Ein Bischof und der Holocaust

Regensburg – Die Staatsanwaltschaft Regensburg hat gegen Richard Williamson, Bischof der Priesterbruderschaft St. Pius X., erneut einen Strafbefehl wegen Volksverhetzung beantragt.

Montag, 23. Juli 2012
Anton Maegerle

Williamson hatte am Rande einer Priesterweihe der Piusbrüder in deren Priesterseminar Herz Jesu im oberpfälzischen Zaitzkofen im November 2008 einem schwedischen Fernsehsender ein Interview gegeben und darin die Existenz von Gaskammern während der NS-Zeit bestritten. Wörtlich führte er aus: „Ich denke, dass 200 000 bis 300 000 Juden in den Konzentrationslagern gestorben sind, aber nicht ein einziger in den Gaskammern.“

Vom Landgericht Regensburg wurde Williamson deshalb im April 2011 in zweiter Instanz wegen Volksverhetzung zu einer Geldstrafe von 6500 Euro verurteilt. Aus formaljuristischen Gründen hob das Oberlandesgericht Nürnberg das Urteil bei der Revisionsprüfung jedoch auf.

Propagandist von Verschwörungsmythen

Der Piusbruder Williamson, Interviewpartner des rechtsextremen Monatsmagazins „Zuerst!“, ist seit Jahrzehnten als Holocaust-Leugner und Propagandist von Verschwörungsmythen bekannt. Im April 1989 kam Williamson, während er eine Messe in der Kirche Notre-Dame de Lourdes im kanadischen Sherbrooke zelebrierte, auf Auschwitz zu sprechen und sagte: „Dort wurden keine Juden in den Gaskammern getötet!“ 1991 schrieb Williamson, Leser von antisemitischen Hetzschriften Ernst Zündels, in einem seiner monatlichen Rundbriefe, dass die „Holocaust-Gaskammern“ in Polen nicht als solche gedient hätten.

Am 19. Oktober 2008 nahm Williamson an einer Gartenparty des international bekannten Holocaust-Leugners David Irving in dessen Haus in Windsor teil. Irving brachte Williamson auch in Kontakt mit der Revisionistin Michele Renouf, die im Dezember 2006 an der holocaustleugnenden Konferenz in Teheran teilnahm.

Im Januar 2010 ließ sich Williamson von dem Franzosen Pierre Panet, der bei der Wahl zum Europäischen Parlament im Jahr zuvor für die antizionistische Liste von Dieudonne kandidiert hatte, interviewen. Williamson zog dabei die Rechtmäßigkeit der Gründung Israels in Zweifel: „Jedermann glaubt, dass dieser Staat legitim ist.“ „Aber“, so Williamson, „das führt nicht notwendigerweise dazu, dass er es ist“.

 

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