Eskalation rechter Gewalt

Erfurt – Die rechte und rassistische Gewalt in Thüringen hat sich im ersten Halbjahr 2016 gegenüber dem Vorjahreszeitraum fast verdoppelt. Das geht aus der Halbjahresstatistik hervor, die die „Mobile Beratung für Opfer rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt“ (ezra) jetzt vorgelegt hat.

Montag, 18. Juli 2016
Redaktion

Demnach registrierte ezra in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres 72 entsprechende Vorkommnisse in Thüringen, im ersten Halbjahr 2015 waren es 39 Vorfälle. In mehr als der Hälfte war Rassismus das Tatmotiv, in 29 Fällen wurden vermeintlich politische Gegner angegriffen. Insgesamt waren in den ersten sechs Monaten 130 Personen von den Übergriffen betroffen.

Ein Viertel der Gewaltattacken ereignete sich im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt, weitere Schwerpunkte waren die Städte Erfurt und Jena. Die ezra-Projektkoordinatorin Christina Büttner spricht von einer „Normalisierung rechter Gewalt“ und konstatiert: „Obwohl die Angriffszahlen in Thüringen so hoch sind wie nie, bleibt ein notwendiger Aufschrei aus“. Sie befürchtet, dass die Angriffswelle nicht abbreche und sich noch verstärke, wenn es „keine Interventionen von Politik, Zivilgesellschaft und anderen gesellschaftlichen Akteuren“ gebe. Die „Mobile Beratung in Thüringen Für Demokratie – Gegen Rechtsextremismus“ (Mobit) registriert eine Radikalisierung der Szene, die immer aggressiver auftrete. „Trotz abnehmender Teilnehmerzahl bei Demonstrationen können wir nicht von einem Rückgang der Aktivitäten sprechen“, sagt Christoph Lammert von Mobit. (kb)

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