von Redaktion
   

Dortmunder Neonazis wollen auch „das Volk“ sein

Von der deutschlandweit verbreiteten fremdenfeindlichen Proteststimmung versucht mittlerweile auch die Neonazi-Partei Die Rechte nachhaltig zu profitieren. Für den 28. März kündigt die Gruppe um den Dortmunder Stadtrat Dennis Giemsch eine Demonstration in der nordrhein-westfälischen Stadt an. Um einen möglichst hohen Zuspruch zu erhalten, hat Die Rechte sich mit der „Lunikoff Verschwörung“ für das nach dem Aufmarsch folgende Konzert „prominente“ Verstärkung ins Boot geholt.

Anhänger Der Rechten auf einer Demonstration (Foto: ENDSTATION RECHTS., Archiv)

Bislang kam die islamfeindliche Pegida-„Bewegung“ in Nordrhein-Westfalen kaum auf die Beine. Zu ihren Aufmärschen, egal ob in Düsseldorf, Köln oder Duisburg, erschienen selten mehr als wenige Hundert „Spaziergänger“. Die Spaltung der Kölner Gruppe, die sich an der Rolle einer Führungsfigur entzündete, trug zusätzlich zur Schwäche bei. Anders als in Sachsen, wo sich vor allem in Dresden montäglich Menschen unterschiedlicher Schichten zusammenfinden, die eine diffuse rechte „Dagegen-Einstellung“ eint, sind die Protestkundgebungen in den meisten anderen Bundesländern eine Spielwiese extrem rechter Kräfte. In Mecklenburg-Vorpommern dominiert die NPD und die mit ihr eng verbundenen Freien Kameradschaften die Mvgida.

Kein Wunder, dass die Übernahme des weltberühmten Slogans „Wir sind das Volk“ durch Pegida und ihre Ableger nicht nur die Wirklichkeit verzerrt, sondern auch den Bürgerrechtlern von 1989 ein Dorn im Auge ist. Und genau jenes Motto schreibt sich auch die Splitterpartei Die Rechte für ihre Demonstration am 28. März in Dortmund auf die Fahnen. Deutschland erlebe „einen Winter des Widerstandes“, heißt es auf einer parteinahen Webseite. Die „Kameraden“ wollen offensichtlich nicht den Anschluss verpassen.

Breite Themenpalette und Konzert sollen Attraktivität erhöhen

Womöglich ist deshalb eine enge thematische Festlegung der Organisatoren nicht gewünscht; alle Gruppen, die nicht in das hasserfüllte Weltbild der Neonazis passen, bekommen ihr Fett weg. Der Verfasser wettert in seiner Meldung gegen den „Überwachungsstaat“ und „gegen das Volk gerichtete gleichgeschaltete Medien“ oder gegen eine „Politik des Sozialabbaus“. Außerdem nimmt Die Rechte, die aus den Überresten verbotener Neonazi-Kameradschaften hervorgegangen ist, „korrupte Politikeliten, denen es ausschließlich um ihr persönliches Wohl, nicht aber um das des Volkes“ gehe, aufs Korn. So weit, so bekannt.

Um noch den letzten Sympathisanten hinter dem Offen hervorzulocken – und wahrscheinlich auch, um über Eintrittsgelder die Kriegskasse zu füllen –, planen die Die Rechte-Kader um den Dortmunder Stadtrat und Landesvorsitzenden Dennis Giemsch im Anschluss an ihren Aufmarsch ein Konzert. Laut Ankündigung konnten sie hierfür mit „Der Lunikoff Verschwörung“, der neuen Band des wegen Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung vorbestraften Ex-„Landser“-Sängers, Michael Regener, ein zugkräftiges Szene-Urgestein verpflichten. Weitere Rechtsrock-Acts sollen folgen.  

Keine Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen