„Drinnen wie draußen eine Front“: Ex-NPD-Landesvorstand Sven Krüger meldet sich nach Gefängnisaufenthalt zurück

Nach einem mehrjährigen Gefängnisaufenthalt betritt mit Sven Krüger ein ehemaliges NPD-Landesvorstandsmitglied wieder die politische Bühne. Das Landgericht Schwerin hatte 2011 den damals 37-Jährigen wegen gewerbsmäßiger Hehlerei und illegalen Waffenbesitzes zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und drei Monaten verurteilt. In einem kämpferisch formulierten Brief kündigt der einschlägig vorbestrafte Neonazi an, „sofort an die Arbeit“ gehen zu wollen.

Dienstag, 11. Februar 2014
Redaktion
Unbelehrbar: Sven Krüger (rechts, Foto: ENDSTATION RECHTS.)
Unbelehrbar: Sven Krüger (rechts, Foto: ENDSTATION RECHTS.)
Vier Jahre und drei Monate Gefängnis lautete das Urteil gegen Sven Krüger. Das Landgericht Schwerin sah es als erwiesen an, dass sich das NPD-Landesvorstandsmitglied der gewerbsmäßigen Hehlerei und des illegalen Waffenbesitzes schuldig gemacht hatte. Die Staatsanwaltschaft hatte dem Abrissunternehmer aus Jamel 19 Gesetzesverstöße zur Last gelegt: Zwischen September 2008 und Januar 2011 soll er hochwertige Werkzeuge und Baumaschinen, die aus Straftaten stammten, in seinem Unternehmen genutzt oder weiterverkauft haben. Außerdem hatten Spezialeinheiten der Polizei bei einer Razzia auf seinem Anwesen eine Maschinenpistole mit 200 Schuss Munition sichergestellt. Zu Prozessbeginn hatte der damals 37-Jährige ein umfassendes Geständnis abgelegt. Eine Revision gegen seine Verurteilung nahm er kurz darauf überraschend zurück, so dass sich Anfang November 2011 Schloss und Riegel der JVA Bützow hinter dem bulligen Neonazi schlossen. Von der Szene für die Szene
Hinter Gittern schwor der nach Einschätzung der Behörden als „Führungsperson der Hammerskins in Mecklenburg-Vorpommern“ agierende Krüger keinesfalls seiner bisherigen Weltanschauung ab. Im Gegenteil: Er gründete aus seiner Zelle heraus den „Veritas Verlag“, der zwei Hefte veröffentlichte, die sich mit den Biografien von SA-Mitgliedern beschäftigen. Verfasst wurden die Publikationen von NPD-Mitgliedern, für eine zeichnete der Fraktionsmitarbeiter Michael Grewe verantwortlich. 2007 wurde der frühere „Bonehead“ steckbrieflich gesucht, er hatte gemeinsam mit Gesinnungsgenossen auf Gegendemonstranten eingeprügelt. Das Rostocker Landgericht sprach Grewe wegen schweren Landfriedensbruchs und Körperverletzung schuldig und verurteilte ihn zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und fünf Monaten – ausgesetzt zur Bewährung. Die Szene unterstütze den mehr als ein Dutzend Mal strafrechtlich aktenkundig gewordenen Krüger nach Kräften. Neben Konzerten wurde eine „Soli-CD“ unter dem Titel „Jamel scheißt auf den Förster“ – eine Anspielung auf ein jährlich in der kleinen Gemeinde stattfindendes Anti-Rechts-Festival namens „Jamel rockt den Förster“ – auf den Markt gebracht, die Erlöse sollten an den inhaftierten „Kameraden“ fließen. Beteiligt an dem Projekt war auch der frühere Bandleader der als „kriminellen Vereinigung“ eingestuften Band „Landser“, Michael Regener, mit seiner neuen Kapelle „Die Lunikoff Verschwörung“. „Drinnen wie draußen sind wir eine Front“ Artig ließ Krüger seinen Unterstützen seinen Dank zukommen: „Ich möchte mich bei meinen Freunden, Kameraden und Brüdern bedanken, die mich nicht hängen lassen haben. Sie haben mich und meine Familie unterstützt, womit sie es mir leichter gemacht haben, so daß ich nicht verzweifeln mußte“ [sic!], schreibt der Neonazi in einem Brief, der gestern auf der von NPD-Landesvize David Petereit verantworteten Internetseite „MUPinfo“ veröffentlicht wurde. Das Schreiben hatte einen ganz konkreten Anlass: Nach Angaben von „MUPinfo“ hätten sich für Krüger „die Tore der JVA Bützow geöffnet“. Eine offizielle Bestätigung hierfür steht derzeit noch aus.  Im gleichen Atemzug kündigt der frühere NPD-Kreistagsabgeordnete an, der „Bewegung“ treu geblieben zu sein und treu zu bleiben. „Drinnen wie draußen sind wir eine Front, Ihr habt es bewiesen! Wenn man mal in den Dreck fällt, wie ich, dann ist das Wichtigste, nicht darin liegen zu bleiben, sondern sich wieder zu erheben und weiter zu kämpfen.“ Und weiter: „So komme ich ausgeruht, motiviert und von einigen Flausen befreit heute wieder unter Euch, zu den Männern und Frauen des Nationalen Widerstands. Und ich sage Euch, ich werde sogleich wieder anfangen, das zu tun, was ich am besten kann; ich werde sofort an meine Arbeit gehen.“ Mit kämpferischen Worten rechnet der 1974 in Wismar geborene Kader mit dem „System“ ab: „Denn es sieht nach all der Zeit keineswegs besser aus in unserer Heimat. Lüge, Hetze und Volksverrat stehen nach wie vor auf der Tagesordnung unserer scheinbar übermächtigen Gegner. Sie haben sich verbündet und eingenistet und man glaubt, sie seien nicht angreifbar. Doch das stimmt nicht, sie sind nur Verwalter eines verwesenden Apparates.“ Gleichzeitig schwört er die „Kameraden“ ein, bei der Stange zu bleiben: „Wir werden siegen, irgendwann einmal… Und ich lebe nur für diesen einen Tag!“ lautet seine Parole. Schnelle Erfolge seien vielleicht im Moment noch illusorisch, so der Ex-NPD-Landesvorstand weiter, „aber dennoch wird sich unsere Idee des nationalen Volksstaates langfristig durchsetzen“. Man sehe sich schon bald auf der nächsten Demonstration, der nächsten Veranstaltung oder einfach am Lagerfeuer. Zuletzt kann sich der Neonazi einen Seitenhieb auf engagierte Demokratinnen und Demokraten nicht verkneifen. Frei nach „Goethes Götz“ könnten sie „seinen »Ar*** lecken«!“. Krüger kann sich nicht verbiegen; er bleibt, was er ist: Der Mann fürs Grobe.
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