Dubiose rechte Aktivistin ruft zum „Sturm“

Berlin - Der Aufruf, das Reichstagsgebäude am Samstag zu besetzen oder zu stürmen kam von einer „Reichsbürgerin“ und Heilpraktikerin, die 2019 im Raum Aachen aktiv war.

Montag, 31. August 2020
Redaktion

Nach bnr.de-Recherchen sagte Tamara K. am Samstag bei der Kundgebung von „Reichsbürgern“ und Rechtsextremen vor dem Bundestag, heute werde man „Weltgeschichte“ schreiben. Sie wies fälschlicherweise darauf hin, dass US-Präsident Donald Trump in Berlin sei und die US-Botschaft deswegen abgeriegelt sei. „Wir haben fast gewonnen!“, rief sie und verlangte „hier und jetzt unser Haus zurück“. Gemeint war damit der „Reichstag“. Sie forderte ferner mit sich überschlagender Stimme dazu auf, die Treppe des Reichstags zu stürmen und zu besetzen, um Trump zu zeigen, dass man den „Weltfrieden“ will und „die Schnauze voll“ habe von der aktuellen Politik in Deutschland.

Daraufhin stürmten hunderte Rechtsextreme und „Reichsbürger“ zum Bundestag, es kam zu tumultartigen Szenen und die Polizei musste Pfefferspray und Schlagstöcke einsetzen um der Lage Herr zu werden. Bilder von Rechtsextremen und „Reichsbürgern“ unmittelbar vor dem Reichstagsgebäude sorgten für Empörung und Schlagzeilen. Teile der rechten Szene bejubelten die Aktion, andere verbreiteten sehr rasch, dass die Rednerin offenbar eine Provokateurin der Antifa oder des „tiefen Staates“ gewesen sei, um die Kundgebung am Rande der Proteste gegen die Corona-Schutzmaßnahmen zu diskreditierten. Anlass für diese Verschwörungsmythen war das „linke“ Aussehen der Rednerin.

Tamara K. war 2019 die Anmelderin der rechten bis rechtsextremen „Gelbwesten“-Proteste in Aachen gegen die Unterzeichnung des „Vertrags von Aachen“ durch Bundeskanzlerin Angela Merkel und den französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron. (bnr.de berichtete) K. praktizierte zu dem Zeitpunkt in Roetgen in der Voreifel als Heilpraktikerin. Durch ihr Aussehen erregte sie schon 2019 Aufsehen, da sie wegen ihrer Art sich zu kleiden und ihrer Dreadlocks-Frisur eher wie eine Frau aus dem linksalternativen bis linksautonomen Spektrum wirkte. Tatsächlich bewegte sie sich damals schon im Spektrum der Rechtsextremisten, Fremdenfeinde, AfD-Anhänger und „Reichsbürger“. Eine zweite von ihr angemeldete Versammlung in Aachen endete an Karneval 2019 als Debakel. (bnr.de berichtete) (mik)

Kategorien
Tags