von Redaktion
   

Die HDJ in MV: „Einheit Mecklenburg und Pommern"

In Mecklenburg-Vorpommern gibt es eine große personelle Überschneidung zwischen den Aktiven der NPD und der rechtsextremen Kinder- und Jugendorganisation „Heimattreue Deutsche Jugend“ (HDJ). In der HDJ-Einheit „Mecklenburg und Pommern“ werden vor allem Zeltlager organisiert. Diese finden häufig auch auf den Grundstücken von NPD-Aktivisten aus MV statt.


Denn die HDJ genießt im Norden eine besondere Nähe zur Führung der NPD. So zählen zu den prominenten Anhängern der HDJ-Einheit „Mecklenburg und Pommern“ die NPD-Landtagsabgeordneten Tino Müller aus Ueckermünde und Stefan Köster aus Paetow-Steegen bei Hagenow. Müller, der immer wieder auch mit Foto im „Funkenflug“ auftaucht, erklärte in einem Interview 2006, die Bundesrepublik sei „erkrankt“, ein Staat seiner Vorstellung müsste dem Ideal der „Volksgemeinschaft“ entsprechen. Müllers Devise heiße „Gemeinnutz geht vor Eigennutz“ – übrigens eine Losung aus dem 25-Punkte-Programm der NSDAP.

Auch die Wahlkreismitarbeiter David Petereit aus Neustrelitz, Torgaj Klingebiel aus Lübtheen sowie der Mitarbeiter im Bürgerbüro von Udo Pastörs, Andreas Theißen, und das NPD-Kreistagsmitglied von Ostvorpommern, Mario Kannenberg, zählen zum HDJ-Umfeld. Der Kameradschaftsaktivist Lutz Giesen steuert Gedichte bei und der ehemalige militante Neonazi Frank Klawitter, ebenfalls aus Greifswald, organisierte u.a. das Tanzvergnügen in Demmin 2006, aber auch das Versorgungszelt beim Pfingstlager 2007 in Eschede. Auf dem Anwesen des ehemaligen Hamburger Kameradschaftskaders Dirk Sokol in Lüttenmark sollen bereits HDJ-Treffen stattgefunden haben, und der NPD-Kreistagsabgeordnete von Ludwigslust, Michael Grewe, nahm ebenfalls am Zeltlager in Eschede teil.

Die „Einheit Mecklenburg und Pommern“ wurde am 29. Januar 2006 gegründet, einen „Freundeskreis“ der HDJ gab es bereits. Die sogenannte „Leitstelle Nord“ befindet sich in Greifswald. Als Einheitsführer wird Ragnar Dam angeführt. Die HDJ-Sektion scheint weitestgehend identisch mit den Führungskadern der regionalen NPD und ihren Angehörigen. Im Raum Lübtheen würden bereits seit Jahren regelmäßige Treffen abgehalten, berichtet Aussteigerin Privenau. Frauen und Kinder aus Hamburg kämen hinzu, insgesamt sei es ein Kreis von etwa 30 Kindern, die sich dort versammelten.
Heimattreue Anhänger stammen aber auch aus Neubrandenburg, Neustrelitz, Greifswald, von der Insel Usedom, aus Ueckermünde oder Bad Doberan. Enge Kontakte bestehen vor allem zur „Einheit Preußen“, aktiv in Brandenburg und Berlin. Gemeinsam beteiligt man sich am alljährlichen „Tollensesee-Marsch“,  einem Geländemarsch 40 Kilometer um den See in Neubrandenburg zum Gedenken an den NS-ler Horst Wessel.

Die Pressestelle des Innenministeriums in Schwerin teilt die Einschätzung, „die HDJ betreibe vor allem Kinder- und Jugenderziehung im NS-Sinne.“ Im Verfassungsschutzbericht des Landes taucht die HDJ erstmalig 2006 namentlich auf. Dabei siedelten sich gerade in Westmecklenburg zahlreiche Familien aus dem Umfeld der HDJ bzw. der NPD-Führungsebene an. In der Umgebung von Lübtheen, Boizenburg und Hagenow kauften sich „volkstreue“ Familien in den vergangenen Jahren Häuser. Der NPD-Fraktionsvorsitzende Udo Pastörs soll  manchmal sogar von einem „nationalen Dorf“ geschwärmt haben, welches großflächig entstehen solle. Gegenüber einem NDR-Fernsehteam lobte Pastörs die Jugendarbeit der HDJ als „sehr gut“, die er „empfehlen“ könne.

Andrea Röpke

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