von Marc Brandstetter
   

Ex-CDU-Rechtsausleger Henry Nitzsche wirft das Handtuch: Rechter Verein „Bündnis Arbeit-Familie-Vaterland“ aufgelöst

Das Organisationssterben am rechten Rand hält unvermindert an. Nachdem in den letzten Monaten die Innenminister mit ihren Verboten zahlreichen militanten Kameradschaften den Garaus gemacht hatten und die DVU ihre Selbstauflösung erklärt hatte, löste sich nun der Verein „Bündnis Arbeit-Familie-Vaterland Liste Henry Nitzsche“ des ehemaligen CDU-Bundestagsabgeordneten Henry Nitzsche auf.

Es war einer der Aufreger des Jahres 2006. Der sächsische CDU-Bundestagsabgeordnete Henry Nitzsche hatte auf einer Parteiveranstaltung die rot-grüne Bundesregierung unter Kanzler Gerhard Schröder als „Multi-Kulti-Schwuchteln“ diffamiert, von denen Deutschland nie wieder regiert werden dürfe. Im Bezug auf den Umgang mit der deutschen Vergangenheit sprach er von einem „Schuldkult“.

Nicht zum ersten Mal war der CDU-Mann mit ausländerfeindlichen Äußerungen aufgefallen, doch seine erneuten Ausfälle brachten das Fass zum Überlaufen. Drei Jahre vorher hatte er behauptet, einem „Muslim würde eher die Hand abfaulen, als dass er CDU wählen würde.“ Die CDU-Führung zog die Notbremse – und erhöhte den Druck auf den Rechtsausleger, der im Dezember 2006 schließlich aus der Partei und der Bundestagsfraktion austrat, sein Mandat aber behielt.

Zur sächsischen Kommunalwahl 2008 gründete der umstrittene Politiker die Wählervereinigung „Bündnis Arbeit-Familie-Vaterland Liste Henry Nitzsche“ (AFV). Schlagzeilen machte er dabei mit seiner Kandidatur als „Ausländerbeauftragter des Landkreises Bautzen“. Dabei bediente er sich typischem NPD-Duktus, da er „Ausländern bei ihrer Heimreise behilflich“ sein wolle. Kein Wunder, dass er von der NPD dafür Beifall bekam.

Im Februar 2008 schloss sich seine Wahlliste mit der Deutschen Sozialen Union (DSU), der Sächsischen Volkspartei (SVP) des Ex-NPD-Mannes Mirko Schmitt und der Freiheitlichen Partei Deutschlands (FPD) zur „Bürgerbewegung pro Sachsen“ zusammen, die ohne nachhaltigen Erfolg blieb. Den Vorsitz übernahm er gleich selbst. Bald schmiss Nitzsche dort aber das Handtuch, da er die Vereinigung zunehmend von der NPD unterwandert sah.

Nun hat der Provokateur auch seinen Verein „Bündnis Arbeit-Familie-Vaterland Liste Henry Nitzsche“ zu den Akten gelegt. Auf seiner Webseite teilt das Bündnis mit, dass „der eingetragene Verein Bündnis Arbeit-Familie-Vaterland Liste Henry Nitzsche e.V. wurde auf Grundlage des § 19 der Vereinssatzung aufgelöst wurde. Der Wille hierzu wurde auf der außerordentlichen Mitgliederversammlung vom 15.06.2012 gefasst.“ Weitere Infos? Fehlanzeige. Wie es mit den Kreistagesmandaten der AFV weitergehe, sei bislang unklar, schreibt der regionale Blog Lauter Bautz`ner.

Der SPD-Landtagsabgeordnete Stefan Brangs hält unterdessen eine Neugründung einer weiteren Organisation unter der Führung von Nitzsche für möglich. „Das rechte Bündnis hat sich zwar aufgelöst, aber diese Tatsachse ist leider kein Grund zur Entwarnung. Ich rechne damit, dass sich um Henry Nitzsche bereits neue, Ewiggestrige scharren werden. In der Region kann man seit einiger Zeit eine besonders offensiv agierende rechte Szene beobachten, die auch vor Einschüchterungen nicht mehr zurückschreckt“, heißt es in einer Pressemitteilung.

Foto: Jasper Goslicki, Lizenz: CC

Kommentare(11)

Rolf Steiner Montag, 10.September 2012, 10:25 Uhr:
" Das Organisationssterben am rechten Rand hält unvermindert an. "

Ja, und das ist auch gut so, denn wir wollen mit einer einheitlichen Partei in die Parlamente einziehen, und da uns ja schon die NPD zu viele Wählerstimmen kostet, ist es durchaus sinnvoll, wenn sich die bürgerliche deutsche Rechte einigt, und überflüssige Kleinstparteien
vom Markt verschwinden.
 
Atze Montag, 10.September 2012, 10:30 Uhr:
Der nächste rechte Ikarus, der dem Schcksal aller anderen kleinen und großen rechten Ikarusse folgt: Absturz und verschwinden in der Bedeutungslosigkeit. Da, wo sie auch hingehören. Tschüss und auf Nimmerwiedersehen! :-)
 
made in germany Montag, 10.September 2012, 20:21 Uhr:
Ich kann die Auflösung auch nur begrüssen, da in Sachsen alle Kräfte in der NPD gebündelt werden müssen. Wenn Nitzsche kompromissbereiter wäre, könnte er vielleicht sogar mit NPD Ticket im nächsten Landtag sitzen.
 
Atze Dienstag, 11.September 2012, 11:41 Uhr:
Du meinst, ihr sponsert ihm eine Bahnfahrt, damit er auf der Besuchertribühne Platz nehmen kann?
 
Elvira Dienstag, 11.September 2012, 19:55 Uhr:
Ich glaube auf so eine wankelmütige Person kann die NPD verzichten. Was nützt es der NPD wenn er vielleicht Mitglied für ein paar Monate ist und dann wieder austritt.
Es wird hier und anderswo vergessen, dass man im Herzen Deutscher sein muss, solange man das nicht fühlt, findet man keine politische Heimat.
 
Atze Mittwoch, 12.September 2012, 07:12 Uhr:
Hallo Elvira,

"im Herzen Deutscher sein". Beim kreieren rechtsextremistischer Alleinstellungsmerkmale seid ihr ja echt kreativ. :-) Wo genau ist den dieses deutsch sein zu verordnen? In der linken oder in der rechten Herzkammer? Liegen da schon Befunde vor?
 
John Mittwoch, 12.September 2012, 09:47 Uhr:
"Ich glaube auf so eine wankelmütige Person kann die NPD verzichten. Was nützt es der NPD wenn er vielleicht Mitglied für ein paar Monate ist und dann wieder austritt."

Zumal nach dem Austritt der unvermeidliche VS-Spitzelvorwurf kommen würde.
 
Elvira Mittwoch, 12.September 2012, 20:32 Uhr:
@Atze
Nach deinem Schreiben zu urteilen befindet sich das deutsche Herz bei dir weder in der rechten noch in der linken Herzkammer. Aber nicht nur das fehlt bei Dir, auch in deinem Gehirn sind sicherlich ein paar Fehlstellungen, sonst könnte man nicht so eine blöde Frage stellen.
 
Björn Donnerstag, 13.September 2012, 12:49 Uhr:
@Atze

"Wo genau ist den dieses deutsch sein zu verordnen? In der linken oder in der rechten Herzkammer?"

Das hat etwas mit Gefühlen zu tun. Mit Anatomie kommst du hier nicht weiter. Aber das kannst du ja nicht wissen.
 
Roichi Donnerstag, 13.September 2012, 14:20 Uhr:
@ Björn

Tja. und hier hast du ein Problem.
Denn was machst du mit den bösen Linken, die sich deutsch fühlen, aber nichts mit deiner Ideologie zu tun haben wollen?
Wer bestimmt denn, was "im Herzen Deutscher sein" bedeutet?
Elvira kann das nicht beantworten und du auch nicht.
Denn diese Sache ist nicht nur gänzlich unerheblich, sondern auch völlig willkürlich.
Somit völlig untauglich als Kriterium für eine politische Heimat, wie Elvira es hier postuliert.
 
Bernd Donnerstag, 13.September 2012, 20:27 Uhr:
Es ist doch ganz klar zu beantworten:Nur wer Deutsch denkt und Deutsch fühlt kann auch im Herzen Deutscher sein. Zuerst kommt mein Volk und dann die anderen Völker. Ich liebe mein Land und achte andere Völker.
 

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