Ein Kilometer für die NPD in Berlin

Am gestrigen Montag zog die NPD mit rund 70 Teilnehmern auf einer verkürzten Route durch Berlin-Prenzlauer Berg. Bereits am Freitag hatten sich Anhänger der rechtsextremen Partei in Berlin-Köpenick versammelt.

 

Dienstag, 02. Februar 2016
Theo Schneider

Es war der dritte Aufmarsch der NPD in Berlin unter dem Motto „Das Boot ist voll – Asylbetrüger abschieben“, den die Rechtsextremisten diesmal durch die Stadtteile Prenzlauer Berg und Weißensee durchführen wollten. Im November waren sie unter der gleichen flüchtlingsfeindlichen Losung bereits in Johannistal und Hellersdorf aufmarschiert. Ursprünglich sollte die Route am Montag vom S-Bahnhof Greifswalder Straße über den Antonplatz bis zum Bahnhof Prenzlauer Allee führen.

Um Blockaden von Nazigegnern zu erschweren, war öffentlich nur der Antonplatz als Auftaktort beworben worden. Dort fanden sich allerdings lediglich zehn Anhänger der rechtsextremen Partei ein. Offenkundig gelingt es der NPD in Berlin auch weiterhin nicht, über ihren eigenen Kreis hinaus Menschen zu mobilisieren. Am ausschließlich szeneintern beworbene Vorabtreffpunkt an der Greifswalder Straße trafen sich gestern Abend dann etwa 70 überwiegend einschlägig bekannte Neonazis aus Berlin und Brandenburg.

Journalisten beleidigt und bedroht

Da der Plan der Rechtsextremisten jedoch im Vorfeld publik geworden war, hatten sich im Umfeld des Bahnhofs auch hunderte Gegendemonstranten versammelt, während parallel um den Antonplatz rund 300 Menschen auf einer Gegendemo protestierten. Andere Personen blockierten sogar kurzzeitig die Strecke der NPD. Die Polizei handelte wegen der unruhigen Situation – zum Unmut der Neonazis und nach langer Diskussion – eine deutlich verkürzte Route mit dem Anmelder Christian Schmidt, dem Pankower NPD-Vorsitzenden, und dem Berliner Landeschef Sebastian Schmidtke, der ihm beratend zu Seite stand, aus. 

Auf direktem Wege mussten die Rechten die auf ein Kilometer reduzierte Strecke durch die Grellstraße ziehen. Trotz der Routenänderung gelangten immer wieder Gegendemonstranten in Sichtweite der Neonazis, die ihrerseits vielfach vermummt und mit Fahnenstöcken bewaffnet versuchten, Jagd auf Linke zu machen. Auch Journalisten waren durchgehend im Visier der Neonazis, wurden beleidigt und bedroht.

Der NPD-Aufzug kam zügig am Ende an, die Teilnehmer zeigten sich ob der kurzen Strecke verärgert und noch aggressiver. Sichtlich frustriert moderierte Schmidt zum Abschluss die Veranstaltung mit eindeutigen Drohungen ab, die als „ganz klare Kampfansage an den linken Pöbel“ gerichtet waren: Man freue sich „auf einen körperbetonten Wahlkampf“ und wolle „Haus für Haus, Straße für Straße“ zurückerobern.

NPD als Bürgerinitiative in Köpenick

Bereits am Freitag hatten sich Anhänger der NPD am Rathaus Köpenick getroffen, um gegen Flüchtlinge zu protestieren. Allerdings firmierte die Kundgebung als Versammlung von „Nein zum Heim in Köpenick“, einer vermeintlichen Bürgerinitiative auf Facebook, die gegen Asylsuchende im Bezirk hetzt. Hinter der Ansammlung steckte aber zumindest personell die NPD: Versammlungsleiterin war Nadine Leonhardt, die in der Vergangenheit immer wieder bei NPD-Aktionen auffiel und auch am Montag in einer Jacke der NPD-Berlin mitlief. Leonhardt hatte auch im Winter letzten Jahres die flüchtlingsfeindlichen Proteste gegen Asylunterkünfte im Köpenicker Allende-Viertel angemeldet.

Moderiert wurde die Kundgebung mit rund 40 Teilnehmenden vom Marzahn-Hellersdorfer NPD-Chef Andreas Käfer, der regelmäßig im Bezirk Treptow-Köpenick aktiv ist. Redebeiträge hielten die beiden NPD-Bezirksverordneten Fritz Liebenow und Sebastian Schmidtke. Auch die Ordner waren überwiegend Aktivisten der NPD. Diese Zusammenkunft findet seit Anfang des Jahres wöchentlich statt, allerdings ohne größere Resonanz. Zumindest am vergangenen Freitag protestierten jedoch rund 150 Menschen auf einer Kundgebung des „Bündnisses für Demokratie und Toleranz Treptow-Köpenick“ gegen die rechtsextreme Hetze.

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