von Marc Brandstetter
   

Energie Cottbus zeigt antisemitischer Fan-Gruppierung die rote Karte

Es war der Tropfen, der das sprichwörtliche Fass zum Überlaufen brachte. Zwei „Fans“ des Zweitligisten Energie Cottbus, die der Gruppierung „Inferno“ zugeordnet werden konnten, waren zuletzt durch das Zeigen antisemitischer Symbole aufgefallen. Der Verein zog nun die Konsequenz und setzte den umstrittenen „Fanclub“ komplett vor die Tür.

Am 5. Dezember 2005 entrollten „Fans“ des FC Energie Cottbus bei der Auswärtspartie gegen Dynamo Dresden ein Banner, das bis heute den Ruf des Lausitzer Clubs nachhaltig prägt. Darauf zu lesen: „Juden“, eingerahmt von zwei Davidsternen. Das „D“ in der Mitte hatten die Plakatgestalter durch das Vereinslogo von Dynamo ersetzt. Auch in der Folge kam es immer wieder zu rassistischen und antisemitischen Provokationen, für die der brandenburgische Verfassungsschutz hauptsächliche die Fangruppierung „Inferno Cottbus 99“ verantwortlich machte. Der Verein jedoch schritt nicht ein. Von allen Seiten, besonders aber vom Mobilen Beratungsteam gegen Rechtsextremismus, hagelte es daraufhin Kritik.

Überraschend rissen die Verantwortlichen nun das Ruder herum und änderten ihre offizielle Linie. Wie Energie Cottbus in einem „offenen Brief“ bekannt gab, zeige der Zweitligist den „Inferno“-Mitgliedern, die sich als solche zu erkennen geben, die rote Karte und schließe sie von Heimauftritten im „Stadion der Freundschaft“ genauso aus wie von den Auswärtsspielen. Dies betreffe Fahnen und Banner jeglicher Art sowie Erkennungssymbole der Gruppierung. Auslöser der Kehrtwende sei ein Vorfall, der von der Öffentlichkeit nicht bemerkt worden sei. Bei einem der jüngsten Auswärtsspiele habe nach Vereinsangabe die örtliche Polizei zwei Personen dingfest machen können, die antisemitische Zeichen propagierten und die „Inferno“ zuzuordnen seien.       

„Der FC Energie Cottbus begreift sich als Sympathieträger und Botschafter der Stadt Cottbus [...] und ist sich seiner Vorbildfunktion und seiner Verantwortung bewusst. Seit jeher steht der Verein nicht nur sinnbildlich sondern aktiv für Werte wie die Integration von Ausländern, für Toleranz, für Fairplay. Das Stadion der Freundschaft als Heimstätte, der Verein als Hort der Begegnung bieten keinerlei Plattform für Diskriminierung, Rassismus, Gewalt, Antisemitismus und Homophobie“, heißt es in dem Schreiben. Mit den Werten des Vereins lasse sich das Auftreten und die Ideologie von „Inferno“, die kein offizieller Fanclub sind, nicht vereinbaren.

Der Verfassungsschutz rechnet dem Zusammenschluss rund 50 meist rechtsextremistisch eingestellte Personen zu. Zudem seien Überschneidungen mit dem Hooligan-Milieu bekannt. Eine Reaktion der „Inferno“-Supporter steht bislang aus.

Foto: Screenshot Facebook

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