von Anna Müller
   

Dritter Weg eröffnet „Bürgerbüro“ im sächsischen Vogtland

Am vergangenen Wochenende hat die rechtsextreme Splitterpartei der Dritte Weg ein Büro im sächsischen Plauen eröffnet. Es ist das erste der Partei und soll künftig als „Informationszentrum“ für Aktivisten dienen. Außerdem gehört das Betreiben eines „Bürgerbüros“ zur altbekannten Strategie, durch soziales Engagement neue Anhänger zu gewinnen.

Das neue Parteibüro der Partei Der Dritte Weg, Foto: Andre Schatz

Die rechtsextreme Partei der Dritte Weg, die als Auffangbecken für ehemalige Kader des 2014 verbotenen „Freies Netz Süd“ (FNS) und der Revolutionären Nationalen Jugend (RNJ) gilt, versuchte schon im vergangenen Jahr mit ausländerfeindlichen Propagandaaktionen in den Fokus der Öffentlichkeit zu gelangen.

Neonazis plötzlich „Asylkritiker“

In Sachsen konzentriert sich das Engagement der Partei vor allem auf das Vogtland. Dort waren Anhänger der Partei immer wieder mit Infoständen vertreten. Laut einer Mitteilung des sächsischen Verfassungsschutzes sei in der Region immer wieder zu beobachten gewesen, dass Aktivisten des Dritten Weges bei anderen als nichtextremistisch, aber „asylkritisch“ geltenden Organisationen auftauchten, um neue Anhänger zu gewinnen. So sei zum Beispiel Tony Gentsch, stellvertretender Vorsitzender des Gebietsverbandes Mitte, als Redner der Bürgerinitiative „Für unser Vogtland“ in Auerbach (Vogtlandkreis) und Nürnberg/Fürth aufgetreten. Nach einer Demonstration der Partei in Plauen im vergangenen Mai kam es zu massiven Ausschreitungen.

Zuletzt sorgte die Splitterpartei mit der Ankündigung einer sogenannten Bürgerstreife für Aufmerksamkeit. Sowohl in Bautzen als auch in Plauen habe man Anhänger in grünen Pullovern mit der Aufschrift „National-Revolutionär-Sozialistisch“ durch die Innenstädte beider Städte geschickt, „um den jüngsten Gewaltausbrüchen von Ausländern mit entsprechender Aufmerksamkeit zu begegnen“. Doch selbst die Polizei hatte von der Aktion keine Kenntnis – gut möglich, dass es sich dabei ausschließlich um eine Propagandaaktion handelte.

Laut Verfassungsschutz hat die im Jahr 2013 gegründete Partei in Sachsen nur etwa 40 Mitglieder und vier sogenannte Stützpunkte. Bundesweit habe sie ca. 300 Mitglieder.

Parteibüro als „Informationszentrum“ und Kümmererzentrale

Die neueste Aktion ist nun die Eröffnung eines Parteibüros im Plauener Stadtteil Haselbrunn. Der Stadtteil gilt als sozialer Brennpunkt und „rechte Erlebniswelt“. Es würden nicht nur zahlreiche Neonazis in dem Viertel wohnen. Neben zahlreichen Szenekneipen gebe es auch einen Sportverein, der viele Rechtsextreme beheimate.

Zweck des neuen Büros sei laut einer Mitteilung des Dritten Weges, „einen Anlaufpunkt zu schaffen, an dem sich Deutsche, die es noch sein wollen, zusammenfinden“ sollen. Zur Eröffnung am vergangenen Wochenende sei neben dem Stützpunktleiter Vogtland, Rico Döhler, auch der Parteivorsitzende Klaus Armstroff und der Gebietsverbandsleiter „Mitte“ und ehemaliger Führungskader des FNS, Matthias Fischer, anwesend gewesen. Auch Tony Gentsch durfte nicht fehlen.

Das Büro stelle Räumlichkeiten für Zusammenkünfte „nationaler und revolutionärer Kräfte“ und solle als „Informationszentrum“ fungieren. Die Partei wolle aber auch ein „Bürgerbüro“ einrichten, welches zwei Mal in der Woche geöffnet habe. Man wollte sich künftig mehr als Kümmerer inszenieren, heißt es weiter. So plane man eine wöchentlich stattfindende „Volksküche“, durch die Bedürftigen kostenlos ein Essen verschafft werden solle. 

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