„Die Rechte“ auf Tour

Rund 100 Neonazis haben am Samstag während einer „Kundgebungstour“ in Aachen, Mönchengladbach und Düsseldorf für die Freilassung inhaftierter „Kameraden“ demonstriert. Vier Teilnehmer besaßen einen Presseausweis.

Montag, 18. März 2013
Michael Klarmann

Organisiert hatte die Busreise die neonazistisch geprägte Partei „Die Rechte“ (DR). Obschon überwiegend militante Neonazis verbotener „Kameradschaften“ teilnahmen, die zum Teil heute der DR angehören, waren auch NPD-Kader unter den Teilnehmern. So fungierte Manfred Breidbach, stellvertretender Vorsitzender des NPD-Kreisverbandes Düsseldorf/Mettmann, als einer der Redner. Ebenso anwesend waren Nadine Braun, Chefin besagten Kreisverbandes, und Hans-Joachim Voß, Vorsitzender des NPD-Kreisverbandes Hamm/Unna. Beide gehören ebenso dem nordrhein-westfälischen Landesvorstand der NPD als Beisitzer an.

Dass es in Dortmund und seitens der Landesverbände beider Parteien erhebliche Differenzen wegen des Verdachts gibt, dass Neonazis aus dem Umfeld der DR Dortmunder NPD-Funktionäre drangsalieren und attackieren (bnr.de berichtete), schien dabei vergessen zu sein. In Mönchengladbach allerdings beobachteten der dortige NPD-Kreischef Christian Wintzen und zwei „Kameraden“ den Aufmarsch nur aus der Distanz.

„Freiheit für alle politischen Gefangenen“

Neonazis aus dem Rheinland, darunter auch ehemalige Mitglieder und Führungskader der verbotenen „Kameradschaft Aachener Land“ (KAL), nahmen mit einem Reisebus eines Unternehmens aus Jülich (Kreis Düren) an der Aktion teil. Neonazis aus dem Ruhrgebiet, darunter auch ehemalige Mitglieder und Führungskader der verbotenen „Kameradschaft Hamm“ und des „Nationalen Widerstandes Dortmund“ hatten den Bus eines Unternehmens aus Essen gechartert.

Die „Kundgebungstour“ begann am 16. März gegen Mittag in Aachen und stand unter dem Motto „Gegen die staatliche Verfolgung von Deutschen – Freiheit für alle politischen Gefangenen“ (bnr.de berichtete). Nach einem Stopp in Mönchengladbach endete die Aktion am Samstagabend in Düsseldorf, wo Teile der Neonazis nach ihrer Ankunft mit Gegendemonstranten aneinander gerieten. Die Polizei setzte Pfefferspray und Schlagstöcke ein, um Auseinandersetzungen zu verhindern. Die anvisierte Aufmarschstrecke verkürzte die Polizei daraufhin sehr stark, sie führte daher nicht wie geplant bis zum Landesinnenministerium.

Grußwort aus der „Gesinnungshaft“

Hauptanliegen war die Kritik an dem Prozess gegen „Kameraden“ des „Aktionsbüros Mittelrhein“ (ABM) in Koblenz. So verlas der Mitorganisator der „Kundgebungstour“, das ehemalige KAL-Mitglied André Plum (Aachen), ein Grußwort des Neonazis Sven Skoda, das dieser aus der Untersuchungshaft (Skoda: „Gesinnungshaft“) beigesteuert hatte. Plum ist heute Vorsitzender des DR-Kreisverbandes Aachen. NPD-Mann Breidbach wetterte gegen die „totale Meinungsdiktatur“ des „asozialen Systems“ (meint: Demokratie). „Politische Oppositionelle“ (also: Neonazis) würden vom Staat ebenso zu Unrecht kriminalisiert und verfolgt, wie Angehörige von Rocker-Banden und Fußball-Anhänger, befand Breidbach.

Der vor einem Jahr noch dem militanten linksextremen Spektrum angehörende Lukas B. (Wuppertal), unterdessen ein gewaltbereiter „Kamerad“, kritisierte als Redner auch einen Prozess in Wuppertal, bei dem kürzlich gewalttätige Neonazis zu Haftstrafen verurteilt worden waren (bnr.de berichtete). Ein weiterer Redner erinnerte unverhohlen Polizei und Justiz daran, sie unterstünden der jeweiligen Regierung und sollten sich vorsehen, falls es wieder zu einem Machtwechsel komme und die „Kameraden“ dann am Ruder seien. „Das ist keine Drohung, das ist ein Versprechen!“ drohte der Neonazi.

Für Irritationen unter Polizeibeamten sorgten die DR-Führungskader Sascha Krolzig (Hamm) und Michael Brück (Dortmund) sowie zwei weitere Neonazis, die unter anderem Gegendemonstranten abfotografierten und teilweise auch provozierten. Als Polizisten das Quartett in Aachen wieder in die neonazistische Kundgebung zurückdrängen wollten, wiesen sich alle vier mit regulären Presseausweisen aus und durften sich weiter zwischen den „Kameraden“, Polizeisperren und Gegnern bewegen. Krolzig ist DR-Chef in Hamm und gehört dem DR-Bundesvorstand an, Brück ist Mitglied im Landesvorstand NRW von „Die Rechte“.

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