Erlauchter Kreis

Rechtsextremer Verein will ohne „ohne Tabus und Beachtung von Political Correctness“ frei diskutieren.

Donnerstag, 02. April 2009
Anton Maegerle

Über Jahre hinweg konnte der im schwäbischen Nürtingen beheimatete rechtsextreme „Deutsche Kreis von 1972 e.V.“, ein Verein „zur Pflege deutschnationalen Gedankengutes“, ohne Kenntnis der Öffentlichkeit seine Veranstaltungen durchführen. Damit war es am 19. Februar vorbei. Unbekannte störten eine Tagung des Deutschen Kreis’ die im Nürtinger Hotel Pflum stattfand. Referentin des Tages war Jutta Retz, vormals stellvertretende Landesvorsitzende der baden-württembergischen Republikaner und später Landesvorsitzende der Deutschen Partei.

Vorsitzender des am 20. November 1973 gegründeten „Deutschen Kreises von 1972 e.V.“ (kurz: Deutscher Kreis), der vom baden-württembergischen Verfassungsschutz beobachtet wird, ist seit 2001 Rolf Kosiek (Jg. 1934). Kosiek, ein gebürtiger Westfale, ist seit Jahrzehnten bundesweit in der rechtsextremen Szene aktiv und bekannt: Er war von 1968 bis 1972 baden-württembergischer NPD-Landtagsabgeordneter, rückte 1973 in den NPD-Bundesvorstand auf und galt zeitweilig als Chefideologe seiner Partei. Von 1992 bis 2005 war Kosiek Vorsitzender der „Gesellschaft für Freie Publizistik“ (GFP) und gehörte als Mitglied dem wissenschaftlichen Beirat der rassistischen „Gesellschaft für biologische Anthropologie, Eugenik und Verhaltensforschung“ an. Seit 1981 ist Kosiek Mitarbeiter des geschichtsrevisionistischen Grabert-Verlags.

Der „Deutsche Kreis“ will „durch freie Diskussion ohne Tabus und Beachtung von Political Correctness das Ideal des mündigen Bürgers“ verwirklichen. Zu seinen satzungsgemäßen Zielen gehört es, „Interesse an geschichtlichen, kulturellen und sozialen Fragen zu fördern und sich für die Beachtung der Grundsätze des Gemeinwesens einzusetzen“ sowie „eine Stätte freier Erörterung aller Fragen öffentlichen Interesses zu schaffen“. Seit seiner Gründung veranstaltet der Verein monatliche Zusammenkünfte in Form von Vortragsveranstaltungen, zu denen dann jeweils 30 bis 60 Interessierte kommen.

Im Oktober 1997 feierte der Verein sein 25-jähriges Bestehen im Nürtinger Haus der Heimat. Festredner war seinerzeit Albrecht Jebens (CDU), langjähriger Geschäftsführer des unionsnahen Studienzentrum Weikersheim und später GFP-Vorstandsmitglied. Jebens forderte in seiner Rede, dass aus Bundesbürgern wieder „bewusste Deutsche“ werden sollten, die sich für ihr Vaterland einsetzen, anstatt die ältere Generation „immer wieder unberechtigt zu diffamieren“.

„Richtigstellungen“ zur NS-Zeit

Gegründet wurde der „Deutsche Kreis“ auf Betreiben von Ministerialrat i.R. Gustav Jonak (1903 – 1985). Der im mährischen Olmütz geborene Jonak vertrat zwischen 1929 und 1932 die sudetendeutschen Burschenschaften im Hauptausschuss der Deutschen Burschenschaft. Von 1934 bis 1937 war er Vorsitzender der Sudetendeutschen Burschenschaft. Mitte der 30er Jahre leitete Jonak die Kanzlei von Konrad Henlein, Hitlers Statthalter im Sudetenland. Danach führte Jonak als Leiter das Referat IV D 1 (Protektoratsangelegenheiten) des Reichssicherheitshauptamtes (RSHA) und war dann leitend für das Oberlandratsamt Mährisch-Ostrau tätig. Nach seiner Entlassung aus tschechischer Haft im Oktober 1955 arbeitete der vormalige SS-Obersturmbannführer (SS-Nr. 337797), der in der NSDAP die Partei-Nr. 6899866 hatte, zunächst im Landratsamt Esslingen und später im baden-württembergischen Innenministerium. Jonak gehörte der Sudetendeutschen Landsmannschaft an, publizierte in der rechtsextremen Monatszeitschrift „Nation Europa“, referierte bei der GFP, der „Deutschen Kulturgemeinschaft Europäischen Geistes“ sowie den „Nation-Europa-Freunden“ und agitierte für die NPD.

Jonak war von der Vereinsgründung bis 1984 Vorsitzender des „Deutschen Kreises“, die Amtsnachfolge trat bis zum Jahr 2001 Götz Eberbach an. Eberbach (Jg. 1930), Gründungsmitglied des „Deutschen Kreises“, ist Träger der Bismarck-Erinnerungsmedaille und einer der Macher der im Grabert-Verlag erschienenen Bände des „Großen Wendig. Richtigstellungen zur Zeitgeschichte“, mehrerer voluminöser geschichtsrevisionistischer Machwerke. Aus Sicht des Grabert-Verlags enthält die Buchreihe „Richtigstellungen“ zur NS-Zeit und des Zweiten Weltkrieges.

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