten, zahlreiche Feinde gemacht. Sie beschuldigen Crämer zudem, „Zuträger“ für den Verfassungsschutz und den polizeilichen Staatsschutz gewesen zu sein. Hintergrund dieser Vorwürfe unter anderem: Crämer, damals Landesvorsitzender der Jungen Nationaldemokraten war im Sommer 2000 an einem Überfall auf die Teilnehmer einer Veranstaltung am Mahnmal des ehemaligen Konzentrationslagers Kemna in Wuppertal führend beteiligt. Er habe, so seine Gegner, später in einer Vernehmung „umfangreiche Aussagen“ gemacht, „bei denen er sich zu entlasten suchte und die eigenen Kameraden beschuldigte“.

In einem von ihm unterzeichneten Schreiben an die Mitglieder in der Region vom 12. August, das bnr.de vorliegt, hatte Crämer in seiner Funktion als Kreisschatzmeister eine „angespannte Finanzsituation“ der NPD Ennepe-Ruhr/Wuppertal und eine miserable Zahlungsmoral der Mitglieder beklagt. Dem Wuppertaler NPD-Ratsmitglied Michael Schnorr hielt Crämer vor, er habe wegen nicht abgeführter Mandatsträgerbeiträge allein in den ersten eineinhalb Jahren der Wahlperiode einen Schaden in der Parteikasse von knapp 3000 Euro verursacht. Hätten seine Kritiker Recht, wäre der durch Crämer verursachte Schaden deutlich größer.

 

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