„Europäische Denkfabrik“

In der „Kontinent Europa Stiftung“ wollen sich Vertreter der extremen Rechten vernetzen – gemeinsame Feindbilder sind die USA und der Islam.

Freitag, 04. Januar 2008
Anton Maegerle

Im kommenden März soll an einem bislang nicht bekannten Ort ein „Erster Europäischer Publizistenkongress“ stattfinden. Veranstalter ist eine in Schweden beheimatete Organisation, die den Namen „Kontinent Europa Stiftung“ (K-E-S) trägt und in der zahlreiche bekannte Rechtsextremisten aus der Bundesrepublik mitmischen. Die selbst ernannte „neue europäische Denkfabrik“ will „Wissenschaftler des Kontinents zusammenführen, um gemeinsam Geschichte und Zukunft unserer europäischen Heimat zu pflegen und zu einen.“
Feindbild der „Vernetzung identitätsbewusster Europäer“ sind die USA und der Islam: „Europa kann und muss jene Vormachtstellung in der Welt zurückgewinnen, die es vor 150 Jahren noch inne hatte. Nur so können sich die weißen Völker in einer multipolaren Welt zwischen einem aggressiven Amerikanismus und einem expandierenden Islam erhalten“ – heißt es auf der Homepage der „Kontinent Europa Stiftung“. Gegen die „zunehmende Dominanz der USA auf allen Gebieten“ setzt man auf ein Bündnis mit Russland, das als „ein Teil des alten Kontinents“ gewertet wird. Angestrebt wird die „Schaffung eines euro-sibirischen Raumes“. Der in rechtsextremen Kreisen weithin verteufelte Euro soll als Währung auch in Russland eingeführt werden und weltweit den Dollar als Leitwährung ablösen.

Der Schwede Patrik Brinkmann (Jg. 1966) rief die „Stiftung“ im Juni 2004 gemeinsam mit seiner Frau Svetlana ins Leben. So lautet auch die Postfachadresse von K-E-S auf den Wohnort von Brinkmann in Jönköping. Im Juni 2002 hatte sich Brinkmann im Gästebuch der Homepage der Landsmannschaft Ostpreußen Landesgruppe Nordrhein-Westfalen verewigt mit der Feststellung, dass „Memel, Königsberg, Wien ... deutsche Städte“ seien. Im November 2007 hielt sich Brinkmann zeitweilig in Schwerin bei Gleichgesinnten aus NPD-Kreisen auf. Treffen der Leitungsgremien der Stiftung fanden bislang unter anderem in Berlin und dem Elsaß statt.

Als Propagandainstrument nutzt die Stiftung das Internet. Die dort nur spärlich vorhandenden Texte sind in deutscher, englischer, französischer, russischer, spanischer und italienischer Sprache abrufbar. In der von der Kontinent Europa Stiftung herausgegebenen Reihe „Metapedia. Die alternative Enzyklopädie“ sind bislang „Die Rückkehr des verlorenen Russlands“ von Rudolf Rahlves sowie „Feindliche Übernahme? Der Kampf des Islam um Europa“ von Gideon J. Harvey erschienen. Tenor des Buches von Harvey, so eine Rezension in der Wochenzeitung „Junge Freiheit“, ist es, dass nur mit einer „Rückbesinnung auf Gott“ der „Islamisierung Europas Einhalt geboten werden“ könne. Rahlves ist Buchautor des geschichtsrevisionistischen Grabert-Verlages und Leserbriefschreiber in der „Jungen Freiheit“.

Den Vorsitz der Stiftung hat Gert Sudholt (Jg. 1943), Ziehsohn des einstigen stellvertretenden Pressechefs der NS-Reichsregierung, inne. Sudholt, Leiter der Verlagsgesellschaft Berg aus Inning (Oberbayern), eines größeren rechtsextremen Verlagskomplexes, ist wegen Volksverhetzung verurteilt. Bereits im Gründungsjahr der K-E-S machte der Verleger und Publizist, ehemals Vorsitzender der rechtsextremen Gesellschaft für freie Publizistik (GFP), ganzseitig in der zu seinem Haus gehörenden Zweimonatszeitschrift „Deutsche Geschichte“ (Druffel & Vowinckel-Verlag) auf diesen europaweiten rechtsextremen Zusammenschluss aufmerksam.

Den Leitungsgremien der Kontinent Europa Stiftung gehören neben anderen aus der Bundesrepublik Deutschland Pierre Krebs, Andreas Molau, Wolfgang Seiffert, Walter Post, Olaf Rose, Dankwart Kluge, Lutz Dessau und Rüdiger Schrembs an. Krebs ist Vorsitzender des 1980 gegründeten Thule-Seminars, das sich als „geistig-geschichtliche Ideenschmiede für eine künftige Neuordnung aller europäischen Völker unter besonderer Berücksichtigung ihres biokulturellen und heidnisch-religiösen Erbes“ versteht. Krebs trat 2003 auf dem vom NPD-Verlag Deutsche Stimme veranstalteten „1. Freiheitlichen Kongress“ auf. Molau, Bundesvorstandsmitglied der NPD, ist NPD-Spitzenkandidat bei der niedersächsischen Landtagswahl am 27. Januar. DDR-Emigrant Seiffert, „ehemals Honeckers enger Kampfgenosse“ („Der Spiegel“), greift für die Wochenzeitung „Junge Freiheit“ zur Feder und ist Buchautor des neurechten österreichischen Ares Verlages. Post kandidiert am 2. März 2008 als Spitzenkandidat für die rechtsextreme Gruppierung „pro München“ bei den Kommunalwahlen in Bayern. Er ist Buchautor des Grabert-Verlages und Referent bei der GFP. Rose, GFP-Vorstandsmitglied und Publizist, Mitarbeiter der NPD-Landtagsfraktion in Sachsen, tritt als gern gesehener Referent in rechtsextremen Zusammenhängen auf, beispielsweise 2006 bei der „Nationalversammlung des Deutschen Ostens“, dem „Parlament“ des Pseudo-Exilstaates „Vereinigte Ostdeutsche Reichsgebiete“ (VODR). Kluge referierte unter anderem bei der rechtsextremen österreichischen Arbeitsgemeinschaft für demokratische Politik und der GFP. Dessau gehört wie Molau zur Redaktionsmannschaft des NPD-Parteiorgans „Deutsche Stimme“. Schrembs, einst NPD-Vorstandsmitglied in Bayern, ist Sprecher von „pro München“.

In den Führungsgremien der „Stiftung“ sind ferner Alexander Kamkin, Pier Severini, Jean Haudry, Wjatscheslaw Daschitschew, Enrique Ravello und Pierre Vial vertreten. Kamkin ist Auslandsreferent der National-Patriotischen Front Russlands (Pamjat) und hielt beim zweiten NPD-„Fest der Völker“ am 8. September 2007 im thüringischen Jena eine Rede. Der „Indogermanen-Forscher“ Haudry war ständiger Mitarbeiter der Zeitschrift „Elemente zur Metapolitik“, vormals Sprachrohr des Thule-Seminars. Daschitschew, Autor der „National-Zeitung“, trat als Redner beim Bundesparteitag der DVU im Januar 2007 in Erscheinung. Ravello, Gelegenheitsautor des NPD-Blatts „Deutsche Stimme“, ist Herausgeber der spanischen Zeitschrift „Tierra y Pueblo“ und Vorsitzender der 2003 gegründeten gleichnamigen Vereinigung. Der „Blut-und-Boden“-Ideologe Pierre Vial, früherer Generalsekretär des GRECE, ist Gründer und Präsident des völkisch-rassistischen Zirkels „Terre et Peuple“. Nicht mehr im Direktorium der Stiftung vertreten ist der Argentinier Carlos Dufour, zeitweiliger Autor der „Elemente zur Metapolik“, der auch für die „Deutsche Stimme“ zur Feder greift. 1991 hatte Dufour als Gastredner am NPD-Bundesparteitag in Herzogenaurach teilgenommen. Einen Leserbrief in der Hitler-treuen spanischen Zeitschrift „Cedade“ beendete Dufour mit der Aufforderung: „Arm hoch!“.

Kategorien
Tags