„Die Rechte“ statt NS-Kameradschaft

Hamm – Nach dem Verbot der lokalen Neonazi-Kameradschaft tritt nun Christian Worchs Partei „Die Rechte“ als Veranstalter einer Demonstration der Szene Anfang Oktober im westfälischen Hamm auf.

Montag, 10. September 2012
Redaktion

Bisher waren auf der bereits im Juni eigens für die Hammer Demonstration eingerichteten Internetseite „Freie Kräfte aus der Region“ als Veranstalter genannt worden. Inzwischen findet sich dort eine andere Angabe: „Veranstalter: Partei ,Die Rechte’“.


Anmelder ist nach Informationen von bnr.de nach wie vor Sascha Krolzig, der „Kopf“ der am 23. August vom NRW-Innenministerium unter anderem wegen ihrer „Wesensverwandtschaft zum Nationalsozialismus“ und ihrer Nähe zur SA verbotenen „Kameradschaft Hamm“. Auch das Motto der Demo bleibt laut Internetseite unverändert: „Für ein Europa der Vaterländer statt EU-Globalisierungswahn!“ Neu ist, dass Krolzig die Demonstration nunmehr für „Die Rechte“ und nicht mehr für „Freie Kräfte“ anmeldet. Aus der Liste der Redner verschwand zudem der Hinweis, dass Vertreter der „Kameradschaft Hamm“ und der „freien Kräfte aus Dortmund“ sprechen würden. Und: Als Versammlungsleiter wurde gegenüber der Polizei inzwischen der Parchimer Neonazi und „Die Rechte“-Vorsitzende Worch genannt.


Worch hatte eigentlich versucht, seine Ende Mai neu gegründete Partei etwa auf der Linie der aufgelösten DVU zu positionieren. „Die Partei ,Die Rechte' bekennt sich vollinhaltlich und ohne jeden Vorbehalt zur freiheitlichdemokratischen Grundordnung, wie sie im Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland verfasst ist“, heißt es gleich einleitend im Parteiprogramm. Und im Paragraphen 3 der Satzung wird den Mitgliedern abverlangt, dass sie das Grundgesetz anerkennen. Den politischen Standort der neuen Formation beschrieb Parteichef Worch selbst als „weniger radikal als die NPD“ und „radikaler als die REPs und die ,PRO-Bewegung’“.


Zweifel an dem Bekenntnis zu Demokratie und Grundgesetz waren rasch laut geworden. Stattdessen war die Frage aufgetaucht, welche Ziele Worch mit der Gründung seiner eigenen Partei tatsächlich verfolgt – über seine Neigung, der NPD schaden zu wollen, und über die vage Hoffnung auf eine Teilhabe an der Parteienfinanzierung hinaus. Die Demonstration in Hamm – falls sie nicht noch verboten wird – könnte einen Fingerzeig liefern: „Die Rechte“ als Label, unter dem Neonazis aus verbotenen Organisationen ihre Aktivitäten fortsetzen könnten. Der „Kameradschaft Hamm“ attestierte das NRW-Innenministerium in seiner Verbotsverfügung, sie verstehe sich als „als paramilitärische Organisation im politischen Kampf“. (ts)
 

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