von Redaktion
   

Die Nazibraut

Mit „Kriegerin“ kommt jetzt ein Film in die deutschen Kinos, der die rechtsextreme Jugendszene frei von Klischees und realistisch darstellt. Ein Muss für alle, die sich nicht nur berieseln lassen wollen.

Hass. Es ist der pure Hass, mit dem sie Ausländer in der Straßenbahn verprügelt und auf offener Straße den Hitler-Gruß zeigt. Ihr Shirt „Nazibraut“ lässt es jeden wissen: Sie ist rechtsextrem. Marisa ist 20, lebt mit ihrer Mutter in einer ostdeutschen Kleinstadt, arbeitet im kleinen Supermarkt um die Ecke.

Mit ihrer Neonazi-Clique hängt sie ab, gibt sich grenzenlosen Besäufnissen hin und hat am ganzen Körper Tattoos: Ein Hakenkreuz auf der Brust trägt schon, auf dem Schulterblatt soll Adolf Hitler folgen. In ihrer Gruppe kennen sie keine Grenzen, Gewalt ist Alltag. Mit ihrer Mutter kommt Marissa nicht klar, der Großvater ist die einzige Person, der sie vertraut. Im Kindesalter war er es, der seiner „Kriegerin“ eingehaucht hatte, dass die Juden die Drähte in der Hand halten würden.

Der Wendepunkt

Im Laden weigert sich Marisa, zwei Asylbewerber zu bedienen. Später am Strand gibt es ein Wiedersehen: Die Neonazi-Clique vertreibt die beiden Jungmänner. Sie drohen ihnen. Marisa fährt den beiden mit ihrem Auto hinterher und stößt sie bei voller Fahrt samt Moped in den Straßengraben.

Im Film merkt man, dass es der Wendepunkt in Marisas Geschichte ist. Sie ist wütend und unsicher. Beim nächsten Einkauf kommt nur noch einer der Flüchtlinge in den Supermarkt, Marisa überwältigen Schuldgefühle. Hat sie tatsächlich jemanden umgebracht? Sie beginnt, sich aus der Nazi-Szene lösen zu wollen. Dem Asylbewerber gibt sie Essen aus dem Laden, bietet ihm Unterschlupf und hilft ihm auf seiner Flucht nach Schweden.

Eine „88“ als Erkennungszeichen

Während Marisa die Clique verlassen will, kommt Svenja gerade erst rein. Svenja ist 15, zweitbeste ihrer Klasse und wird Zuhause von einem dominanten Stiefvater getriezt. Sie sucht nach Bestätigung und Halt. Über einen Freund rutscht die Jugendliche in die Clique von Marisa. In kleinen Schritten erkundet sie die rechte Szene: Sie fängt an zu trinken, hört die einschlägige Musik und lauscht den ewiggestrigen Reden auf Partys.

Schnell fühlt sie sich als Teil der Gruppe und des „nationalen Widerstands“. Sie lässt sich eine „88“ als Erkennungszeichen („H“ der achte Buchstabe im Alphabet steht für „Heil Hitler“) stechen, bricht mit ihren Eltern und gibt sich voll der Clique hin. Sie beginnt, zu verrohen, Gewalt ist kein Tabu mehr. Bei einer Jagd auf eine Multikulti-Truppe im Ort ist sie dabei.

Darstellung der alltäglichen Gewalt

Der Spielfilm „Kriegerin“, der ab dem 19. Januar in den deutschen Kinos zu sehen sein wird, gibt Einblick in das Leben rechtsextremer Jugendlicher in Deutschland. Debüt-Regisseur und Autor David Wnendt hat einen packenden Film geschaffen. Wie Wnendt die Wege in und Versuche raus aus dem rechtsextremen Milieu aufzeigt, lässt mitfühlen. Immer wieder packt die Zuschauer der Ekel vor roher Gewalt, Wut und Aggression.

Die unmittelbare Darstellung der alltäglichen Gewalt innerhalb der Gruppe und nach Außen ist schockierend und doch nötig, um das reale Leben dieser rechtsextremen Jugend nachvollziehen zu können.

„Kriegerin“ ist absolut empfehlenswert, 103 Minuten, die man gesehen haben sollte. Nicht weil sie unterhaltend sind, sondern weil sie aufwühlen, zu Diskussionen anregen und das Thema rechtsextremer Jugendkultur lebendig vermitteln. Die Auszeichnung der Deutschen Film- und Medienbewertungsstelle mit dem Prädikat „besonders wertvoll“ ist absolut gerechtfertigt. Frei von dumpfen Klischees und pädagogischer Moral wird unmittelbar ein Einblick in die Szene gewährt, was zur weiteren Auseinandersetzung mit dem Thema bewegt.

Kriegerin“ (Drama), Kinostart: 19. Januar; Regie: David Wnendt; Laufzeit 103 Minuten.

Mit freundlicher Genehmigung des „blick nach rechts“ übernommen

Kommentare(14)

tnt88 Mittwoch, 11.Januar 2012, 09:30 Uhr:
´´Mit „Kriegerin“ kommt jetzt ein Film in die deutschen Kinos, der die rechtsextreme Jugendszene frei von Klischees und realistisch darstellt´´

Oh ja, nach der Beschreibung bin ich mir sicher, dass dieses Szenarion jeden Tag im tiefsten Osten passiert,bestimmt jetzt gerade...
Das is doch genau son Film wie jeder andere...jeder Nazi is gewalttätig,besäuft sich nur und geht Ausländer klatschen...Klischeehafter gehts doch nun echt nicht.
 
Kabal Mittwoch, 11.Januar 2012, 09:35 Uhr:
Filmtechnisch sieht der Streifen ganz gut gemacht aus. Wenn aber der Inhalt oben korrekt wiedergegeben ist, riecht das doch alles nach Klischee - und nicht nur nach Klischees über rechtsextreme Jugendliche, sondern auch nach einem Klischee-Drehbuch:

"Mit ihrer Neonazi-Clique hängt sie ab, gibt sich grenzenlosen Besäufnissen hin und hat am ganzen Körper Tattoos: Ein Hakenkreuz auf der Brust trägt schon, auf dem Schulterblatt soll Adolf Hitler folgen. In ihrer Gruppe kennen sie keine Grenzen, Gewalt ist Alltag. Mit ihrer Mutter kommt Marissa nicht klar, der Großvater ist die einzige Person, der sie vertraut. Im Kindesalter war er es, der seiner „Kriegerin“ eingehaucht hatte, dass die Juden die Drähte in der Hand halten würden." (Fehler im Original)

Das geht psychologisch und moralisch einfach zu glatt auf.
Jugendliche Orientierungslosigkeit + Nazi-Großvater -> Nazi-Enkelin (88, Tattoos, Alkohol, Landser, Rassismus)
Dann: Konsequenzen werden sichtbar -> Katharsis, Wandel um 180 Grad, vom Saulus zur Pauline.
Der Nazismus als schnell erklärte persönliche Pathologie, ach, wäre doch nur ein staatlich bezahlter Sozialarbeiter vor Ort gewesen, aber - seufz! - der ist sicher der Extremismusklausel zum Opfer gefallen.

Auch das stets provinzielle deutsche Kino sollte über solche Lehrstück-Schablonen langsam hinaus sein. Meine Empfehlung, nach wie vor: "Amercian History X". (Obwohl der natürlich die US-Nazi-Subkultur behandelt.)
 
Der Raider Mittwoch, 11.Januar 2012, 10:50 Uhr:
Sorry, aber "American History X" ist doch genauso klischeehaft. Wie soll denn rechte Jugendkultur deiner Meinung nach dargestellt werden? Und leider ist es ja so, dass so ein Film die "richtigen" Personen überhaupt nicht erreicht, bzw. von diesen auch noch falsch verstanden wird.
 
Amtsträger Mittwoch, 11.Januar 2012, 11:02 Uhr:
Wer sind denn die "richtigen" Personen? Menschen wie Björn oder PEtra, die bereits jeden Scheiß unkritisch aufgenommen haben und nachplappern? Oder Jugendliche, die nach Werten und Lebensmodellen suchen?

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass obiges "Klischee" sehr oft zutrifft. Warum also nicht aufgreifen?

Dieser Film ist auch für Menschen, die in ihrer Freizeit nicht auf rechtsextremismusauflklärenden Homepages lesen und schreiben ;)
 
Michael Nattke Mittwoch, 11.Januar 2012, 11:17 Uhr:
Dieser Film ist vollgestopft mit Klischees über die Nazi-Szene die einfach nicht zutreffend sind. Es geht um Skinheads, die sich Hakenkreuze auf die Brust tätowiert haben, tage-und nächtelang nur Saufen und Prügeln. Vielleicht wäre der Film im Jahr 1991 oder 1992 realitätsnäher gewesen. Heute ist er es jedoch nicht.

Mit solchen Streifen spielt man den Nazis in die Hände. Ein großer Teil der heutigen Nazis hat eben keine Glatze, keine Hakenkreuz-Tätowierungen und ist durchaus in der Lage sich in bestimmten Situationen und Zusammenhängen ganz smart darzustellen. Ihre Menschenverachtung wird wohl dosiert verabreicht.

Mit solchen Filmen wird der Eindruck erweckt alle Nazis wären dumme, prügelnde, saufende Idioten. Leider ist es in der Realität aber nicht so einfach. Nazis können auch moderne Frisuren haben, modisch gekleidet sein oder gar entsprechend verschiedener Jugendsubkulturen. Sie können ihren Rassismus durchaus anschlussfähig verpacken, wenn es sein muss und an Diskurse in der Mehrheitsgesellschaft anknüpfen.

Es ist traurig, dass es ausgerechnet solche inhaltlich schlechten Filme immer wieder schaffen hoch gelobt zu werden.
 
Ossikind Mittwoch, 11.Januar 2012, 11:20 Uhr:
Im tiefsten Osten is das nunmal leider so... Nazicliquen in denen keiner eigentlich Ahnung hat an was er glaubt und wenn sie dann mit der scheiße, die sie machen, konfrontiert werden, rasten sie entweder noch mehr aus oder kapieren was los ist. Ich kenne einige von denen, weil ich auch ein Ossi-Dorfkind bin. Welcome to Mittweida!
 
b.c. Mittwoch, 11.Januar 2012, 11:25 Uhr:
"Klischeehafter gehts doch nun echt nicht."
aha tnt88.
ist das jetzt doppelte oder dreifache ironie oder doch nur pubertaeres dooftun?
 
b.c. Mittwoch, 11.Januar 2012, 11:29 Uhr:
""richtigen" Personen überhaupt nicht erreicht, bzw. von diesen auch noch falsch verstanden wird."

bei mvspion hat man nazies meisst daran erkannt, dass sie "American History X" als lieblingsfilm fuehrten.

weiss auch nicht, ob solch film irgendwas bewegt. demnach muessten kriminalfilme dem verbrechen vorbeugen.
 
Laszlo Mittwoch, 11.Januar 2012, 12:59 Uhr:
Gewisse Klischees mögen ja gar nicht falsch sein, einige wiederum sind ebenso falsch wie gefährlich.
Ein Beispiel ist das überstrapazierte Klischee des Skinheads als Nazi und des Nazis als Skinhead. Es vermittelte nämlich nicht nur den falschen Eindruck, jeder Skinhead sei Nazi, sondern - viel gefährlicher noch - suggeriert auch den falschen Umkehrschluss, wer nicht wie ein Skinhead herumlaufe, sei auch kein Nazi.

So hat sich vor allem die Yellowpress wie BILD u.a. in den 80ern und 90ern darin "verdient" gemacht, das Phänomen des Rechtsradikalismus zu isolieren und auf eine Randkultur abzuwälzen, während sie selbst munter rechte Hetze betreiben konnte und so die Saat rassistischer und nationalistischer Ressentiments in der Mitte der Gesellschaft goss. Das Ergebnis haben wir heute auszubaden.
 
Kabal Mittwoch, 11.Januar 2012, 13:48 Uhr:
Das Grundproblem solcher Filme mit einer (aufklärerischen) Botschaft ist doch, dass sie etwas Allgemeines ausdrücken wollen und sich des Speziellen nur zur Darstellung, zur Visualisierung bedienen. Die Macher haben ein Thema (samt der darin eingeschlossenen Gegenstände) im Kopf und dazu eine Moral/eine Aussage. Das brechen sie dann gerade so weiter herunter, dass die Kamera es einfangen kann.

Die Idee: Jugendliche Rechtsextreme geraten in die Szene weil sie orientierungslos sind und dadurch anfällig für den bösen Einfluss von außen. Um einen Film draus zu machen muss man zunächst nichts weiter tun, als den "abstrakten" Jugendlichen zu individualisieren, ihm einen Namen zu geben und dazu noch die passende Konstellation von Nebenfiguren hinzustellen.

Das Problem damit ist, dass die Figuren platte Klischees ohne Eigenleben werden und die Handlung dem Schema F folgt. Die Figuren verfügen über die zwei, drei Eigenschaften, die sie brauchen, um ihren "Auftrag" zu erfüllen, ihre Taten sind berechenbar, ihre Psychologie läuft ab wie ein Uhrwerk. Es gibt keine oder nur eine genau berechnete innere Spannung.

Den fraglichen Film habe ich nicht gesehen und will ihm kein Unrecht tun. Aber das oben Beschriebene ist ein allgemeines Symptom und die Inhaltsangabe hier auf ER lässt nichts Gutes erahnen.
 
Stefan Mittwoch, 11.Januar 2012, 14:51 Uhr:
Gääähhnnn. Und in zwei Jahren kommt die Verfilmung des von Beate Z. verfassten Romans NSU - den würde ich mir wirklich anschauen. Aber dieser hier ist wahrscheinlich von ein paar älteren linken Filmstudenten, die den Film von einem dutzend Stiftungen und Zentralräten gefördert bekommen haben. Der läuft durch aktuelle Ereignisse vielleicht ganz gut, ist aber dann doch als kleine Erheiterung und Auflockerung für den Staatsbürgerkundeunterricht gedacht - Führer EX zieht eben nicht mehr.
Hier übrigens ein Antifa Kommentar:
http://www.nadir.org/nadir/periodika/aib/archiv/81/32.php
 
ouroboros Mittwoch, 11.Januar 2012, 15:15 Uhr:
Neben den hier schon gegebenen Kommentaren möchte ich noch folgendes Video beifügen: http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1537444/Filmtipp-Die-Kriegerin?bc=sen%3Bsst%3A1209114%3Bsst1%3A1209114#/beitrag/video/1537444/Filmtipp-Die-Kriegerin
Obwohl der Regisseur es doch nach seiner "jahrelangen Insiderarbeit" besser wissen müsste, redet er von Jugendlichen mit "ganz fürchterlich kurzen Haaren und den einschlägigen Klamotten". Muss ich jetzt demnächst auf meine Harrington, meine DocMartens und meine kurzen Haare einen riesigen Aufkleber raufkleben um allen mitzuteilen, dass ich deshalb kein Nazi bin? Denn genau das wird doch wieder mit solchen Filmen bewirkt! Natürlich wird versucht Leute aufzuklären, die sich nicht jeden Tag mit verschiedensten Subkulturen und ihren Erkennungszeichen auseinandersetzen. Aber das darf doch als Ergebnis den Menschen nicht die uralte Klischeebrille neu aufsetzen. Gerade heute fällt es doch sogar "Insidern" schwer zu erkennen, wer (mal genauso klischeehaft gesprochen) in welche Ecke einzuordnen ist, da alle subkulturellen Abgrenzungen vermischt und aufgeweicht werden. Das würde einen aktuellen und gut recherchierten Film über die Nazi-Szene (nicht nur in Deutschland) ausmachen.
 
Anna S Donnerstag, 12.Januar 2012, 07:29 Uhr:
ähhm. Ok, Klischees in dem Trailer, wie nicht anders erwartet. Story auch alles so wie immer...
Schaue ich also mal woher denn der Artikel kommt, der liest sich ja, wie nen reiner PR-Text. Und Bingo - Da schreibt jemand einen Text, der einmal vorher auf bnr nen Artikel geschrieben hat, und im letzten Sommer bei Vorwärts nen Praktikum gemacht hat. Und ER übernimmt das dann ohne mal zu hinterfragen...
Das mit dem angeblichen klischeefreien Film sollte euch doch auch komisch vorkommen oder? oder berichtet ihr nun konsequenterweise dann nicht mehr über die AN?
Schade eigentlich, ich hätte von ER mehr erwartet. Mal davon ab, dass ich von einem Film, der angeblich so aufklären will, eine Pressevorstellung für die üblichen Verdächtigen erwartet hätte, wenn die Macher schon so gut recherchiert haben für den Film...
 
Ole Goldweida Donnerstag, 12.Januar 2012, 08:00 Uhr:
Mir kommt es recht komisch vor, dass keine der einschlägigen Afa-Websites eine eigene Rezession zu diesem Film schreibt und nur der Text von A. Poettgen übernommen wird. Ist denn außer der typischen "Prominenz" niemand zu den Premieren eingeladen gewesen oder betreibt Ihr alle nur noch Copy&Paste Journalismus?
Schon allein die Aussage "Herr Wnendt hätte in der Szene recherchiert" gepaart mit seinem Text "die hatten alle ganz kurze Haare und die syenetypischen Klamotten" stellt mir die Nackenhaare auf.
Vom Glatze, Bomberjackenstyle (Zitat Berlin Boom Orchester)ist die Faschoszene schon lange weg.
Ich wünsche mir einen Film, der den latenten Antisemitismus/Faschismus in der Mitte der Bevölkerung zeigt und auch auf die versteckte Symbolik der Szene eingeht. Das würde dann vielleicht auch bei der Bevölkerung ankommen.
Ich sehe bei diesem Film die Gefahr, daß er wie zB. American History X zu einem Kultfilm der Faschos wird.
 

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