Explosives Duo

Früher als erwartet wird kommende Woche schon ein Urteil in einem Prozess wegen der Vorbereitung von Sprengstofftaten in Berlin sowie rechten Schmieraktionen und einen Brandanschlag in Aachen erwartet.

Freitag, 18. Februar 2011
Michael Klarmann

Angeklagt sind vor dem Landgericht Aachen ein junger Mann und ein Heranwachsender, die beide in der Neonazi-Szene aktiv waren. Möglicherweise droht ihnen ein neues Verfahren wegen einer Paketbombenattrappe, die vor dem linksalternativen Veranstaltungsort „Autonomes Zentrum“ (AZ) in Aachen abgelegt worden war.

Das Duo wird von der Staatsanwaltschaft in dem Prozess beschuldigt, Sprengsätze aus Glasscherben und Böllern gebaut zu haben. Diese sollten laut Anklage am 1. Mai 2010 in Berlin gegen Polizisten und Gegendemonstranten eingesetzt werden. Zudem wird Falko W. (20), seinerzeit Mitglied der eng mit der NPD verwobenen „Kameradschaft Aachener Land“ (KAL), und Daniel T. (25) vorgeworfen, im August unter anderem Parteibüros und die Außenmauer des jüdischen Friedhofes mit neonazistischen Symbolen und Parolen beschmiert zu haben. W. soll zudem im Mai einen Brandanschlag auf das AZ verübt haben.

Im Bus nach Berlin von präparierten Böllern gehört

Der Prozess hatte am 11. Februar mit Teilgeständnissen der Angeklagten begonnen. (bnr berichtete) Am zweiten Prozesstag hatten eine Reihe Neonazis als Zeugen aussagen müssen. Sie waren am 1. Mai gemeinsam mit den Angeklagten nach Berlin gefahren.

Nahezu alle Zeugen – darunter KAL-„Kameradschaftsführer“ Rene Laube – wollten aber in dem Reisebus der Gruppe weder die selbst gebastelten Sprengsätze gesehen, noch von ihnen in Gesprächen gehört haben. Lediglich ein 45-Jähriger sagte aus, er habe davon gehört, dass einer der Angeklagten anderen Mitreisenden von den präparierten Böllern erzählt habe. In dem Bus war auch der Pulheimer Neonazi Axel Reitz mitgefahren.

Spuren der Angeklagten an Paketbombenattrappe gefunden

W. – der seit seinem 15. Lebensjahr mehrfach strafrechtlich aufgefallen ist – gilt unterdessen bei der KAL als „Verräter“, weil er Kontakt zu einem Aussteigerprogramm hatte und Polizeipapieren zufolge auch Angaben zu Interna gemacht haben soll. In der Untersuchungshaft will er sich nun einem Antirassismusprogramm angeschlossen haben und sich weiter von seinem rechten Gedankengut lösen.

Jedoch wurde am dritten Prozesstag, am 18. Februar am Rande bekannt, dass an Resten einer Paketbombenattrappe, die im Juli 2010 vor das Autonome Zentrum abgelegt worden war, Spuren der beiden Angeklagten gefunden worden sein sollen. Die Attrappe, adressiert „an die Antifa“, hatte zu Verkehrssperrungen in der Aachener Innenstadt geführt. Sprengstoffexperten des Landeskriminalamtes nahmen das Paket wegen der Bauweise so ernst, dass sie es entschärft hatten.

Mit einem Urteil im aktuellen Prozess wird am 21. Februar gerechnet. Neonazis hatten den zweiten Prozesstag dazu genutzt, von einer der Emporen zahlreiche Flyer und Schnipsel in das Foyer des Justizzentrums zu werfen, in dem auch das Landgericht Aachen sitzt. Auf ihnen wurde für fremdenfeindliche Aufmärsche geworben, die im April in Stolberg stattfinden sollen.

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