von Oliver Cruzcampo
   

AfD-Veranstaltungen schrumpfen zu Kleinstdemos

Nach insgesamt neun Demonstrationen beendete die AfD in Rostock gestern ihren Versammlungsmarathon. Regelmäßig wurde mit „Großdemos“ geworben, doch die Teilnehmerzahlen sinken seit Monaten – keine 200 Parteianhänger folgten zuletzt dem Aufruf.

„Komm, wir retten Rostock“ heißt es auf einem Transparent der AfD – seit März wird der Slogan durch verschiedene Stadtteile der Hansestadt getragen, so auch am gestrigen Abend. Diesmal hatte der Kreisverband der Alternative für Deutschland in die KTV mobilisiert, ein alternativ geprägtes Stadtviertel.

„9. große Demonstration – Blauhelmeinsatz gegen Migrationspakt und Meinungsdiktatur“, hieß es in den Aufrufen. Doch am Ende war die Versammlung der AfD weder groß, noch kam es zum Blauhelmeinsatz. Seit Monaten sind die Zahlen rückläufig. 700 Mitglieder und Sympathisanten der AfD versammelten sich im September, als Björn Höcke angekündigt wurde. Nach 300 und 220 Teilnehmern in den folgenden Monaten zog es am Mittwochabend nur noch 180 Personen zur Demo – ein Minusrekord. „Wir sind heute nicht wirklich viele,“ musste Organisator und Beisitzer im Kreisvorstand, Steffen Reinicke, leicht zerknirscht eingestehen.

Polizei untersagt Blauhelmeinsatz

Auch Gelbwesten konnten in Anspielung an die Proteste in Frankreich nicht verteilt werden. Zum Tragen von Blauhelmen kam es dann auch nicht, die Polizei hatte dies untersagt. AfD-Mann Reinicke wollte die Helme noch als Souvenir bewerben, doch die Polizei hatte diese der AfD offenbar vorsorglich abgenommen. Wie bereits beim Auftritt von Höcke versagte offenbar erneut die Anlage und der letzte Redner, Michael Stürzenberger“, musste sich per Megafon an die Teilnehmer richten.

AfD-Demo Rostock & Gegenproteste
Fotogalerie der gestrigen Demo in Rostock

Der aus Bayern angereiste Islamhasser warf vor allem mit Parolen und Phrasen um sich. „Der Wind wird sich drehen“, rief er den eigenen Anhängern entgegen, sprach von einem „beschissenen Kampf gegen rechts“ und verstieg sich zu der These, dass die Nationalsozialisten eine „linksextreme Bewegung“ gewesen sei. „Nazis raus“ skandierte er somit Richtung der Gegendemonstranten.

Die AfD-Gegner sind seit Monaten zahlenmäßig deutlich überlegen, bis zu 4.000 Personen sind in den letzten Monaten auf die Straße gegangen, am gestrigen Abend waren es laut Polizei 3.200 Teilnehmer. Etliche Anwohner hatten in den angrenzenden Straßen Transparente und Bettlaken mit deutlichen Botschaften aus den Fenstern gehängt und so ihren Unmut geäußert.

„Helden von Deutschland“

Bevor die AfD ihre weniger als einen Kilometer lange Route antrat, hielten Organisator Reinicke und André Poggenburg Reden. Poggenburg thematisierte vor allem über den Migrationspakt, der laut seiner Aussage irgendwann rechtlich verbindend würde. Eine Behauptung, für die der ehemalige Fraktionsvorsitzende keine Belege lieferte, eine These, die sich derzeit in rechten Kreisen rasant verbreitet. Reinicke diffamierte – wie bereits auf den letzten Veranstaltungen häufig geschehen – die Gegendemonstranten und richtete sich mit den letzten Worten an die eigene Anhängerschaft: „Helden von Deutschland, Helden von Europa, schließt euch uns an. (…) Wir sind das Volk.“

Weitere Demos hat die AfD bislang nicht angemeldet – und unterbricht damit wohl erstmals den Rhythmus von monatlichen Veranstaltungen in der Hansestadt. Doch bis zur Kommunalwahl im Mai wird wohl mit weiteren Anmeldungen zu rechnen sein. Landeschef Dennis Augustin schreibt, dass die AfD auch weiterhin „Druck auf der Straße“ machen möchte. Und auch wenn die kommenden Demonstrationen zahlenmäßig wohl weiter floppen werden, profitiert die Partei doch von den Berichten der ungeliebten Medien und der Öffentlichkeit, die ihnen dadurch zuteil wird.

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