von Oliver Cruzcampo
   

Eine Runde um den Block(iert)

Der Tag der „deutschen Arbeit“ lautet alljährlich das Motto für die Aufmärsche am 1. Mai. Für den NPD-Landesverband Mecklenburg-Vorpommern wurde es jedoch ein kurzer „Arbeitstag“, mehrere Blockaden zwangen die Rechtsextremen zu einem vorzeitigen Abbruch.

Die Polizei begleitete die rund 350 Neonazis vom Neubrandenburger Hauptbahnhof auf einer knapp drei Kilometer langen Strecke bis zum Treffpunkt in der Oststadt. Zu dem Zeitpunkt wusste allerdings noch niemand, dass damit bereits vor Beginn die längste Marschroute des Tages zurückgelegt wurde.

Kurz vor 12 Uhr sammelten sich die NPD-Anhänger in einer kleinen Seitenstraße neben einem Kaufland-Markt, um von dort aus ihre Strecke durch die Neubrandenburger Oststadt abzulaufen. Doch schnell wurde klar, dass ein rechtzeitiger Beginn schnell in weite Ferne rückte. Über 200 Gegendemonstranten konnten bis auf wenige Meter an die Demoroute gelangen – und blockierten diese umgehend.

Blockade, Blockade, Blockade

Später räumte die Polizei eine kleinere Sitzblockade und entschied sich, die NPD-Anhänger direkt am politischen Gegner vorbeizuleiten. Auf vergangenen Aktionen der rechtsextremen Szene fand diese umstrittene Vorgehensweise bereits mehrfach Anwendung und ging selten ohne Komplikationen vonstatten. Beide politischen Lager fühlten sich provoziert, es kam zu zahlreichen Unmutsbekundungen, kleinere Gegenstände flogen in den gegnerischen Block. Zu dem Zeitpunkt waren bereits über zwei Stunden vergangen.

Doch der Tag war wie selten zuvor von unzähligen kleineren Sitzblockaden geprägt, die die Neonazis immer wieder zum Stoppen zwangen. Die Polizeiführung suchte Alternativstrecken durch das Stadtviertel und so waren NPD-Landeschef Stefan Köster und seine Gefolgsleute nach rund 20 Minuten in Bewegung plötzlich erneut am Startpunkt angekommen.

Ein kleiner Linksschwenk in den Juri-Gagarin-Ring offenbarte allerdings nur wenige Sekunden später das nächste Dilemma. Erneut versperrte eine Sitzblockade das Weiterkommen. Die NPD entschied sich, die Wartezeit mit einer Kundgebung zu überbrücken – ursprünglich waren zwei weitere Zwischenstopps eingeplant.

„Nationale Wirtschaftsordnung“ für "deutsches Volk" gefordert

Der JN-Bundesvorsitzende Sebastian Richter, dessen Rhetorik deutlich an Udo Pastörs erinnert, durfte sich zuerst an das „Volk“ wenden. Inhaltlich arbeitete sich der ehemalige HDJ-Aktivist am Kapitalismus ab, forderte eine „nationale Wirtschaftsordnung“ und einem „Kampf dem lebensfeindlichen Bild des Kapitalismus und Kommunismus“. Applaus? Fehlanzeige!

Anschließend übernahm Udo Pastörs selbst, der sich in seiner Rede mit der Abwanderung aus Mecklenburg-Vorpommern auseinandersetzte. Für den NPD-Fraktionschef sei der 1. Mai ein „Kampftag“, um den „Volkserhalt“ sicherzustellen, würden „anständige Geburtenraten“ benötigt. Der 63-Jährige, der selbst nur Vater eines Kindes ist, ergänzte sein Programm durch die gebetsmühlenartige Kritik am „System“ und der Landesregierung. Weiter schimpfte er gegen den Ministerpräsidenten Erwin Sellering, der – nebenbei erwähnt – monatlich 15.000 Euro vom Steuerzahler bekomme. Dass Pastörs – nebenbei erwähnt – als Fraktionsvorsitzender einen monatlichen Anspruch von über 10.000 Euro nachweisen kann, lässt er seine Anhänger besser nicht wissen.

Norman Runge als Versammlungsleiter übernimmt schließlich das Mikrofon seines Vorredners und lässt seine Frustration deutlich durchklingen. Aufgrund der zahlreichen Blockaden werde der NPD-Trupp nicht weitermarschieren, der NPD-Funktionär erklärt die Demonstration für beendet. Zu dem Zeitpunkt war der Trupp keine 30 Minuten marschiert, es geht auf unter zwei Kilometern lediglich einmal um den Block.


Der Streckenverlauf der NPD, Foto: Screenshot

Nach dem 1. Mai im vergangenen Jahr in Rostock muss die hiesige NPD eine weitere Niederlage einstecken. Zwei Jahre in Folge musste die eigene Demonstration abgebrochen werden, da ein Vorankommen aufgrund von Blockaden nicht gelingen konnte.

Für die NPD ist die Lage klar: Die Rede ist von „massiven Rechtsbrüchen“ und „Willkür der Polizeiführung“, beim Bundesvorsitzenden Frank Franz schien die Hiobsbotschaft noch nicht angekommen zu sein. „Nach ersten Rückmeldungen waren alle Veranstaltungen erfolgreich“, schreibt Franz am späten Abend auf seiner Facebook-Seite.

Doch beim „Kampf um die Straße“ ging lediglich das Hinspiel verloren. Am 8. Mai will die rechtsextreme Szene unter Führung der NPD in Demmin aufmarschieren. Das Bündnis „Demmin nazifrei“ hofft nun aufgrund der Geschehnisse in Neubrandenburg auf zusätzlichen Zulauf für kommenden Freitag.

Kommentare(1)

Insider wissen mehr! Samstag, 02.Mai 2015, 23:05 Uhr:
Wenn das der „Firle-Franz“ wüßte!
 

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