von Oliver Cruzcampo
   

Die Rechte gründet erste Gliederung in M-V – und meldet Fackelmarsch an

Vor Kurzem wurde in Schwerin mit einem Kreisverband die erste Gruppierung der Neonazi-Partei Die Rechte in Mecklenburg-Vorpommern aus der Taufe gehoben. Starthilfe gab es dabei ausgerechnet von der NPD, die das Land bislang im Rechtsaußen-Spektrum dominiert. Für kommendes Wochenende mobilisiert die Splitterpartei nun zu einem Fackelmarsch in die Landeshauptstadt.

Die Vorsitzende Stefanie Karsten auf einer asylfeindlichen Demo in Schwerin

In wohl kaum einem anderen Bundesland wird die Parteienlandschaft rechts der CDU so deutlich von der NPD bestimmt wie in Mecklenburg-Vorpommern. Nur noch dort ist die Partei mit Fraktionschef Udo Pastörs im Landtag vertreten, seit Jahren kommt der Landesverband – im Vergleich zu vielen anderen Gliederungen – ohne größere Skandale und Rückschläge aus.

Anderen Parteien im Rechtsaußen-Spektrum wurde so ein Aufbau eigener Strukturen und der Zugewinn neuer Mitglieder deutlich erschwert, doch den widrigen Voraussetzungen zum Trotz hat die Splitterpartei Die Rechte in Schwerin vor wenigen Wochen einen Kreisverband gegründet.

Unterstützung von der NPD

Die neue Gliederung präsentiert sich lediglich auf einer eigenen Facebook-Seite, eine Website mit Kontaktdaten und weiteren Informationen sucht man bislang vergeblich. Dafür präsentiert sich die neue Kreisvorsitzende Stefanie Karsten gerne ausführlich auf Facebook. Auch die weiteren Vorstandsmitglieder werden dort erwähnt. Stellvertreter ist mit Fabian Bendig eine dem Kameradschaftsspektrum zuzuordnende Person. Schatzmeisterin ist Sandra Vick, Kassenprüferin Anja Witt, mit Mathias Rathsack und Martin Jobs werden zwei Beisitzer benannt.

Mit der bislang ersten Gliederung in Mecklenburg-Vorpommern dürfte es sich vor allem um einen Testballon handeln. Der Vorstand setzt sich aus überwiegend unbekannten Personen zusammen, die offenbar kaum Erfahrungen im politischen Bereich mitbringen. Selbst der Bundesvorsitzende Christian Worch, der nur im rund 50 Kilometer entfernten Parchim wohnt, hält sich bislang im Hintergrund.

Dafür kommt unerwartet Unterstützung von der NPD. Ende November sei der neugegründete Kreisverband „zu Gast in Lübtheen bei der NPD“ gewesen. Andreas Theißen, Mitarbeiter des Fraktionsvorsitzenden Udo Pastörs, hätte die Hobbypolitiker empfangen und Unterstützung angekündigt. „Zu einer gemeinsamen Arbeit“ werde es jedoch nicht kommen, schreibt Die Rechte. Während die beiden rechtsextremen Parteien in anderen Bundesländern durchaus in Konkurrenz zueinander stehen und sich dementsprechend gerieren, droht der hiesigen NPD kaum Gefahr. Die Rechte kann auf keinen Landesverband bauen, wird nicht zur Landtagswahl im Herbst 2016 antreten. Zudem sind die Nationaldemokraten in der Landeshauptstadt personell schwach besetzt, einem gemeinsamen Einsatz „für die Sache“ steht zum gegenwärtigen Zeitpunkt nichts im Wege.

Nach Hausdurchsuchung – Rechte übernimmt

Erst vor wenigen Tagen trat die neue Kreisvorsitzende als Rednerin auf einer Anti-Asyl-Kundgebung in Schwerin auf. „Wir sind das Volk und wir stellen uns gegen alles, was falsch ist: gegen die Presse, gegen die Regierung und linke Parasiten“, so die 30-Jährige. Maßgebliche initiiert wurden die Demonstrationen, auf denen auch schon der Islamhasser Michael Stürzenberger oder der Hamburger Hooligan Thorsten de Vries auftreten durften, häufig von den beiden Schwerinern David B. und Torsten S. Nachdem es in der vergangenen Woche jedoch Hausdurchsuchungen bei den Männern gab – den beiden Aktivisten wird vorgeworfen, einen Brandanschlag auf eine Asylunterkunft geplant zu haben – ziehen sich diese nun vorerst aus der Öffentlichkeit zurück. Eine für den kommenden Sonnabend von S. angemeldete Demonstration wurde zurückgezogen.

Nun kommt Die Rechte ins Spiel. Kreischefin Karsten hat zum selben Zeitpunkt eine Demo angemeldet. Um 17 Uhr sollen sich am Sonnabend bis zu 300 Teilnehmer mit Fackeln auf dem Dreesch einfinden. Auf der Strecke marschierten bereits Anfang Oktober Hunderte Asylgegner, auch der Hamburger NPD-Landesvorsitzende Thomas Wulff oder der Landeschef von Mecklenburg-Vorpommern, Stefan Köster, reihten sich ein.

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