von Oliver Cruzcampo
   

Fake-News à la NPD

Der Fall Lisa sorgte Anfang 2016 für Aufsehen in Deutschland. Die damals 13-Jährige gab an, von Migranten vergewaltigt worden zu sein. Doch die Geschichte war frei erfunden, wie sich später herausstellte. In einem anderen Fall, in den das Mädchen ebenfalls verwickelt war, wurde nun Anklage erhoben, der Tatverdächtige ist deutscher Staatsbürger. Der NPD scheint dies egal – als Paradebeispiel von Fake-News werden dort weiterhin „Südländer“ als Täter ins Spiel gebracht.

Screenshot des NPD-Posts mit einem Zeitungsausschnitt aus dem Jahr 2016

Bereits vor der vermeintlichen Entführung und Vergewaltigung von Lisa soll es Medienberichten zufolge zu sexuellen Kontakten gekommen sein, in die das russlanddeutsche Mädchen verwickelt sein soll. Ermittelt wurde gegen zwei deutsche Staatsbürger im Alter von 20 und 23 Jahren. Gegen den älteren der beiden Männer wurde nun Anklage erhoben. Unweigerlich wird so jedoch auch die nicht-stattgefundene Entführung erneut ins Gedächtnis gerufen.

Das ruft die NPD auf den Plan. Auf ihrer Facebook-Seite greift die rechtsextreme Partei die längst widerlegte Version auf und schreibt von „Vergewaltigern (drei Südländer)“. „Medien und alle weiteren Parteien“ hätten laut NPD lediglich versucht, „Lisa umgehend Lügen zu unterstellen, um dem aufkommenden Protest gegen die Asylpolitik keinen weiteren Aufschwung zu geben.“ Doch Lisa hätte „von Anfang an recht“ gehabt. Nun sei gegen „einen der Täter“ Anklage erhoben worden.

Die Rechtsextremen werfen beide Vorfälle durcheinander – ob bewusst oder unbewusst – sei dahingestellt. Es gab Anfang 2016 keinen „Täter“, noch weniger einen „Südländer“. Und es wurde auch keine Anklage gegen den nicht-vorhandenen „Täter“ erhoben, sondern gegen einen deutschen Staatsbürger, eine mutmaßliche sexuelle Handlung, die sich zeitlich weit vor dem breit in der Öffentlichkeit wahrgenommenen Fall ereignete.

Die NPD liefert ein gelungenes Beispiel einer Fake-News, ein derzeit heiß diskutiertes Thema in rechten Kreisen. Diese befürchten, dass deren Inhalte – vor allem auch auf Facebook – nun bedroht sind, da das US-amerikanische Unternehmen angekündigt hat, rigoroser gegen Falschmeldungen auf der Plattform vorzugehen.

Kommentare(3)

Rostockä Freitag, 03.März 2017, 11:37 Uhr:
FakeNews verbreiten die BRD Qualitätsmedien. Sie haben die kleine Lisa als Lügnerin beschimpft und nun stellt sich raus, dass sie doch missbraucht wurde. Und zwar von dem Mann, bei dem sie in der Zeit, in der sie verschwunden war, gewesen ist. Der Versuch sich jetzt auf die Staatsangehörigkeit des Täters mit Migrationshintergrund festzuklammern ist leicht durchschaubar. Schließlich wird das Mädchen trotz deutscher Staatsangehörigkeit auch als Russlanddeutsche betitelt.

Das einzige was nicht stimmte, war die Entführung. Sie traf sich zuerst freiwillig mit dem Täter. Der Rest stimmt leider, auch wenn ihr daß Opfer nun als Lügnerin beschimpft.
 
Roichi Samstag, 04.März 2017, 22:58 Uhr:
@ Rostockä/Björni

Wer lesen kann, ist klar im Vorteil. Du offensichtlich nicht.
Also nochmal für dich die entscheidenden Textstellen in chronologischer Reihenfolge des Artikels:

"Die damals 13-Jährige gab an, von Migranten vergewaltigt worden zu sein. Doch die Geschichte war frei erfunden, wie sich später herausstellte"
"In einem anderen Fall, in den das Mädchen ebenfalls verwickelt war, wurde nun Anklage erhoben, der Tatverdächtige ist deutscher Staatsbürger."

"Bereits vor der vermeintlichen Entführung und Vergewaltigung ..."
"Ermittelt wurde gegen zwei deutsche Staatsbürger im Alter von 20 und 23 Jahren. Gegen den älteren der beiden Männer wurde nun Anklage erhoben."
"Das ruft die NPD auf den Plan. Auf ihrer Facebook-Seite greift die rechtsextreme Partei die längst widerlegte Version auf und schreibt von „Vergewaltigern (drei Südländer)“. "
"Die Rechtsextremen werfen beide Vorfälle durcheinander – ob bewusst oder unbewusst – sei dahingestellt."
"Es gab Anfang 2016 keinen „Täter“, noch weniger einen „Südländer“."
"Und es wurde auch keine Anklage gegen den nicht-vorhandenen „Täter“ erhoben, sondern gegen einen deutschen Staatsbürger, eine mutmaßliche sexuelle Handlung, die sich zeitlich weit vor dem breit in der Öffentlichkeit wahrgenommenen Fall ereignete. "

Und jetzt bitte nochmal dürber nachdenken, wie sehr du dich zum Löffel machen willst zum Wohle der "einzigen Partei", die sich schon selbst lächerlich gemacht hat.
 
Eckhard Sonntag, 05.März 2017, 15:33 Uhr:
@Rostockä: Dumm nur, dass der tatsächlich stattgefundene Missbrauch und die von euch Nazis so bereitwillig und in Ignoranz der polizeilichen Ermittlungen verbreitete Lügengeschichte um die angebliche Entführung nichts miteinander zu tun haben!
 

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