von Oliver Cruzcampo
   

Ehemaliges NPD-Landesvorstandsmitglied tritt Haftstrafe an

Sven Krüger unterstützte die NPD M-V vielseitig, stellte ihr Räumlichkeiten zur Verfügung. Die NPD dankte es ihm mit einem Posten im Landesvorstand. Wegen gewerbsmäßiger Hehlerei sitzt der Bauunternehmer jetzt jedoch für vier Jahre ein. Über den steilen Aufstieg und tiefen Fall Sven Krügers.

Am gestrigen Donnerstag trat Sven Krüger seine Haftstrafe in der JVA Bützow an. Das Landgericht Schwerin hatte den 37-Jährigen wegen gewerbsmäßiger Hehlerei und illegalen Waffenbesitzes im August zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und drei Monaten verurteilt.

Anfangs sah es noch danach aus, als ob Krüger den Haftantritt noch einige Monate hinauszögern könnte. Am letzten Prozesstag hatte sein Verteidiger eine vorläufige Haftverschonung durchsetzen können, damit Krüger sich um seine Firma kümmern könne. Zudem legte der ehemalige NPD-Politiker Revision gegen das Urteil ein. Mit einem Ergebnis wäre erst nach einigen Monaten zu rechnen gewesen. Überraschenderweise ließ Krüger jedoch über seinen Verteidiger die eingelegte Revision wieder zurücknehmen, wie ein Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Schwerin gegenüber ENDSTATION RECHTS. bestätigte.

Die Staatsanwaltschaft hatte dem Abrissunternehmer aus Jamel in insgesamt 19 Fällen Hehlerei und Verstoß gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz vorgeworfen. Zwischen September 2008 und Januar 2011 soll er hochwertige Werkzeuge und Baumaschinen, die aus Straftaten stammen, in seinem Abrissunternehmen genutzt oder diese weiterverkauft haben. Krüger hatte direkt zu Prozessbeginn im Juli ein Geständnis abgelegt und zugegeben, gewusst zu haben, dass die Baumaschinen aus Straftaten stammen und auch, dass der Besitz der Waffen nicht rechtmäßig sei.

Auf der Internetplattform des NPD-Landtagsabgeordneten David Petereit veröffentlichte der bereits mehrfach Vorbestrafte jetzt eine Art Abschiedsbrief, in dem er die Geschehnisse der letzten Monate reflektiert. Er habt „Mist gebaut“, für den er sich jetzt auch verantworten müsse. „Was die Waffen betrifft, war ich schlampig und was das Werkzeug betrifft, war ich gleichgültig“, so Krüger.

Dann bedankt sich Krüger bei seiner Anhängerschaft: „Ich habe die Ehre und das große Glück, einer Gemeinschaft anzugehören, welche den Einzelnen nicht im Stich lässt, wenn er in Not gerät.“ Die NPD dürfte Krüger damit jedoch kaum gemeint haben. Die rechtsextreme Partei sagte sich von Krüger los, seit der 37-Jährige nach einer Razzia im Januar in U-Haft genommen wurde.

Die letzte Stellungnahme seitens der rechtsextremen Partei datiert auf Anfang Februar dieses Jahres. Damals war noch die Rede von einer „Diffamierungskampagne“ gegen Krüger. Zudem habe es nach der Festnahme des Neonazis eine „ungeahnte Welle der Solidarität“ gegeben, die sich in neun neuen NPD-Mitgliedschaften niederschlug. Eine skurrile Art, sich mit einem Mann solidarisch zu zeigen, der sich massiven Vorwürfen durch die Staatsanwaltschaft ausgesetzt sah und auch in der Vergangenheit bereits mehrfach in Haft saß. Würde jedes kriminelle NPD-Mitglied eine solche Solidaritätswelle auslösen, könnte sich der NPD-Landesverband über eine wahre Explosion der Mitgliederzahlen freuen.

Wenige Tage nach Krügers Festnahme verkündete die NPD, dass der Abrissunternehmer sein Amt im Landesvorstand bis zur Klärung der Vorwürfe ruhen lassen würde. Eine offizielle Rückgabe des Postens gab es jedoch bis heute nicht. Zudem hatte Krüger seit 2009 ein Mandat im Kreistag inne. Dieses legte er dann im Mai jedoch nieder, ein anderer NPD-Mann rückte nach.

Da die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern immer näher rückte, legte die NPD jedoch bewusst einen Mantel des Schweigens über die Causa Krüger. Dabei hat der Landesverband um Stefan Köster dem 37-Jährigen viel zu verdanken. Krüger eröffnete im vergangenen Jahr das Thinghaus in Grevesmühlen. Der Landesvorsitzende Stefan Köster und der Fraktionschef Udo Pastörs beherbergen dort seitdem ihre Wahlkreisbüros, auch die Post des Online-Portals des Landtagsabgeordneten David Petereit geht an diese Adresse.

Von wesentlich größerer Bedeutung ist jedoch die Nutzung des Thinghauses als landesweiter Neonazi-Treffpunkt. Mehrere Dutzend Veranstaltungen haben dort bereits stattgefunden, von internen NPD-Treffen, über Rechtsrock-Konzerte bis hin zu konspirativ organisierten Zusammenkünften der als gewaltbereit geltenden „Hammerskins“. Während die NPD-Bundespartei jedes Jahr aufs Neue händeringend nach geeigneten Veranstaltungsorten sucht, ist es dem Landesverband aus Mecklenburg-Vorpommern möglich, auf dem Grundstück von Sven Krüger jederzeit zu tagen.

Nun verschwindet Sven Krüger für mehrere Jahre von der Bildfläche, der Mann aus Jamel muss zum wiederholten Male eine Haftstrafe absitzen. „Freut euch nicht zu früh, mich bringen keine 10 Pferde mehr zurück zum System“, kündigt er in seiner letzten Stellungnahme an. Man darf gespannt sein, ob der 37-Jährige nach seiner Haftentlassung in einigen Jahren erneut rückfällig wird. Auch in der Vergangenheit brachten unzählige Verurteilungen durch das „System“ keine Einsicht.

Kommentare(12)

Wertkonservativer Freitag, 04.November 2011, 11:39 Uhr:
Nach Verbüßung der Haft bitte Abschiebung nach Albanien. Solche Menschen wollen wir in unserem Land nicht haben. :-)
 
b.c. Freitag, 04.November 2011, 12:28 Uhr:
nehmen wir dann im gegenzug straffaellige albaner? was haben denn die albaner verbrochen, derart gestraft zu werden?
 
Semilocon Freitag, 04.November 2011, 13:19 Uhr:
Lieber in die Sahara, da stört er keinen^^
 
knorke Freitag, 04.November 2011, 13:34 Uhr:
@Wertkonservativer
"Kriminelle Inländer raus" oder wie?
Ihr könnt ideen haben.
 
knorke Freitag, 04.November 2011, 18:48 Uhr:
Und nochmal @Wertkonservativer:
Ich halte stinkstiefel abschieben für genauso übel wie das was die Stinkstiefel sonst selbst so fordern. Also: Nichts gegen beißende Satire, aber hierbei zuckt mir nervös das Auge. und die Leute in Ostchina (mehr noch die in Zentral-, West-, und Nord-) haben auch so genug Probleme.

sorry für offtopic aber woher zur hölle kommt eigentlich das komische logo bei meinen comments? Ich hab nirgendwo was (wissentlich) eingestellt.
Kann mir jemand nen Tipp geben wie ich wieder langweiliger Teil der grauen anonymen Masse der Kommentatoren werden kann?
 
FlicFlac Samstag, 05.November 2011, 02:59 Uhr:
@ knorke (auch kurz off-topic)

Dabei steht Ihnen Ihr Logo doch wirklich un-heim-lich gut ... ;-)
 
flight93 Samstag, 05.November 2011, 10:18 Uhr:
Wohin mit Krüger ist die Frage aller Fragen,auch ich würde jetzt kein Ausländerfeind ins Ausland schicken.
Aber in Jamel sollte der "Pate von Jamel" auch nicht mehr hin.
Ab in ein irgendein Ort wo ihn niemand kennt und auch nicht kennen lernen will.Am besten bleibt Krüger wo er jetzt ist,in der Kiste.
 
FlicFlac Samstag, 05.November 2011, 13:33 Uhr:
Und? Wird die NPD sich darum bemühen, diesen Kriminellen endgültig vor die Tür setzen, wie es sich für eine vernünftige Partei gehören würde?

Aber ganz sicher nicht - wäre sie derartig konsequent gegen Kriminalität (wie sie immer behauptet), wieviele Mitglieder hätte sie dann überhaupt noch??

(Pardon, hatte ich vergessen: Kriminell sind ja - nach Ansicht der NPD - in der Regel nur "die Ausländer" ...)

Ich bin gespannt, wie weit es der Herr Krüger in dieser mit bekennenden Neonazis paktierenden Partei noch bringen wird, wenn er wieder aus der Haft entlassen wurde ...
 
Kurtchen Zech Samstag, 05.November 2011, 17:50 Uhr:
"Die rechtsextreme Partei sagte sich von Krüger los, seit der 37-Jährige nach einer Razzia im Januar in U-Haft genommen wurde."

Die Partei sagte sich los - ha ha ha :-D

... das hättet ihr wohl gerne, wie?
 
WW Samstag, 05.November 2011, 20:51 Uhr:
Also Kurtchen, nein sowas, nein...

"Jeder der ihn nicht nur durch´s I-net oder TV kennt, hat ihn furchtbar gerne"

Solche Annäherungen werden doch gemeinhin als "Verschwulung der Gesellschaft" beklagt, oder? Und jetz das, tse, tse...
Ab er lasst Euch nicht aufhalten, Spaß muss sein.
 
FlicFlac Samstag, 05.November 2011, 22:30 Uhr:
@ Kurtchen Zech

"Wer will denn schon eine "vernünftige" Partei sein??"

Die NPD ganz offensichtlich nicht ...

Und Sie gehören demnach zu den Leuten, die den "Sven" "nicht nur durch´s I-net oder TV" kennen und ihn daher "furchtbar gerne" haben?

Und die NPD mögen Sie auch?
 
flight93 Sonntag, 06.November 2011, 09:07 Uhr:
Ohcilein Kurtchen noch solch Utopist.
Krüger wird kein Fuß mehr auf den Boden bekommen,er ist erst mal ein paar Jährchen weg.
Auch aus Jamel wird es Wiederstand gegen die gegenwärtig ansässigen Nazis geben.
Ich wünsche der Familie Lohmeyer viel Erfolg in Bezug auf die Veranstaltung "Rock den Förster" Auch sollten sich die Anwohner in Jamel die keine Nazis sind,nicht mehr bedrohen und einschüchtern lassen und sich gegen die Nazis zusammen tun und gegen diese braune Horde vorgehen.
Dann wird es den Nazis auch in Jamel im wahrsten Sinnes zu "bunt" und räumen das Feld,mal sehen was dann aus den Waffenhändler Krüger wird.
 

Die Diskussion wurde geschlossen