Erziehung zu Volkstum und Heimat

Rechtsextremist will „Ehrenvorsitzender“ der „Schlesischen Jugend“ sein – im „Schlesier“ macht ein „Freundschafts- und Hilfswerk Ost“ auf sich aufmerksam.

Mittwoch, 25. Mai 2011
Anton Maegerle

Der Bundesregierung liegen „tatsächliche Anhaltspunkte“ dafür vor, dass Rechtsextremisten Einfluss auf die „Schlesische Jugend Bundesgruppe e.V.“ erlangt haben. Dies teilte sie jetzt in ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Bündnisgrünen (17/5619) mit. Die Regierung verweist zugleich darauf, dass sie in der Zeit von 2005 bis 2011 die „Schlesische Jugend Bundesgruppe e.V.“ nicht gefördert habe.

In der aktuellen Ausgabe der Wochenzeitung „Der Schlesier“ meldet sich Klaus Hoffmann (Jg. 1940) aus dem niedersächsischen Bad Bevensen zu Wort. Leserbriefschreiber Hoffmann bescheinigt der „Schlesischen Jugend“ (SJ), „weder rechtsextrem noch verfassungsfeindlich“ zu sein. Hoffman zufolge sei es „in dieser BRD heute Mode geworden, Jugendgruppen, die trotz total einseitiger schulischer Erziehung noch zu Volkstum und Heimat stehen, als ‚rechtsradikal’ zu diffamieren.“ Laut Selbstdarstellung ist Hoffmann sogar „Ehrenvorsitzender“ der SJ.

Die im 63. Jahrgang erscheinende „gesamtdeutsche“ Wochenzeitung „Der Schlesier“ gehört seit wenigen Monaten zum Verlagsimperium Lesen & Schenken" (Martensrade/Selent/Schleswig-Holstein) von Dietmar Munier (Jg. 1954). Munier leitet die Verlagsgruppe Arndt / Pour le Merite / Orion-Heimreiter, in der die „Deutsche Militärzeitschrift“, die Monatszeitschrift „Zuerst!“ und auch der „Schlesier“ erscheinen. Redakteur des „Schlesier“ ist der Hamburger Burschenschafter Olaf Haselhorst (Jg. 1963), Gelegenheitsautor der neurechten Zeitschrift „Sezession“.

Klaus Hoffmann, bis 1994 stellvertretender NPD-Landesvorsitzender in Niedersachsen, leitet das mehrfach in Verfassungsschutzberichten aufgeführte „Freundschafts- und Hilfswerk Ost“ (FHwO). Auf sich aufmerksam macht die FHwO unter anderem mit einer Anzeige in der aktuellen Ausgabe des „Schlesiers“. Eigenbekunden zufolge ist der Verein seit 20 Jahren „aktiv für die DEUTSCHEN in den alten Reichsgebieten jenseits Oder und Neiße!“ Hoffman war einst „Gauführer“ der 1994 vom Bundesminister des Innern wegen Wesensverwandtschaft mit dem Nationalsozialismus verbotenen Neonazi-Truppe „Wiking-Jugend“ (WJ).

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