von Storch Heinar
   

Die Storch-Heinar-Story - Storch Heinar und die Suche nach dem heiligen Ei

Zahlreiche Legenden ranken sich um meine Herkunft. Allen Legenden ist eines gemeinsam: Was die Familienverhältnisse in unserem heimischen Horst angeht, enthalten sie wenig Schmeichelhaftes.

Schmächtig und klein von Statur war ich schon in den ersten Tagen meines Lebens und ein sprichwörtlicher Spielball meiner Geschwister, die mich mit Vorliebe in hohem Bogen aus dem Nest warfen. Meine geliebte Mutter bemühte sich zwar, den gröbsten Unfug zu verhindern und Schaden von mir, ihrem geliebten Nesthäkchen, abzuwenden: Allerdings konnte selbst sie eine gewisse Abscheu vor den vielen artfremden schwarzen Federn, die aus meinem ohnehin sehr struppigen Gefieder hervorragten, nicht verbergen. Noch dazu hielt sich in der Nachbarschaft ein Gerücht, das der ganzen Familie schwer zu schaffen machte: Mein Vater sei kein echter Weißstorch, sondern das Ergebnis seiner Großmutter mit einem Aasgeier gewesen!

Die prägendste Erfahrung meiner Kindheit stellte allerdings meine Froschfleischallergie dar: Jedes Mal, wenn mir meine geliebte Mutter ein paar köstliche Schenkelchen einflößte, entfuhren meinen Därmen unter großen Schmerzen beträchtliche Mengen übelriechender, ätzender Gase. Ein Fakt, der meine Beliebtheit in Familie und Nachbarschaft nicht unbedingt steigerte und mich rasch zum Außenseiter werden ließ.

Die Frage »Kein Mampf oder mein Krampf?« beherrschte von da an mein Leben.

Scheitern und Neubeginn

Einzelgängerisch und nicht gerade hübsch war ich meiner Berufung dennoch sicher: Ich würde allen meine schöpferische Überlegenheit beweisen. Große Ideen erfüllten meinen Geist, ich fühlte mich zum Künstler berufen.

Doch an der Kunstakademie wurde ich mit meinen Entwürfen einer neuen Art der nationalen Sommersockeneinheitsmode eiskalt abgelehnt. Deprimiert wie nie zog ich mich an diesem Tag in meinen Horst zurück und schlief ein. Als ich erwachte, fand ich mich ganz allein in der Storchenkolonie. Was war geschehen? Bald dämmerte es mir: Es war der Abfahrtstag des großen Vogelzugs nach Afrika, Abfahrt um 19:33. Und jetzt war es schon 19:45! Voller Panik stürzte ich zum Bahnhof, doch dort herrschte gähnende Leere.

Die Division Storch Heinar

Nur drei einsame Gestalten standen in einer Ecke des Bahnsteigs. Ich freute mich, offenbar war ich nicht der einzige Zurückgebliebene!

Bei näherem Hinsehen erkannte ich den fetten Hermann, den lahmen Josef und den debilen Rudolf. Auch sie waren ratlos und einsam. Ich schlug ihnen vor, zunächst in die Bahnhofsgaststätte zu gehen. Dort leerten wir – allen voran der debile Rudolf – einen Becher Eierlikör nach dem nächsten. Dabei verloren wir uns immer mehr in Verzweiflung über unser Schicksal, insbesondere der fette Hermann, der eigentlich eine Schlankheitskur in Afrika machen wollte, weil er mittlerweile so fett war, dass er nirgendwo mehr passende Klamotten fand. Der lahme Josef hatte hingegen Probleme mit seinen Hosen, die an einem Bein ständig zu lang waren.

Da schoss es durch mein Hirn wie ein Blitz: Hier saßen Vögel, die meiner textilkünstlerischen Führung bedurften. Mit jedem weiteren Schluck Eierlikör wurde es mir klarer und schon bald erhob ich mich, sprang auf die Theke und verkündete meine Vision vom Weg zum textilen Endsieg: Die Gründung der Division Storch Heinar.

Nach einer Irrfahrt durch Europa ergab sich für die Division endlich die lang ersehnte Gelegenheit zum Durchbruch: Der berühmte Modedesigner Benito Storcholini hatte zu einem großen Wettstreit eingeladen, um für alle Zeiten zu klären, wer den Titel des »Größten Modezaren unter den Adebaren« führen dürfe. »Eilympia« sollte der Name des Wettkampfs sein. Meine Kameraden staunten nicht schlecht, als sie hörten, dass der entscheidende Wettkampf in Form eines Eierlaufs ausgetragen werden sollte.

Wir machten uns bereit. Doch als die Stimmung kurz vor dem Start auf dem Höhepunkt anlangte, war plötzlich mein Ei verschwunden! Welch riesige Schmach. Dabei hatte ich nur dieses eine Ei! Ich war also zur Kapitulation gezwungen. Doch ich schwor mir: Die Rache würde fürchterlich werden.

Krieg gegen Eierland

Der debile Rudolf hatte gehört, der Mi-5 aus Eierland stecke hinter dem schändlichen Verbrechen. Entsprechend machte ich die Division mobil. Ein furchtbarer Krieg begann, auf dessen Höhepunkt ich hoffte, durch den Einsatz ausgebuffter Wunderwaffen den Feind unter einem Teppich aus Eischnee zu begraben. Ich selbst überließ die niederen Aufgaben der Kriegsführung meinen Kameraden, um mich ganz der Erschaffung der schönsten Uniformenmode widmen zu können, die die Welt je gesehen hatte. Und um von meiner heimlichen Liebe, Eva Braunstorch, der Moderatorin der Storch-Tönenden-Wochenschau zu träumen...

Die letzten Tage

Ein schwerer Fehler. Denn der fette Hermann hatte sich nach anfänglichen Erfolgen bis zur völligen Bewegungsunfähigkeit überfressen, Josef hatte schon immer eine Schwäche für seichte Lyrik gehabt und schrieb seit Kriegsbeginn nur noch militaristische Balladen, Rudolf trank gigantische Mengen Eierlikör und war zu keiner Zeit mehr zurechnungsfähig.

Kurz vor der totalen Niederlage ersann ich einen teuflischen Plan: Ich kaufte ein Flugzeug und schickte den debilen Rudolf nach Eierland, um in einem Himmelfahrtskommando mein heiliges Ei zurückzuholen.

Doch Rudolf wurde gefangengenommen und starb kurze Zeit später. Ein für alle Fälle in seinem Nest hinterlegter Abschiedsbrief enthielt ein bestürzendes Geständnis: Rudolf war es gewesen, der mein Ei vor dem Wettkampf von Eilympia gestohlen und zu Eierlikör verarbeitet hatte. Der ganze Krieg war also völlig sinnlos gewesen!

Angesichts der drohenden totalen Niederlage blieb mir nur die Flucht. Ich begab mich auf geheimen Wegen und inkognito zu einer Reha-Maßnahme nach Neuschwabenland, die ich durch die Erlöse aus meiner neu eröffneten Internet-Boutique finanzierte...

Wir danken "horizonte" für die Abdruckgenehmigung. Die ganze Geschichte findet sich auf www.storchheinar.de.

Keine Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen