Durchhalteparolen

Ein Jubel-Band über die Geschichte des „Freikorps Oberland“ ist neu aufgelegt worden. Ein Bündnis fordert weiterhin, dass in Schliersee eine Gedenktafel entfernt wird.

Freitag, 30. November 2012
Magnus Bosch

„Oberland hat bisher jede Krise, die den Bestand der Kameradschaft bedrohte, abgewehrt – so wird es auch in Zukunft bleiben.“ Derartige Durchhalteparolen verbreitet Peter Schuster in der Neuauflage des von ihm herausgegebenen Bild- und Textbands „Für das stolze Edelweiß“. Darin wird das „Freikorps Oberland“ verherrlicht.

Mit „Krise“ meint Schuster offensichtlich die Proteste, die vor ein paar Jahren gegen die Annaberg-Gedenkfeier im oberbayerischen Schliersee laut wurden. Die rechtsextreme „Kameradschaft Freikorps- und Bund Oberland“ ließ dort über Jahre unbehelligt ihre 1921 in Oberschlesien gefallenen Kämpfer hochleben. Mit dabei: Schlesier und einzelne Personen aus unterschiedlichen extrem rechten Organisationen.

„Stahlhelm“ platziert Kranz an der Kapelle

Schuster behauptet in dem erwähnten Band, dass die Kameradschaft „von Parteipolitik und Glaubensbekenntnissen immer unabhängig gewesen“ sei, „obwohl gewisse Personen und Organisationen versuchen, in diffamierender Art und Weise der Öffentlichkeit dies anders darzustellen, um Stimmung gegen Oberland erzeugen zu können“. Parteipolitisch unabhängig? Mag sein. Allerdings wird im internen Mitteilungsblatt „Der Oberländer“ schon mal eine NPD-Erklärung abgedruckt.

Um das Gedenken an der Weinbergkapelle in Schliersee ist es zwar ruhiger geworden. Doch die entsprechende Klientel taucht dort immer noch auf. In diesem Jahr war es nach Angaben der Lokalpresse wohl so, dass die Sympathisanten an verschiedenen Tagen einzeln zur Kapelle gingen und Kränze niederlegten. Laut dem Bündnis gegen rechtsextreme Umtriebe im Oberland wurde wie schon im Jahr zuvor ein Kranz des „Stahlhelm – Bund der Frontsoldaten“ an der Kapelle platziert.

„Exponierter Träger dieses Gedankenguts“

Die Kameradschaft könne sich nicht damit herausreden, „nicht für ihre Gäste aus dem neonazistischen Spektrum bei den Annaberg-Gedenkfeiern verantwortlich zu sein. Sie ist vielmehr selbst damals wie heute exponierter Träger dieses Gedankenguts“, heißt es in einer Broschüre, die das Bündnis gemeinsam mit dem Jugendbildungszentrum der IG Metall am Schliersee herausgab. Das Bündnis fordert seit Jahren, dass eine an der Kapelle angebrachte Gedenktafel entfernt wird.

„Für das stolze Edelweiß“ ist im Heilbronner LK Medien Vertrieb erschienen. Als Inhaber firmiert Uwe Kaeppler aus Neckarwestheim. LK zählt zu den Verlagen, die sich in letzter Zeit der Wiederveröffentlichung seltener Freikorpsliteratur widmen. So ist dort das Büchlein „Freikorps greift an!“ des Oberland-Kämpfers Karl-Günther Heimsoth neu erschienen. Zudem brachte der Verlag den Nachdruck „Freikorps Oberland greift an!“ heraus. Hier „hätte man allerdings auch gerne ein paar Euro mehr investiert, um dafür eine weniger lieblose Version über den Einsatz des Freikorps Oberland in Oberschlesien 1921 in den Händen zu halten“, mokierte sich die rechtslastige Wochenzeitung „Junge Freiheit“ darüber.

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