Die neue Welt des George W. Bush – Die Machtergreifung der Ultrakonservativen im Weißen Haus (2003)

Der unheilige und massive Einfluss ultrakonservativer Kreise auf die Regierungspolitik der Vereinigten Staaten ist kein wirklich neues Thema.

Freitag, 12. August 2005
Thomas Klaus
Der unheilige und massive Einfluss ultrakonservativer Kreise auf die Regierungspolitik der Vereinigten Staaten ist kein wirklich neues Thema. Vor dem Hintergrund des Irak-Krieges und des Feldzuges der US-Administration gegen den internationalen Terrorismus wurde immer wieder publizistisch zur Sprache gebracht, dass im mächtigsten Land der Erde politisch fundamentalistisch ausgerichtete Personen mit handfesten wirtschaftlichen Interessen zu Gunsten der Öl- und Waffenindustrie am Ruder sind. Eric Laurent, Autor des Bestsellers „Die Kriege der Familie Bush“, hat sich ebenfalls mit dieser Fragestellung auseinander gesetzt und ergiebige Informationen über die „Konservative Revolution“ zusammengetragen. Titel des Buches: „Die neue Welt des George W. Bush – Die Machtergreifung der Ultrakonservativen im Weißen Haus“. Eingangs stellt der Verfasser fest: „In der amerikanischen Geschichte legten viele Präsidenten großen Wert auf ihre religiösen Wurzeln und demonstrierten dies in ihren Reden mit Bibelzitaten. Doch vor George W. Bush’s Einzug ins Weiße Haus hatte Religion nie dieses überproportionale Gewicht.“ Dieses Gewicht wurde bereits in der Antrittsrede als Präsident deutlich, die George W. Bush hielt. Darin äußerte er unter anderem, dass ein „Engel über dem Auge des Wirbelsturms steht“ und ihm die richtige Richtung weist. Chip Bertlet, einer der bekanntesten US-Experten für ultrakonservative religiöse Bewegungen, urteilt über den Präsidenten: „Bush steht dem messianischen und apokalyptischen Gedankengut der militanten evangelischen Christen nahe. Er teilt ihre Weltanschauung, dass zwischen dem Guten und dem Bösen ein gigantischer Kampf im Gange ist, der seinen Höhepunkt in einer letzten Schlacht erreichen wird.“ George W. Bush steht mit seinem religiösen Eifer im Washingtoner Machtapparat keinesfalls alleine da. So berichtet Eric Laurent, dass das gesamte Personal des Weißen Hauses täglich an Bibelgruppen teilnehme. Der Autor spitzt zu: „Der Präsidentensaal wirkt wie ein großer Gebetssaal, in dem die Männer zwischen zwei gemeinsamen Lesungen des Alten oder des Neuen Testaments die Geschäfte Amerikas und der Welt führen.“ Diese Gesinnung führt zu seltsam anmutenden und politisch gefährlichen Allianzen, die in dem Buch ausführlich geschildert werden. Eine betrifft die auch als „Vereinigungskirche“ bekannte Mun-Sekte des südkoreanischen Gurus San Myung Mun, die über vielfältige Verbindungen in das rechtsextreme Lager auf der ganzen Welt verfügt. Die Mun-Sekte erfreut sich ausgezeichneter Verbindungen in die Machtzentrale der westlichen Welt. So wurde am 19. Januar 2001 im Hyatt-Hotel in Washington ein Mittagessen mit Gebet zum Amtsantritt von George W. Bush, ausgerichtet. Bei dieser Gelegenheit erhielt Mun eine Auszeichnung für seine „Arbeit zur Förderung traditioneller Familienwerte“. Die Laudatio hielt US-Justizminister John Ashcroft. Schon zu Regierungszeiten des Präsidentenvaters George Bush genoss die Mun-Sekte starke Rückendeckung im Weißen Haus. Beispielsweise hatte der Chefredakteur der von der Mun-Sekte gegründeten und gelenkten „Washington Times“, Wesley Purden, ständig einen direkten Zugang zu George Bush senior. Bei einem privaten Mittagessen, zu dem Präsident Bush Purden eingeladen hatte, erklärte er ihm Laurent zufolge: „Ich möchte Ihnen sagen, wie wertvoll die Times, die wir täglich lesen, für Washington geworden ist.“ Zwei der konservativen Richter des Obersten Gerichts von Florida, die bei der Präsidentschaftswahl im November 2000 eine erneute Stimmenauszählung verhinderten, und wodurch schließlich George W. Bush an die Macht gelangte, sind aktive Mitglieder der – von Energieminister Spencer Abraham mitbegründeten – ultrarechten Federalist Society for Law and Public Policy Studies. Einer von ihnen war Clarence Thomas, dessen Frau bei der erzkonservativen Heritage Foundation arbeitete und mit den Vorbereitungen für die Ernennungen der künftigen Bush-Regierung betraut war. Zwar geht Laurent in seinem Werk zu stark auf wirtschaftliche Interessen von Mitgliedern der US-Regierung ein und hätte noch stärker politische und religiöse Aspekte beleuchten sollen. Aber dennoch hat er das System der „Falken“ im Weißen Haus gut dargestellt und seine ungeheure Brisanz klar gemacht.
Kategorien
Tags