von Oliver Cruzcampo
   

Ehepaar aus Jamel erhält Zivilcourage-Preis – Kritik am Umgang der Behörden

Den Paul-Spiegel-Preis für Zivilcourage erhielt am gestrigen Donnerstag das Ehepaar Lohmeyer aus dem Neonazi-Dorf Jamel. Gleichzeitig rügte der Zentralrat der Juden das Verhalten der Behörden und fordert eine stärkere Intervention.

Mit der Auszeichnung wird das Engagement von Birgit und Horst Lohmeyer gegen Neonazi-Umtriebe in dem Dorf Jamel bei Wismar gewürdigt.

„Es ist jedoch ein Skandal, dass Sie das überhaupt aushalten müssen“, sagte Dieter Graumann, Präsident des Zentralrats für Juden gestern während der Preisübergabe in Schwerin und kritisierte damit das Verhalten der Behörden. Ein Staat müsse entschlossen intervenieren, wenn die Freiheit in Gefahr sei, führte Graumann weiter aus.

In den letzten Monaten berichteten unzählige, auch ausländische Medien, über das Neonazi-Dorf Jamel. Das Ehepaar begrüßte die damit einhergehenden Veränderungen. Allen Beteiligten sei seither klar geworden, dass sich nicht länger ignorieren ließe, was in dem Kreis im Bereich Rechtsextremismus passiere. Auch das Ehepaar richtet sich mit dieser indirekten Kritik an die Behörden – diese würden nun endlich „aktiv werden“.

So ließ das Verwaltungsgericht Schwerin kürzlich einen Wegweiser und Ortseingangsstein in der kleinen Gemeinde wegen der Gefahr der Volksverhetzung entfernen. Auf dem Findling befand sich ein Schild mit der Inschrift „frei - sozial – national“, der Wegweiser verwies unter anderem auf Braunau – den Geburtsort Hitlers.

Auch Ministerpräsident Erwin Sellering würdigte die Zivilcourage der Lohmeyers in seiner Laudatio auf die Preisträger im Schweriner Schloss. Beide hätten sich von der Neonazi-Szene in Jamel, ihrer Wahlheimat, nicht beeindrucken lassen. Der Preis sei „eine Anerkennung für den Mut“ und eine Ermutigung für alle, die sich gegen rechtsextremistische Umtriebe einsetzen würden, so Sellering.

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