von Charlotte Gräfin von der Blumenwiese
   

Ellen Kositza über die Machtfrage zwischen Mann und Frau sowie Frauen in der Neuen Rechten

Während die ältere Generation der „Neuen Rechten“ sich auf die Bewältigung der Vergangenheit und die daraus entstehenden bundesdeutschen Probleme konzentrieren, beschäftigt sich die nachwachsende Generation mit dem Frauenmangel der Neuen Rechten. Dies wird deutlich an einem Interview, das die Redaktion der „Blauen Narzisse“ mit der neurechten Publizistin Ellen Kositza führte.

Gefragt, ob die Einführung der Anti-Baby-Pille dazu geführt habe, dass die Frau sich dem Mann nicht mehr unterordnet, verneint die Redakteurin des neurechten Theorieorgans „Sezession“ und Mutter von sechs Kindern: statt dass sich die Frau untergeordnet hätte, seien in früheren Zeiten beiden Geschlechtern durch „eine natürliche Ordnung“ ihre eigenen Wirkungsbereiche zugewiesen worden. Das Zusammenleben von Mann und Frau auf ein Machtverhältnis zu reduzieren, hält Kositza für verkürzt. Das gestalte sich „in anderen Dimensionen als in denen einer puren Machtfrage“.

Die wichtigste und einschneidendste Folge der Einführung der Pille sei nicht die Ausweitung der sexuellen Macht der Frau, sondern die Trennung von Sexualität und Fortpflanzung. Diese habe dazu geführt, dass die „Bestimmung der Frau zur Mutterschaft durch die Pille eine disponible Größe geworden ist“. Dies sei die Bedingung der weiblichen Emanzipation gewesen. Daher bestünden die Begrenzungen der Rolle der Frau auf diejenige der Mutter seit der Einführung der Pille nicht mehr. So könnten Frauen heute in nahezu allen Bereichen mit den Männern mithalten und die gleichen Aufgaben erledigen. Dies wiederum führe jedoch gerade zur Ausweitung der „Macht- und Kampfzonen“ der Geschlechter, da Männer und Frauen nun in nahezu allen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bereichen mit einander konkurrieren. So gesehen kann nach Kositzas Auffassung offenbar davon ausgegangen werden, dass sich erst seit der Einführung der Pille und der damit verbundenen Emanzipation der Frau tatsächlich eine Machtfrage zwischen den Geschlechtern stellt.

Folgen dieser „Befreiung [der Frau] vom Kind“ im privaten Bereich sind eine Rollenverunsicherung insbesondere der Männer, die nach der Ausweitung der Rollenoptionen der Frauen ihre eigene Rolle neu definieren müssen, und der Rückgang traditioneller Familienformen, zu denen die „mütterlich behütete Kindheit und die Erziehung durch Vater und Mutter“ gehören.

Die spannende Frage, ob die Neue Rechte vor diesem Hintergrund nicht die Familienpolitik in den Mittelpunkt ihrer Arbeit stellen müsste, statt sich weiterhin in Analysen der Probleme des Nachkriegsdeutschlands und dem „Kultivieren einer komfortablen Opferrolle“ zu verzetteln, beantwortet Kositza nicht. Dies ist für die Interviewer umso mehr schade, als die Opferrolle nach ihrer Auffassung „zum einen ein typisches Symptom des Männerüberschusses ist und diesen andererseits auch mittelfristig nicht beenden wird“.

Dass der „Neuen Rechten“ die Frauen fehlten, kann Kositza jedoch nicht finden: „Wozu eigentlich fehlen die?“ Zum Zweck der Partnersuche sind aus ihrer Sicht andere Lebenswelten besser geeignet als die politische Betätigung. Weitere Funktionen können Frauen offenbar in der Neuen Rechten nicht erfüllen, denn „analytisch begabte oder strategisch planende Frauen sind selten, zumal in Vorreiterrollen“. Eben dieses sei jedoch die Domäne der „Neuen Rechten“, während bei linken Verbänden und Gruppen auf der einen und den vermeintlichen Kümmerern der NPD auf der anderen Seite das soziale Miteinander und die Gefühlsebene im Vordergrund stehen. Hier hätten Frauen ihre Stärken und daher verwundere es auch nicht, dass sie hier sehr viel häufiger engagiert seien.

Kommentare(5)

B.C. Montag, 01.November 2010, 14:45 Uhr:
wenn die neuen rechten frauen in die analytik und planung nicht mit einzubeziehen vermoegen, muessen sie letztendlich auch damit leben, dass sie von diesen nicht als vertreter gewaehlt werden.
 
wp Montag, 01.November 2010, 15:03 Uhr:
@B.C.
Aus der Tatsache, daß - laut Kositza - bei der Rechten "analytisch begabte oder strategisch planende Frauen ... selten" seien, kann man ja nicht den Schluß ziehen, daß sie solche Frauen nicht einzubeziehen vermögen. Sie können es wohl schon, jedoch - bisher - eher in quantitativ geringem Maße. Woran das liegt, wäre meine Frage an Kositza gewesen.
 
B.C. Montag, 01.November 2010, 19:03 Uhr:
@wp
aus deinem zitierten string kann man diesen schluss nicht ziehen. wohl aber aus dem hier:
"„Wozu eigentlich fehlen die?“ Zum Zweck der Partnersuche sind aus ihrer Sicht andere Lebenswelten besser geeignet als die politische Betätigung. Weitere Funktionen können Frauen offenbar in der Neuen Rechten nicht erfüllen,..."
 
wp Dienstag, 02.November 2010, 09:25 Uhr:
@B.C
Das ist ein Schluß der Autorin, den ich nicht - jedenfalls nicht nach Lektüre der Äußerungen von Frau Kositza - teile.
Frauen als Partner - in Ordnung! Jedoch nur, wenn sie analytisch nicht begabt sind und strategisch nicht planen können? Das wäre - mit Verlaub - ein selten dämliches Klischee.
 
kamm Montag, 15.August 2011, 17:44 Uhr:
son quatsch kann nur von nazis kommen.
 

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