Einschlägige Referenzen

Die FPÖ-Präsidentschaftskandidatin Barbara Rosenkranz ist gern gesehene Referentin in rechtsextremen Kreisen − sie muss sich auch die Bezeichnung „Kellernazi“ gefallen lassen.

Dienstag, 09. März 2010
Anton Maegerle

Anfang März hat die FPÖ die Kandidatur von Barbara Rosenkranz (Jg. 1958), einer Ikone der ultrarechten Szene in der Alpenrepublik, bei der Bundespräsidentenwahl bekannt gegeben. Rosenkranz wird am 25. April gegen Amtsinhaber Heinz Fischer kandidieren, der sich erneut bewirbt. Meinungsforscher trauen der zehnfachen Mutter, die seit Herbst 1989 FPÖ-Mitglied ist, mehr als 20 Prozent der Stimmen zu. FPÖ-Parteichef Heinz-Christian Strache rechnet gar mit 35 Prozent“.

Ihre politische Karriere startete Barbara Rosenkranz im Jahr 1993. Damals zog sie erstmals für die FPÖ in den niederösterreichischen Landtag ein. 2002 wechselte Rosenkranz vom Landtag in den Nationalrat. Seit 2003 ist sie niederösterreichische FPÖ-Landeschefin und seit April 2005 auch stellvertretende FPÖ-Bundesvorsitzende. Bei der Landtagswahl 2008 verdoppelte Rosenkranz als Spitzenkandidatin die Stimmen der FPÖ auf mehr als zehn Prozent und wurde dann als Landesrätin für Baurecht und Tierschutz in Niederösterreich gewählt. Das Amt ist vergleichbar mit dem einer Landesministerin in der Bundesrepublik Deutschland. Die rechtsextreme Monatszeitschrift „Die Aula“ kommentierte die Wahl von Rosenkranz mit den Worten: Nun haben „die heimattreuen Niederösterreicher endlich eine Stimme in der Landesregierung.“

„Irrlehre vom ‚geschlechtslosen Menschen’“

Seit Jahren hat sich Rosenkranz dem Kampf gegen Gender Mainstreaming, der Gleichstellung von Frauen und Männern, verschrieben. Sie ist Buchautorin von „MenschInnen. Gender Mainstreaming − Auf dem Weg zum geschlechtslosen Menschen“, das 2008 beim neurechten Ares-Verlag (Graz) erschienen ist. Das Buch gilt in rechtsextremen Kreisen als „eine klare und mutige Stellungnahme gegen die Irrlehre vom ‚geschlechtslosen Menschen’, indem es die Thesen des so genannten ‚Gender-Mainstreamings’ widerlegt.“

Solch lobende Worte fanden sich in der Einladung zum so genannten Lesertreffen des Verlagsimperiums „Lesen & Schenken“ des norddeutschen Rechtsextremisten Dietmar Munier und des „Schulvereins zur Förderung der Russlanddeutschen in Ostpreußen e.V.“, das Anfang April vergangenen Jahres im  bayerischen Pommersfelden stattfand. Rosenkiranz sprach laut Ankündigung bei dem Referatswochenende über das Thema „Gender-Mainstreaming? Mann und Frau statt MenschInnen?“.

Beinharte Linie in Sachen Zuwanderung

In einem Interview mit der Monatszeitschrift „Zuerst“ aus dem Hause Munier vertrat Rosenkranz die Auffassung, dass sich „die Vordenker und Protagonisten der Gendertheorie ... vor allem im marxistischen Lager“ fänden. In der „Jungen Freiheit“ behauptete sie, dass die Spitzenpolitiker Politiker Guido Westerwelle und Angela Merkel „eine Politik protegieren“ würden, die „strategisch auf eine quasi-totalitäre Umstürzung unserer gesellschaftlichen Verhältnisse und auf die Vernichtung von Mann und Frau abzielt − sprich von Adam und Eva, denn für das christliche Menschenbild ist die Existenz von Mann und Frau fundamental.“

Nach Berichten verschiedener österreichischer Medien soll die Trägerin des Großen Goldenen Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik Österreich kein Problem haben, erzkonservative Familienpolitik und eine beinharte Linie in Sachen Zuwanderung bedingungslos zu vertreten. Auch habe sie den Austritt von Österreich aus der Europäischen Union gefordert, für die Abschaffung des NS-Verbotsgesetzes plädiert und geäußert, dass Zweifel an Gaskammern während der NS-Diktatur zur „freien Meinungsäußerung“ gehörten.

Erwähnenswerte rechtsextreme Veranstaltung mit internationaler Beteiligung

Als Referentin stand Rosenkranz mehrfach den „Kärntner Kulturtagen“ zur Verfügung, die von der „Landesgruppe Kärnten“ des NS-apologetischen „Kulturwerkes Österreich“ ausgerichtet werden. Das österreichische Innenministerium zählt die „Kärntner Kulturtage“ zu den jährlich stattfindenden erwähnenswerten rechtsextremen Veranstaltungen mit internationaler Beteiligung. Einem Urteil des Europäischen Menschenrechtsgerichtes in Straßburg zufolge darf Rosenkranz als „Kellernazi“ bezeichnet werden.

Barbara Rosenkranz ist mit dem ehemaligen Aktivisten der wegen NS-Wiederbetätigung 1988 verbotenen NDP, Horst Jakob Rosenkranz, verheiratet. Der langjährige Vorsitzende der „Kritischen Demokraten“, einer „rechtsextremen Kleinpartei mit Bindegliedfunktion zwischen der Neonazi-Szene und der FPÖ“ (DÖW), war gemeinsam mit dem Neonazi Franz Radl und dem Holocaust-Leugner Gerd Honsik einer der Spitzenkandidaten der vom Verfassungsgerichtshof als neonazistisch eingestuften Liste „Nein zur Ausländerflut“. Die Adresse von Horst Jakob Rosenkranz fand sich auch auf der Adressenkartei der 1992 in der Bundesrepublik verbotenen Neonazitruppe „Nationalistische Front“.

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