von Robert Scholz
   

Die NPD bekommt Post aus dem Iran: „Kampf gegen unarische Kulturen“

Zur Wahl Mahmud Ahmadinejads hatte der mittlerweile verstorbene stellvertretende NPD-Vorsitzende Jürgen Rieger zur Feder gegriffen und devot seine Aufwartung gemacht. Von Antwortschreiben ist nie etwas bekannt geworden. Anlässlich des 20. Jahrestages der Deutschen Einheit flatterte der NPD nun angeblich ein Brief aus Teheran ins Haus, der derart begeisterte, dass man ihn in der aktuellen Ausgabe der NPD-Postille „Deutsche Stimme“ abdruckte.

„Viele Grüße aus Teheran“, auf eine solche Grußbotschaft dürfte man in der NPD-Parteizentrale schon lange gewartet haben. Dass der Absender weder Irans Staatspräsident Mahmud Ahmadinejad, noch ein Kabinettsmitglied und auch kein Mitglied des Parlaments ist, scheint der Freude keinen Abbruch getan zu haben. Kasra Ravanbakhsh wird schlicht als Geschäftsführer vorgestellt, ohne allerdings näher auszuführen, wessen Geschäfte Ravanbakhsh überhaupt führt.

Mehr erfährt man über den NPD-Fan aus dem vorderen Orient hingegen auf seinem Xing-Profil. Hier stellt sich ein Kasra Ravanbakhsh als Geschäftsführer der Firma „Kasra Hooshmand Engineering Co. (KDI)“ auf der Suche nach Geschäftskontakten in Österreich vor. Pathetisch und angesichts der Anbahnung von Geschäftskontakten im Abendland auch nicht ohne einen Schuss Ironie schließt er seine Kurzvorstellung mit: „Möge die helle Flamme dieser schöpferischen Kultur niemals durch Globalisierung und Zuwanderung zum erlöschen kommen. (Fehler im Original)“

In ganz ähnlichem Stil ist auch der Brief „an den Vorsitzenden der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands“ verfasst. Das deutsche Volk, so Ravanbakhsh, könne „glücklich sein, zu wissen, daß die nationalen Parteien wie die NPD noch in Deutschland leben und für seine Unabhängigkeit, Einheit und arische Identität kämpfen.“ Als Repräsentant aus dem „Land der Arier“ (deutsche Übersetzung von „Iran“) sieht der Geschäftsführer im Ariertum den großen gemeinsamen Nenner: „Wir im Iran als das erste vereinigte arische Volk der Welt wissen, wie heilig gerade den Ariern aller Welt Ihr Kampf in Deutschland gegen unarische und destruktive Kulturen und Ideologien wie Kapitalismus, Marxismus und abrahamitischer Religionismus (!) ist.“

Durch den Brief scheint sich die NPD in ihrem Kampf in Deutschland gegen unarische und destruktive Kulturen kräftig gebauchpinselt zu fühlen. Dass der Kampf der NPD sich zurzeit in Deutschland aber vor allem gegen den Islam richtet und letztlich dieser als „destruktive Kultur“ ausgemacht wird, scheint sich allerdings noch nicht bis zu den muslimischen Ariern in Teheran herumgesprochen zu haben.

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