von Oliver Cruzcampo
   

Die NPD ist auf den Hund gekommen

Neonazis missbrauchen Facebook seit Monaten massiv für Hetze gegen Flüchtlinge, es wird gefälscht, manipuliert, Halbwahrheiten werden verbreitet. Auch die NPD nutzt jede Gelegenheit, um Ressentiments weiter zu schüren. In einem aktuellen Fall berichten die Rechtsextremen von einem „Ausländerüberfall“, ein Hund sei „brutal abgeschlachtet“ worden. Die Vorgehensweise ist geschickt – eine Aufklärung des Falls unwahrscheinlich.

Screenshot der NPD-Meldung

Für gewöhnlich ist der Ablauf eines Vorfalls, der potenziell das Interesse der Öffentlichkeit wecken könnte bzw. eine gewisse Relevanz darstellt, in etwa folgender: Die Presse erfährt von dem Geschehen, holt Informationen ein, entscheidet, ob es zu einer Veröffentlichung kommt. Der Artikel wird dann auf der Website und/oder in einer Printausgabe publiziert, anschließend über vielfältige Kanäle weiterverbreitet.

In dem nachfolgenden Fall übernahm der Landesverband der NPD Mecklenburg-Vorpommern die Funktion der Medien – auf der Website der Rechtsextremen wurde am Dienstagnachmittag zuerst über den angeblichen „Ausländerüberfall“ berichtet. Vermutlich, da ja, wie Landeschef Stefan Köster und seine Mannen nicht müde werden zu betonen, die „Lügenpresse“ ohnehin nicht über Kriminalität von Menschen nicht-deutscher Herkunft berichten dürfte.

Am Montagabend sei es laut NPD in Stralsund unweit einer Asylbewerberunterkunft zu einem „Raubversuch“ von „drei dunkelhäutigen Ausländern“ an einem Deutschen gekommen. Dabei soll der Hund des mutmaßlichen Opfers „brutal abgeschlachtet“ worden sein, als er seinem Besitzer zu Hilfe kommen wollte. Natürlich lässt es sich die NPD nicht nehmen, „das Foto des übel zugerichteten Tieres“ dem Artikel beizufügen, man wollte „dieses erschreckende Beispiel von Migrantenkriminalität der Öffentlichkeit nicht vorenthalten.“


Einige Facebook-Reaktionen auf den NPD-Artikel, Foto: Screenshot NPD

Facebook als Multiplikator

Mittlerweile wurde der Beitrag auf Facebook über 1.000 Mal geteilt, so auch von der Bundes-NPD und etlichen weiteren Gliederungen. In der Tat wurde darüber vielerorts heftig diskutiert, die Polizei veröffentlichte knapp zwei Tage später schließlich eine Pressemitteilung zu diesem mutmaßlichen Übergriff. Der Mann habe eine Strafanzeige gestellt, der Inhalt wird darin wiedergegeben, die Polizei sucht Zeugen. Obwohl für den Fall eine möglichst genaue Beschreibung der Täter hilfreich wäre, ist dort nun plötzlich die Rede von einem Mann mit „hellem Teint“, von „drei dunkelhäutigen Ausländern“, wie es die NPD wissen will, ist nichts mehr zu lesen.

Auffällig ist zudem, dass der Mann erst am Tag nach dem vorgeblichen Übergriff zur Polizei ging und Strafanzeige stellte. Am Montagabend wurde offenbar kein Kontakt zu der Behörde aufgenommen. Auch sei der Hund an einem „unbekannten Ort“ begraben worden – der Besitzer wollte der Polizei die Begräbnisstätte nicht mitteilen. In einer Nachmeldung wurde mitgeteilt, dass der Hund zur Begutachtung nach Rostock geschickt würde. Wie eine Sprecherin gegenüber ENDSTATION RECHTS. mitteilte, erhoffe sich die Polizei davon neue Erkenntnisse zum Tathergang.

Auf Facebook veröffentlichte eine Frau mehrfach Kommentare unter dem Posting der NPD und gab sich als die Besitzerin des Hundes aus. Die Frau bekundet auf der Plattform offene Sympathien für die rechtsextreme Partei.


Die mutmaßliche Besitzerin des Hundes; Foto: Screenshot NPD

Auch drei Tage nach dem Vorfall gebe es laut Polizei „keine neuen Erkenntnisse zu den drei unbekannten Personen“. Der Umstand verwundert kaum – bereits in den Vergangenheit gab es ähnliche „Übergriffe“, eine Aufklärung fand fast nie statt. Gemein haben die Fälle: Verwickelt sind häufig Mitglieder oder Sympathisanten der rechtsextremen Szene, Asylbewerber sind gerne die Täter. Da die Strafanzeigen gegen Unbekannt gestellt werden, haben die angeblichen Opfer keine direkten rechtlichen Konsequenzen zu befürchten. Und die Urheber der „Nachrichten“ haben ihr Ziel erreicht: Der Hass gegenüber allen Fremden wurde erfolgreich weiter geschürt.

Kommentare(10)

Roichi Donnerstag, 19.November 2015, 22:34 Uhr:
Immerhin scheint das Bild nicht irgendwo geklaut und einfach neu verwendet worden zu sein.
Ist ja schonmal ein Fortschritt in den Lügen der Kamerraden.
 
Don Geraldo Freitag, 20.November 2015, 10:09 Uhr:
Das was die NPD da verbreitet könnte ja auch stimmen.
Ich als Medienkonsument kann das so wenig überprüfen wie die Schlagzeile der Bild-Zeitung oder den Aufmacher der Tagesschau.

Letztlich wird hier bejammert, das nicht mehr die Medien entscheiden, welche Meldung an die Öffentlichkeit kommt. Heutzutage kann jeder die Öffentlichkeit erreichen bzw. Öffentlichkeit herstellen, und das ist auch gut so !
 
Roichi Freitag, 20.November 2015, 22:35 Uhr:
@ Don

Deshalb kann aber auch jeder heutzutage verbreiten, was er möchte. Lügen, Propaganda, Blödsinn und alles zusammen.
So wie die Kamerraden es gerne machen und dann jedesmal auffliegen.
Nur wird das dann nicht mehr in rechten Kreisen wahrgenommen. Da reicht der Lügenartikel der Kamerraden völlig aus, bestätigt er doch das eigene Weltbild. Kritisches hinterfragen, wozu? Man ist doch "Kritiker" und "informiert" und alles Gegenteilige "Lügenpresse".
 
Erik Samstag, 21.November 2015, 13:03 Uhr:
@ Roichi

"Deshalb kann aber auch jeder heutzutage verbreiten, was er möchte. Lügen, Propaganda, Blödsinn und alles zusammen."

Ja, genauso wie du und deine Genossen.
 
Martin Montag, 23.November 2015, 11:36 Uhr:
Ich sage nur Erkenntnistheorie. Seit tausenden Jahren beschäftigt sich die Philosophie damit, was man eigentlich sicher wissen kann.

Letztlich wird es in unserer Welt immer unmöglicher, den Wahrheitsgehalt von Nachrichten selbst zu überprüfen.

Und selbst wenn eine Autorität oder eine weit verbreitete Schrift einen Sachverhalt behauptet, ist es keinesfalls bewiesen, dass es auch stimmt. Je glaubwürdiger ein Medium ist, desto gewinnbringender ist es, dieses unter Kontrolle zu bringen.

Selbst redliche wissenschaftliche Forschung kann nur Aussagen mit einer gewissen Unsicherheit treffen und sich immer auch irren.

Im Hinblick auf Medien empfehle ich, den Vortrag des Psychologen Mausfeld: Warum schweigen die Lämmer - Methoden des Empörungs- und Meinungsmanagements auf YT.

Es gibt einige gebräuchliche Manipulationstechniken aus den Handbüchern der CIA und des MI5:

1. Der Einzelfall, der keiner ist, aber so dargestellt wird.
2. Das Weglassen des Kontextes einer Handlung.
3. Das Darstellen eines falschen Kontextes einer Handlung.
4. Falsches Darstellen der eigentlichen Handlung.

Am Ende muss man sich entscheiden, welchen Wahrheiten man Glauben schenkt. Und insofern unterscheiden sich Weltanschauungen und Ideologien auch nicht grundsätzlich von Religionen.

Und daher kann man mit sachlichen Argumenten gegen eine Weltanschauung auch wenig bis nichts ausrichten. Man kann sich aber dafür sensibilisieren, offensichtliche Manipulationen zu erkennen.
 
Roichi Montag, 23.November 2015, 15:06 Uhr:
@ Erik

Mal wieder hilft Lesen. So jedenfalls wird das nichts mit den Behauptungen der Kamerraden.
Aber danke für die Bestätigung.
 
Roichi Montag, 23.November 2015, 15:06 Uhr:
@ Martin

"Letztlich wird es in unserer Welt immer unmöglicher, den Wahrheitsgehalt von Nachrichten selbst zu überprüfen."

Falsch. Es erfordert nur etwas Intelligenz.

"Selbst redliche wissenschaftliche Forschung kann nur Aussagen mit einer gewissen Unsicherheit treffen und sich immer auch irren."

Du hast offensichtlich nicht verstanden, was Wissenschaft ist.
Es geht um Erkenntnis, nicht um Wahrheit. Ist ja schließlich keine Religion oder Ersatzreligion.

"Es gibt einige gebräuchliche Manipulationstechniken aus den Handbüchern der CIA und des MI5:"

Kommen jetzt die Methoden der Kamerraden zur Sprache?
Nicht, dass du die noch tiefer als sonst reinreitest.

"Am Ende muss man sich entscheiden, welchen Wahrheiten man Glauben schenkt. Und insofern unterscheiden sich Weltanschauungen und Ideologien auch nicht grundsätzlich von Religionen."

Besser ist da immernoch eine intelligente Auseinandersetzung und Prüfung der Inhalte.
Da kommt die Ideologie schlecht weg, die Erkenntnis aber sehr gut.
Dazu bedarf es nur einer gewissen Bildung und Intelligenz.

"Und daher kann man mit sachlichen Argumenten gegen eine Weltanschauung auch wenig bis nichts ausrichten."

Tja. Es geht schon. Man kann so lange Zweifel schüren, bis dieser die Ideologie durchbricht.
Mit Fakten, mit Argumenten und mit stringenter Argumentation. Damit kann man jede Ideologie durchbrechen.
 
Martin Dienstag, 24.November 2015, 10:49 Uhr:
@Roichi:

Es ist eben keine Frage von Intelligenz. Und das sage ich ihnen als Hochbegabter.

Wenn ich nun z.B. lese, was angeblich gestern in der Welt passiert ist und wenn es nur 50 KM weit weg ist, habe ich kaum eine Möglichkeit den Wahrheitsgehalt der Meldung festzustellen.

In manchen Fällen kann ich noch hinfahren und schauen, was sich an Indizien findet. Aber das ist bestenfalls eine Annäherung an die Wahrheit und bietet keine Sicherheit des Wissens.

In den meisten Fällen hat man aber nicht mal diese Möglichkeit. Man muss sich entscheiden, ob man der Darstellung glaubt oder nicht.

Und bei den meisten Terroranschlägen gab es regelmäßig Videos auf Youtube, die die Plausibilität der offiziellen Geschichte stark in Mitleidenschaft ziehen, wenn man ihnen glaubt und unterstellt, dass die präsentierten Beweise echt sind.

Nachdem man die fabrizierten Geschichten in der Presse zu Kriegsgründen im Irakkrieg (Incubator Lüge und Weapon of Massdestruction Lügen) kennt und wenn man sich mit den Dokumenten zum Iran-Contra Gate oder der Opperation Sussanah auseinadersetzt, dann kommt man dazu, dass es sehr unwahrscheinlich ist, dass die Presse die Wahrheit sagt, wenn politische Interessen eine Rolle spielen.

Aber auch das kann man nicht mit völliger Sicherheit sagen. Denn der Schluss von der Vergangenheit auf die Zukunft ist niemals zwangsläufig.

Für mich ist jedenfalls der Punkt erreicht, wo sämtlicher Vertrauensvorschuss für dieses System aufgebraucht ist.
 
Roichi Dienstag, 24.November 2015, 14:38 Uhr:
@ Martin

"Es ist eben keine Frage von Intelligenz"

Wenn du als Beispiel eines "Hochbegabten" dafür herhalten musst, dann stimmt das wohl.
Aber was sonst? Villeicht doch Intelligenz, aber anders, als es in irgendwelchen Tests ermittelt wird.

"habe ich kaum eine Möglichkeit den Wahrheitsgehalt der Meldung festzustellen."

Schade für dich.
Eine simple Plausibilitätsprüfung und eine kurze Recherche dazu im Netz sollte doch wohl drin sein.
Danach gibt es zwar immernoch keine "Sicherheit des Wissens", womit du wohl nichts anderes als absolute Sicherheit meinst, aber es bestätigt wesentliche Informationen und führt zu validen Ergebnissen.

"Man muss sich entscheiden, ob man der Darstellung glaubt oder nicht."

Das hat wenig mit Glauben zu tun.

"Und bei den meisten Terroranschlägen gab es regelmäßig Videos auf Youtube, die die Plausibilität der offiziellen Geschichte stark in Mitleidenschaft ziehen, wenn man ihnen glaubt und unterstellt, dass die präsentierten Beweise echt sind."

Du meinst die Viedeos, die jeden kleinen Plausibilitätstest verfehlen. Ja davon gibt es viele und bei dene nhilft wirklich nur Glaube, wenn man das für voll nehmen will.

Ende Teil 1
 
Roichi Dienstag, 24.November 2015, 14:38 Uhr:
Teil 2


Und die "Alternativmedien" sind nicht beeinflusst? Vor allem, da meist völlig unklar ist, wer dahinter steht.
Das Dilemma siehst du als "Hochbegabter" wohl selbst.
Mal abgesehen davon, dass deine Behauptung erstmal nur im Raum steht.

"Für mich ist jedenfalls der Punkt erreicht, wo sämtlicher Vertrauensvorschuss für dieses System aufgebraucht ist. "

Das darfst du gerne so sehen.
Du solltest diesen Punkt aber gelegentlich prüfen. Nur so als Tip.

Ende Kommentar
 

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