Ex-NPD-Politiker vor Gericht

Der ehemalige hessische NPD-Landesvorsitzende Jörg Krebs muss sich ab Januar kommenden Jahres vor dem  Amtsgericht Frankfurt wegen unerlaubten Waffenbesitzes und der Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen vor Gericht verantworten.

Mittwoch, 14. September 2016
Anton Maegerle

Dem gelernten Schreiner Krebs wird vorgeworfen, im September 2014 ein so genanntes Gaudreieck mit der Aufschrift „West Hessen-Nassau“ auf seiner Facebook-Seite gepostet zu haben. Der Bundesgerichtshof (BGH) hat im Jahr 2002 (Paragraph 86a StGB) die Verwendung des Gaudreiecks verboten. In der NS-Zeit wiesen Gauwinkel oder Gaudreiecke die Träger/innen als Angehörige aus einem bestimmten Gau der NSDAP oder der Hitler-Jugend (HJ) aus.

Bei einer folgenden Wohnungsdurchsuchung bei Krebs im Frankfurter Stadtteil Nieder-Eschbach im Juli 2015 wurde im Schlafzimmer zudem eine Schreckschuss-, Reizgas- und Signalpistole, ein Fabrikat des Herstellers Röhm, gefunden, für die Krebs keinen Waffenschein besitzt. Eine solche
Pistole wird nach Auskunft einer Sprecherin der Staatsanwaltschaft mit einer Schusswaffe gleichgesetzt. Deshalb benötige man für sie eine Erlaubnis.

Krebs war von 2008 bis 2012 Vorsitzender der hessischen NPD. Von 2006 bis zu den hessischen Kommunalwahlen im März dieses Jahres saß Krebs als Stadtverordneter im Frankfurter Römer, zuletzt als parteiloser Abgeordneter. Mit Wirkung zum 30. Juni 2015 verließ er die NPD im Streit. In einer persönlichen Erklärung zu seinem NPD-Austritt gab Krebs kund: „Ich kann und will mich nicht länger mit einer Entourage in einen Topf werfen lassen, die sich ohne Bedenken auf pro-israelischen Versammlungen herumtreibt, im Internet mit Pornodarstellerinnen posiert, reine Saufurlaube auf ‚Malle’ verbringt und durch Trunkenheitsfahrten mit dem PKW zu ‚glänzen’ weiß. Kurz, jedwedes volkstreues Ideal, jedwede nationale Gesinnung mit Füßen tritt – ja geradezu schändlich verrät!“ Süffisant teilte Krebs weiter mit, dass seine beiden Vorgänger im Amt des Landesvorsitzenden der NPD-Hessen, Hans Schmidt und Marcel Wöll, ebenfalls aus der Partei ausgetreten seien.

In die NPD war Krebs 1999 eingetreten. Zuvor gehörte er der Deutschen Volksunion (DVU) an. Krebs galt parteiintern in der NPD als umstritten, ihm wurde Führungsschwäche angekreidet und seine Mobilisierungsfähigkeit galt als gering ausgeprägt. Von 2000 an war Krebs Mitglied des im September 2011 vom Bundesminister des Innern wegen Wesensverwandtschaft mit dem Nationalsozialismus verbotenen Neonazi-Truppe „Hilfsorganisation für nationale politische Gefangene und deren Angehörige“ (HNG). Seit seinem NPD-Austritt liebäugelt Krebs mit der Neonazi-Splitterpartei „Der III. Weg“.
 

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