Thorsten Heise

Erneut Angriff auf Journalisten in Fretterode

Knapp acht Jahre nach dem aufsehenerregenden Angriff von Neonazis auf zwei Journalisten im thüringischen Fretterode gab es dort erneut eine Gewaltattacke auf Pressevertreter. Als mutmaßliche Täter wurden der langjährig aktive Neonazi Thorsten Heise und einer seiner Söhne festgenommen.

Mittwoch, 25. März 2026
Kai Budler
Noch am Abend des Angriffs sollen laut Polizei Thorsten Heise sowie sein Sohn festgenommen worden sein.
Noch am Abend des Angriffs sollen laut Polizei Thorsten Heise sowie sein Sohn festgenommen worden sein.

Es zeige sich, dass Neonazis in Thüringen „nicht mit adäquaten Strafen rechnen müssen, sondern per Urteil gar noch zu derartigen Taten ermutigt werden“. Das Statement von Katharina König-Preuß aus der Thüringer Landtagsfraktion der Linken war nur eine von vielen empörten und harschen Reaktionen auf das Urteil im „Fretterode-Prozess“ aus dem September 2022.

Das Landgericht Mühlhausen hatte die zwei Neonazis Gianluca K. und Nordulf H. aus dem engen Kreis um den langjährigen Neonazi Thorsten Heise zu einer Bewährungsstrafe bzw. gemeinnützige Arbeit nach Jugendstrafrecht verurteilt. Sie hatten im April 2018 in Fretterode im thüringischen Eichsfeld zwei Journalisten schwer verletzt, ihr Auto zerstört und die Kamera samt Ausrüstung geraubt.

Vize-Bundesvorsitzender Heise Tatverdächtiger

Knapp acht Jahre später kam es dort jetzt zu einem neuen gewalttätigen Überfall auf Pressevertreter. Nach Informationen von Endstation Rechts stellten ein Redakteur und zwei Kameraleute von „Spiegel TV“ am Mittwoch für eine Dokumentation in dem Eichsfelddorf den Überfall aus dem Jahr 2018 mit einem der damals Betroffenen nach. Als die Journalisten schon am Abbau sind, werden sie aus einem Van heraus mutmaßlich von Neonazis unvermittelt mit Pfefferspray angegriffen, die Kameraleute wurden verletzt. Außerdem sollen die Täter eine auf dem Boden abgestellte Kamera zertreten haben.

Doch die Journalisten haben Videoaufzeichnungen von den Tätern, es sind bekannte Neonazis aus Fretterode. Die Betroffenen beschuldigen „Heimat-Bundesvize Thorsten Heise und den 22 Jahre alten Thoralf H. der Tat. Der 56-jährige Heise habe gebrüllt, dass es „hier anders zu geht“, berichtet der Journalist Thomas Heise bei X.

Prozess: Angeblich nur Notwehr

Die Betroffenen haben noch am Abend Strafanzeigen bei der Polizei gestellt. Die Landespolizeiinspektion Nordhausen ermittelt wegen eines Körperverletzungsdeliktes. Vor Ort ist die Polizei „mit mehreren Beamten der Schutz- und Kriminalpolizei sowie der Bereitschaftspolizei vor Ort im Einsatz“, heißt es in einer Mitteilung. Die beiden Tatverdächtigen seien gestellt und festgenommen werden.

Besonders der zitierte Ausspruch Heises verweist auf den Übergriff aus dem April 2018, den die mutmaßlichen Täter vor Gericht als „Notwehr“ dargestellt hatten. Momentan müssen sie sich in einem Revisionsprozess vor dem Landgericht Mühlhausen verantworten, die Tat war Ursprung zur Gründung der Initiative Schutzkodex zum Schutz von Medienschaffenden. Initiiert wurde sie von der Gewerkschaft dju/verdi, der Neuen Deutschen Medienmacher*innen (NdM), Reporter ohne Grenzen und dem Verband der Beratungsstellen für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt (VBRG).

Mit dem aktuellen Überfall verstärkt sich der Eindruck, dass Neonazis die Ortschaft Fretterode zu einer No-Go-Area für Journalist*innen machen wollen. Und bereit sind, dies auch mit Gewalt durchzusetzen.

Kategorien
Tags
Schlagwörter