Ehemaliger KKK-Chef jetzt im hohen Norden

Der in Baden-Württemberg in eine mutmaßliche Verfassungsschutzaffäre verwickelte Achim S. ist von Journalisten in Schleswig-Holstein aufgespürt worden.

Montag, 22. Oktober 2012
Horst Freires

Achim S. kommt ursprünglich aus Schwäbisch-Hall in Baden-Württemberg mit Stationen in Konstanz und Heilbronn. Der heute 37-Jährige wurde vor zehn Jahren offenbar von einem Mitarbeiter des Verfassungsschutzes über eine Polizeiaktion gegen ihn unterrichtet. Der Informant wurde daraufhin strafversetzt. S. war als kein unbeschriebenes Blatt in der rechten Szene offenbar selbst als V-Mann tätig. Er trat bei NPD-Veranstaltungen auf, war Liedermacher mit einschlägigem Liedgut und agierte als Sänger im Rechtsrock-Bereich. (bnr.de berichtete) Vor zwölf Jahren initiierte er einen Ableger des aus den USA stammenden rassistischen KuKluxKlan-Zirkels unter dem Namen „European White Knights of the Ku Klux Klan“.

Schon seit geraumer Zeit betreibt Achim S. offenbar Geschäfte aus der schleswig-holsteinischen Gemeinde Boostedt (Kreis Segeberg) heraus, operierte dabei aber auch mit anderen Adressen aus dem nördlichsten Bundesland, unter anderem in Neumünster. Auffällig bleiben häufige Adresswechsel und ständig andere Firmennamen, so dass man geneigt ist, dahinter Methode zu vermuten. Er gab sich zuletzt unter anderem als Personaldienstleister im Bereich Speditions- und Lagerlogistik sowie im Einzelhandel aus, suchte aber auch schon mal Franchise-Partner. Bei seinen aufgeführten Firmen waren seine persönliche Erreichbarkeit, Geschäftsräume und angegebene Faxnummern oft aufgeteilt in unterschiedliche Orte.

Auf dem Markt als „The Mississippian“

Mit rechtsextremem Gedankengut will Achim S. nach eigenen Angaben abgeschlossen haben. Er mache zwar noch Musik, doch hauptsächlich hat er sich in den vergangenen Jahren als Country-Sänger, Produzent und Diskjockey mit dem Spitznamen „The Mississippian“ vermarktet. Dazu zählte dann auch ein eigenes Plattenlabel. Der zeitweise bis zu 20 Mitglieder zählende und äußerst konspirativ operierende Klan unter S.s Leitung existiert nicht mehr. Da auch zwei Polizeibeamte aus Baden-Württemberg beim deutschen KKK-Ableger aktiv waren und einer davon der Gruppenführer der mutmaßlich vom NSU-Trio getöteten Polizistin in Heilbronn war, sind nun Spekulationen aufgetaucht, wer womöglich noch welches brisante Geheimnis mit sich herumträgt?

Ex-Ehefrau Yvonne S. lebt weiterhin in Schwäbisch-Hall. Sie ist offenbar noch im Kontakt mit der rechten Szene. Sie ist seit vergangenem Sommer laut standesamtlichen Nachrichten mit Holger F. verheiratet, der auch auf der Ende vergangenen Jahres online gehackten Kundenliste vom rechtsextremen sächsischen Odin-Versand auftaucht, der sich selbst als „nationales Versandhaus“ bezeichnet. Der Versand betreibt zudem unter der Regie von Martin Hering seit Jahresbeginn in Bad Schandau einen eigenen Laden namens „Nordic Flame“.

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