Ehemaliges NPD-Landesvorstandsmitglied tritt Haftstrafe an
Am gestrigen Donnerstag trat Sven Krüger seine Haftstrafe in der JVA Bützow an. Das Landgericht Schwerin hatte den 37-Jährigen wegen gewerbsmäßiger Hehlerei und illegalen Waffenbesitzes im August zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und drei Monaten verurteilt.
Anfangs sah es noch danach aus, als ob Krüger den Haftantritt noch einige Monate hinauszögern könnte. Am letzten Prozesstag hatte sein Verteidiger eine vorläufige Haftverschonung durchsetzen können, damit Krüger sich um seine Firma kümmern könne. Zudem legte der ehemalige NPD-Politiker Revision gegen das Urteil ein. Mit einem Ergebnis wäre erst nach einigen Monaten zu rechnen gewesen. Überraschenderweise ließ Krüger jedoch über seinen Verteidiger die eingelegte Revision wieder zurücknehmen, wie ein Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Schwerin gegenüber ENDSTATION RECHTS. bestätigte.
Die Staatsanwaltschaft hatte dem Abrissunternehmer aus Jamel in insgesamt 19 Fällen Hehlerei und Verstoß gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz vorgeworfen. Zwischen September 2008 und Januar 2011 soll er hochwertige Werkzeuge und Baumaschinen, die aus Straftaten stammen, in seinem Abrissunternehmen genutzt oder diese weiterverkauft haben. Krüger hatte direkt zu Prozessbeginn im Juli
ein Geständnis abgelegt und zugegeben, gewusst zu haben, dass die Baumaschinen aus Straftaten stammen und auch, dass der Besitz der Waffen nicht rechtmäßig sei.
Auf der Internetplattform des NPD-Landtagsabgeordneten David Petereit veröffentlichte der bereits mehrfach Vorbestrafte jetzt eine Art Abschiedsbrief, in dem er die Geschehnisse der letzten Monate reflektiert. Er habt „Mist gebaut“, für den er sich jetzt auch verantworten müsse. „Was die Waffen betrifft, war ich schlampig und was das Werkzeug betrifft, war ich gleichgültig“, so Krüger.
Dann bedankt sich Krüger bei seiner Anhängerschaft: „Ich habe die Ehre und das große Glück, einer Gemeinschaft anzugehören, welche den Einzelnen nicht im Stich lässt, wenn er in Not gerät.“ Die NPD dürfte Krüger damit jedoch kaum gemeint haben. Die rechtsextreme Partei sagte sich von Krüger los, seit der 37-Jährige nach einer Razzia im Januar in U-Haft genommen wurde.
Die letzte Stellungnahme seitens der rechtsextremen Partei datiert auf Anfang Februar dieses Jahres. Damals war noch die Rede von einer „Diffamierungskampagne“ gegen Krüger. Zudem habe es nach der Festnahme des Neonazis eine „ungeahnte Welle der Solidarität“ gegeben, die sich in neun neuen NPD-Mitgliedschaften niederschlug. Eine skurrile Art, sich mit einem Mann solidarisch zu zeigen, der sich massiven Vorwürfen durch die Staatsanwaltschaft ausgesetzt sah und auch in der Vergangenheit bereits mehrfach in Haft saß. Würde jedes kriminelle NPD-Mitglied eine solche Solidaritätswelle auslösen, könnte sich der NPD-Landesverband über eine wahre Explosion der Mitgliederzahlen freuen.
Wenige Tage nach Krügers Festnahme verkündete die NPD, dass der Abrissunternehmer sein Amt im Landesvorstand bis zur Klärung der Vorwürfe ruhen lassen würde. Eine offizielle Rückgabe des Postens gab es jedoch bis heute nicht. Zudem hatte Krüger seit 2009 ein Mandat im Kreistag inne. Dieses legte er dann im Mai jedoch nieder, ein anderer NPD-Mann rückte nach.
Da die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern immer näher rückte, legte die NPD jedoch bewusst einen Mantel des Schweigens über die Causa Krüger. Dabei hat der Landesverband um Stefan Köster dem 37-Jährigen viel zu verdanken. Krüger
eröffnete im vergangenen Jahr das Thinghaus in Grevesmühlen. Der Landesvorsitzende Stefan Köster und der Fraktionschef Udo Pastörs beherbergen dort seitdem ihre Wahlkreisbüros, auch die Post des Online-Portals des Landtagsabgeordneten David Petereit geht an diese Adresse.
Von wesentlich größerer Bedeutung ist jedoch die Nutzung des Thinghauses als landesweiter Neonazi-Treffpunkt. Mehrere Dutzend Veranstaltungen haben dort bereits stattgefunden, von internen NPD-Treffen, über Rechtsrock-Konzerte bis hin zu konspirativ organisierten Zusammenkünften der als gewaltbereit geltenden „Hammerskins“. Während die NPD-Bundespartei jedes Jahr aufs Neue händeringend nach geeigneten Veranstaltungsorten sucht, ist es dem Landesverband aus Mecklenburg-Vorpommern möglich, auf dem Grundstück von Sven Krüger jederzeit zu tagen.
Nun verschwindet Sven Krüger für mehrere Jahre von der Bildfläche, der Mann aus Jamel muss zum wiederholten Male eine Haftstrafe absitzen. „Freut euch nicht zu früh, mich bringen keine 10 Pferde mehr zurück zum System“, kündigt er in seiner letzten Stellungnahme an. Man darf gespannt sein, ob der 37-Jährige nach seiner Haftentlassung in einigen Jahren erneut rückfällig wird. Auch in der Vergangenheit brachten unzählige Verurteilungen durch das „System“ keine Einsicht.