von Tim Schulz
   

Erneut rechtsextremes Großevent in Themar

Rechtsrockkonzerte, das sind konspirativ organisierte, klandestine Veranstaltung in eher kleinem Rahmen – spätestens seit den Neonazi-Festivals in Themar und Ostritz wird klar, dass diese Annahme überholt ist. Rechtsextreme Musikveranstaltungen haben längst eine neue Qualität erreicht. Nach gleich zwei entsprechenden Festivals im letzten Jahr wird das südthüringische Themar erneut zum Anlaufpunkt der rechtsextremen Szene: Die NPD lädt ein zu den „Tagen der nationalen Bewegung“.

Teilnehmer des Neonazi-Festivals im vergangenen Jahr

Das Line-Up der Veranstaltung liest sich wie ein Who-Is-Who der rechtsextremen Musikszene: Neben bekannten Szenebands wie „Die Lunikoff Verschwörung“ von Ex-Landser-Frontmann Michael Regener, „Sleipnir“ oder „Kategorie C“, wird mit „Brutal Attack“ eine der Gründungsbands des verbotenen Blood and Honour-Netzwerks in Themar auftreten. Dazu kommen diverse Liedermacher wie Frank Rennicke und sogenannte NS-Rapper, die für das rechtsextreme Musikfestival am 8. und 9. Juni angekündigt sind. Die Veranstalter warten mit viel Szeneprominenz auf.

Rechtsextremes Klassentreffen – nur der Dritte Weg spielt nicht mit

Entsprechend hoch dürfte die Teilnehmerzahl am kommenden Wochenende ausfallen. Schon im letzten Jahr bescheinigten Beobachter den Rechtsrock-Veranstaltungen in Themar eine szeneübergreifende Attraktivität. 6.000 Neonazis aus dem gesamten Bundesgebiet reisten damals zu einem der größten Rechtsrock-Festivals europaweit an. Zudem wird die Veranstaltung von verschiedenen, teils eng mit der NPD verbandelten Organisationen unterstützt. Neben den Köpfen hinter Szene-Events wie den Dresdener „Trauermärschen“ und dem „Tag der deutschen Zukunft“ sowie der Splitterpartei Die Rechte, beteiligt sich auch Media Pro Patria, ein Medienprojekt aus den Reihen der Autonomen Nationalisten.

Rechtsrock-Konzert ThemarFotos der Veranstaltung aus dem letzten Jahr

Derweil bleibt der Dritte Weg wohl außen vor: Angesichts der „Armee von Konsumenten“ vor Ort resümierte Parteifunktionär Matthias Fischer 2017 bezugnehmend auf die Szene, „dass wir gelinde gesagt im Arsch sind.“ Nur vier Wochen später veranstaltet die Neonazi-Partei dann jedoch ihr eigenes Festival: Am 7. Juli soll in Kirchheim das „Jugend im Sturm“ stattfinden, zu dem ebenfalls mehrere Redner und Bands angekündigt sind. Es bleibt abzuwarten, inwiefern sich der Dritte Weg von den anderen Szene-Veranstaltungen abheben will.

Nicht zuletzt die Organisatoren der diesjährigen Zusammenkunft dürften den Aktivisten der rechtsextremen Kleinstpartei ein Dorn im Auge sein: Verantwortlich für die „Tage der nationalen Bewegung“ zeichnet sich NPD-Bundesorganisationsleiter Sebastian Schmidtke. Dass Rechtsrockfestivals offiziell von der NPD ausgerichtet werden, ist ein Novum. Man wolle die „zerstückelte Szene“ zusammenbringen, so die Internetpräsenz des Events - ein Angebot, dass sich vor allem an die lose organisierte Kameradschaftsszene richten dürfte. In den letzten Jahren verloren die Nationaldemokraten maßgeblich an Einfluss gegenüber den sogenannten Freien Kräften.

Kommerz und Politik

Am Beispiel Themar wird zudem klar, dass sich die deutsche Rechtsrock-Szene zunehmend professionalisiert. Ein Großteil der rechtsextremen Musikveranstaltungen mag zwar weiterhin unbemerkt der Öffentlichkeit stattfinden. Konzerte wie in dem südthüringischen Dorf entwickeln sich allerdings zu regelrechten Großveranstaltungen mit offensivem Marketing und einem breiten Angebot, das von Musik über Kleidung bis Politik alle Aspekte rechtsextremer Subkultur bedienen soll.

Bei mehreren tausend Besuchern wird daraus schnell ein einträgliches Geschäft. Die Organisatoren des „Rock gegen Überfremdung II“ nahmen Medienberichten zufolge allein durch die Eintrittsgelder über 200.000 Euro als Spenden deklariert ein. Das führte auch dazu, dass die Steuerfahndung Ende April eine Razzia bei den Organisatoren durchführte, es stünde der Verdacht im Raum, die Einnahmen nicht korrekt versteuert zu haben. Ein ähnliches Taktieren ist für die „Tage der nationalen Bewegung“ zu erwarten, schließlich agieren die Veranstalter um Schmidtke erneut unter dem Mantel des Versammlungsgesetzes. Das verschafft ihnen nicht nur steuerrechtliche Vorteile, sondern erschwert auch Restriktionen gegen die „politische Versammlung“.

Hass-Musik unter dem Schutz der Versammlungsfreiheit

Versuche das Szene-Event zu unterbinden gestalteten sich entsprechend schwer. Thüringische Behörden versuchten zeitweise erfolgreich, die Durchführung der Veranstaltung auf der geplanten Wiese zu verbieten. Die Großveranstaltung stelle eine Störung für seltene Vogelarten dar, die in der Nähe brüten, so die Begründung.

Jubelmeldungen vom Verbot wichen jedoch vor einigen Tagen ernüchternderen Nachrichten: Das zuständige Verwaltungsgericht in Meiningen kippte das Verbot, nachdem die NPD-Funktionäre Rechtsmittel gegen den ersten Verbotsbescheid einlegten. Auch eine Beschwere gegen die neuerliche Entscheidung durch den Landkreises Hildburghausen wurde zurückgewiesen. Das Rechtsrock-Festival darf damit endgültig stattfinden, alle Rechtsmittel sind ausgeschöpft.

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